Hermann Simon
Deutschland exportiert nicht!

Exporte reduzieren? „Welch ein Unsinn“, findet Unternehmensberater und Mittelstandsexperte Hermann Simon – und räumt mit einem im Ausland weit verbreiteten Missverständnis auf.
  • 13

BonnDeutschland wird ständig wegen seiner zu hohen Exporte kritisiert. Das hat Folgen. Die G20-Runde will jetzt die "deutsche Exportstärke aufs Korn" nehmen, wie das Handelsblatt am vergangenen Mittwoch geschrieben hat.

Seit Jahren bedrängen Politiker und Experten, vor allem aus exportschwachen Ländern, Deutschland, seine Exporte zu reduzieren. Welch ein Unsinn! Deutschland exportiert nämlich nicht. Die Exporte Deutschlands sind faktisch null. Denn es sind nur die deutschen Unternehmen, die exportieren.

Das mag wie eine Banalität klingen. Aber dahinter stecken eine wichtige Einsicht und ein fundamentaler Unterschied, auf den meines Wissens der Harvard-Professor Marc Melitz als Erster hingewiesen hat. Das Gerede von Ländern als Exporteuren führt auf den falschen gedanklichen Weg und lenkt den Blick von den wirklichen Wurzeln der Erfolge und Misserfolge im Export ab. Im Mittelpunkt dieser fehlgeleiteten Sichtweise stehen nämlich Staat und Politik. Dabei geht es beim Export aber vor allem um Unternehmen.

Ein starker Export ist nichts anderes als der Beweis dafür, dass ein Land starke Unternehmen hat. Denn nur Unternehmen, die international wettbewerbsfähig sind und am Weltmarkt auskömmliche Preise erzielen, exportieren. Falls es an der Wettbewerbsfähigkeit im Hinblick auf Qualität oder die Fähigkeit zur Innovation mangelt, kauft niemand im Ausland die Produkte. Und falls die Kosten zu hoch sind, so dass keine ausreichende Marge resultiert, exportieren die Unternehmen von sich aus nicht.

Der Umkehrschluss gilt natürlich auch: wenn ein Land niedrige Exporte aufweist, dann hat es keine ausreichende Zahl starker Unternehmen. Entweder haben die Firmen in diesen Ländern keine Produkte mit international begehrten Eigenschaften anzubieten (etwa im Hinblick auf Innovativität, Qualität oder Design), oder sie können ihre Produkte nicht zu Kosten herstellen, die eine ausreichende Gewinnmarge am Weltmarkt erlauben. Wenn also Frankreich, Italien oder Großbritannien im Export schwach sind, dann liegt das nicht primär an der Regierung, sondern daran, dass diese Länder zu wenige starke Unternehmen haben.

Seite 1:

Deutschland exportiert nicht!

Seite 2:

Was wollen die G20 Deutschland denn verbieten?

Kommentare zu " Hermann Simon: Deutschland exportiert nicht!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Genau so stelle ich mir einen Lobbyisten vor!
    Was heißt Exportüberschuss. Beim Saldo von Importen und Exporten sind für über 200 Milliarden, oder fast 8 Prozent des BIP, Güter und Dienstleistungen aus Deutschland geflossen. Die sind einfach weg! Für das dafür in Deutschland erzielte Einkommen aus Arbeitnehmer und Unternehmereinkommen findet auf dem Binnenmarkt keine Konsum- bzw. Investitionsgüter. Gibt es daran Zweifel? Der Exportüberschuss ist im Ausland und kann nicht auf dem Binnenmarkt gehandelt werden. Was kann der Geldbesitzer damit also anstellen? Wenn der Geldbesitzer weder konsumieren noch investieren kann, dann muss er sparen. Das machen die Deutschen mit großer Inbrunst und berauschen sich an den Zahlen auf dem Konto.
    Gestern haben die Forschungsinstitute berichtet, dass 2015 und folgende Jahre der Leistungsbilanzüberschuss jährlich über 250 Milliarden Euro betragen wird. Das sind dann bis 2025 zusätzlich rund 3.000 Milliarden Euro mehr Ersparnisse bei Nullzins. Was sagt Herr Simon wird 2099 alles so zusammengespart sein? Diesen deutschen Ersparnissen müssen ausländische Schulden gegenüberstehen, weil sonst die Bilanz nicht aufgeht. Dazu sagt Herr Simon nichts mehr. Das ist auch besser so. Warum ist das Handelsblatt so erpicht darauf, sich immer wider zu blamieren? Meint man etwa, die Leser merken das nicht?

  • @Herr Peter Noack

    Ich kann mich noch gut an die Argumente erinnern mit denen der Arbeitgeberanteil an den Versicheungen festgenagelt wurde. der Grund war die Wettbewerbsfähigkeit. Hier wäre eine gute Gelegenheit der Anpassung um die Altersarmut z. B. nach 40 Arbeitsjahren zu begegnen.

    Schönen Tag noch.

  • @ Helmut Wagner!
    Sie meinen aber nicht die niedrigen Löhne und Gehälter der Exportunternehmen, oder. Die niedrigen Löhne und Gehälter des öffentlichen Dienstes meinen Sie gewiss auch nicht. Die Deutschen haben im 4. Quartal 2014 79 Milliarden Euro oder fast 3 Prozent des JahresBIP oder 9 Prozent des QuartalsBIP oder 5 Prozent der verfügbaren Einkommen der Arbeitnehmer des ganzen Jahres gespart. Warum haben diese Sparer bei Nullzins nicht mehr Importgüter konsumiert? Die Deutschen wird man wohl nur per Gesetz zu mehr Importkonsum verurteilen können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%