Hermann Simon

Deutschland exportiert nicht!

Exporte reduzieren? „Welch ein Unsinn“, findet Unternehmensberater und Mittelstandsexperte Hermann Simon – und räumt mit einem im Ausland weit verbreiteten Missverständnis auf.
  • Hermann Simon
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Unternehmensberater und Wirtschaftsprofessor. Simons Spezialgebiet: Strategie, Marketing und Pricing. Und natürlich mittelständische Weltmarktführer. (Quelle: Simon-Kucher & Partners)

Unternehmensberater und Wirtschaftsprofessor. Simons Spezialgebiet: Strategie, Marketing und Pricing. Und natürlich mittelständische Weltmarktführer.

(Quelle: Simon-Kucher & Partners)

BonnDeutschland wird ständig wegen seiner zu hohen Exporte kritisiert. Das hat Folgen. Die G20-Runde will jetzt die "deutsche Exportstärke aufs Korn" nehmen, wie das Handelsblatt am vergangenen Mittwoch geschrieben hat.

Seit Jahren bedrängen Politiker und Experten, vor allem aus exportschwachen Ländern, Deutschland, seine Exporte zu reduzieren. Welch ein Unsinn! Deutschland exportiert nämlich nicht. Die Exporte Deutschlands sind faktisch null. Denn es sind nur die deutschen Unternehmen, die exportieren.

Das mag wie eine Banalität klingen. Aber dahinter stecken eine wichtige Einsicht und ein fundamentaler Unterschied, auf den meines Wissens der Harvard-Professor Marc Melitz als Erster hingewiesen hat. Das Gerede von Ländern als Exporteuren führt auf den falschen gedanklichen Weg und lenkt den Blick von den wirklichen Wurzeln der Erfolge und Misserfolge im Export ab. Im Mittelpunkt dieser fehlgeleiteten Sichtweise stehen nämlich Staat und Politik. Dabei geht es beim Export aber vor allem um Unternehmen.

Ein starker Export ist nichts anderes als der Beweis dafür, dass ein Land starke Unternehmen hat. Denn nur Unternehmen, die international wettbewerbsfähig sind und am Weltmarkt auskömmliche Preise erzielen, exportieren. Falls es an der Wettbewerbsfähigkeit im Hinblick auf Qualität oder die Fähigkeit zur Innovation mangelt, kauft niemand im Ausland die Produkte. Und falls die Kosten zu hoch sind, so dass keine ausreichende Marge resultiert, exportieren die Unternehmen von sich aus nicht.

Der Umkehrschluss gilt natürlich auch: wenn ein Land niedrige Exporte aufweist, dann hat es keine ausreichende Zahl starker Unternehmen. Entweder haben die Firmen in diesen Ländern keine Produkte mit international begehrten Eigenschaften anzubieten (etwa im Hinblick auf Innovativität, Qualität oder Design), oder sie können ihre Produkte nicht zu Kosten herstellen, die eine ausreichende Gewinnmarge am Weltmarkt erlauben. Wenn also Frankreich, Italien oder Großbritannien im Export schwach sind, dann liegt das nicht primär an der Regierung, sondern daran, dass diese Länder zu wenige starke Unternehmen haben.

Was wollen die G20 Deutschland denn verbieten?
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  • Genau so stelle ich mir einen Lobbyisten vor!
    Was heißt Exportüberschuss. Beim Saldo von Importen und Exporten sind für über 200 Milliarden, oder fast 8 Prozent des BIP, Güter und Dienstleistungen aus Deutschland geflossen. Die sind einfach weg! Für das dafür in Deutschland erzielte Einkommen aus Arbeitnehmer und Unternehmereinkommen findet auf dem Binnenmarkt keine Konsum- bzw. Investitionsgüter. Gibt es daran Zweifel? Der Exportüberschuss ist im Ausland und kann nicht auf dem Binnenmarkt gehandelt werden. Was kann der Geldbesitzer damit also anstellen? Wenn der Geldbesitzer weder konsumieren noch investieren kann, dann muss er sparen. Das machen die Deutschen mit großer Inbrunst und berauschen sich an den Zahlen auf dem Konto.
    Gestern haben die Forschungsinstitute berichtet, dass 2015 und folgende Jahre der Leistungsbilanzüberschuss jährlich über 250 Milliarden Euro betragen wird. Das sind dann bis 2025 zusätzlich rund 3.000 Milliarden Euro mehr Ersparnisse bei Nullzins. Was sagt Herr Simon wird 2099 alles so zusammengespart sein? Diesen deutschen Ersparnissen müssen ausländische Schulden gegenüberstehen, weil sonst die Bilanz nicht aufgeht. Dazu sagt Herr Simon nichts mehr. Das ist auch besser so. Warum ist das Handelsblatt so erpicht darauf, sich immer wider zu blamieren? Meint man etwa, die Leser merken das nicht?

  • @Herr Peter Noack

    Ich kann mich noch gut an die Argumente erinnern mit denen der Arbeitgeberanteil an den Versicheungen festgenagelt wurde. der Grund war die Wettbewerbsfähigkeit. Hier wäre eine gute Gelegenheit der Anpassung um die Altersarmut z. B. nach 40 Arbeitsjahren zu begegnen.

    Schönen Tag noch.

  • @ Helmut Wagner!
    Sie meinen aber nicht die niedrigen Löhne und Gehälter der Exportunternehmen, oder. Die niedrigen Löhne und Gehälter des öffentlichen Dienstes meinen Sie gewiss auch nicht. Die Deutschen haben im 4. Quartal 2014 79 Milliarden Euro oder fast 3 Prozent des JahresBIP oder 9 Prozent des QuartalsBIP oder 5 Prozent der verfügbaren Einkommen der Arbeitnehmer des ganzen Jahres gespart. Warum haben diese Sparer bei Nullzins nicht mehr Importgüter konsumiert? Die Deutschen wird man wohl nur per Gesetz zu mehr Importkonsum verurteilen können.

  • Genauso ist es ich stimme Ihnen voll und ganz zu.
    Hier auch ein guter Artikel zum Thema:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutschlands-handelsbilanz-die-probleme-einer-exportnation-a-1028256.html#js-article-comments-box-pager

  • Es geht nicht um die Exporte, sondern um die hohen Importdefizite und die zu niedrigen Löhne und Gehälter in Bezug auf die Produktivität.

  • Die meisten Länder, bzw. Kunden in diesen Ländern, sind doch selbst Teil dieses "Problems": Warum importieren sie so viel von uns?

    Somit hätten die anderen Länder es in der Hand, unseren Export zu begrenzen: Sie bräuchten einfach nicht mehr so viel bei uns zu kaufen.

  • Wes‘ Brot ich ess, des Lied ich sing ….

    Zitat: Ein starker Export ist nichts anderes als der Beweis dafür, dass ein Land starke Unternehmen hat.

    Der Herr „Unternehmensberater und Mittelstandsexperte“ (und Lobbyist) Hermann Simon weiß natürlich nur zu gut, dass nicht der „starke Export“ kritisiert wird, sondern die jahrelangen exorbitanten Exportüberschüsse. Zu DM-Zeiten hatten wir ebenso einen „starken Export“, aber im Mittel einen nahezu gleich hohen „starken Import“. Aber davon wird abgelenkt, denn dann käme man ja zu dem eigenen Klientel unangenehmen Fragen und Antworten.

    Erst seit der €-Einführung fährt Deutschland Jahr für Jahr exorbitant hohe Leistungsbilanzüberschüsse ein – einfach deshalb weil der € für Deutschland unterbewertet ist. Dadurch, und durch die jahrelange Lohnzurückhaltung in D (auch in Folge der Hartz4-Reformen) werden die Waren im außer-€-Ausland preislich wettbewerbsfähiger. Und das ohne dass die (nicht mehr vorhandene eigene Währung) deshalb, wie früher zu DM-Zeiten, aufwerten würde. Damals hat diese Aufwertung automatisch für niedrigere Importpreise und damit für mehr Kaufkraft der abhängig Beschäftigten geführt (nannte man damals „Sozialdividende“).

    Komischerweise erwähnt er diesen Effekt nur in Zusammenhang mit den Importüberschussländern:

    Zitat: Der Umkehrschluss gilt natürlich auch: wenn ein Land niedrige Exporte aufweist, dann hat es keine ausreichende Zahl starker Unternehmen. Entweder haben die Firmen in diesen Ländern keine Produkte mit international begehrten Eigenschaften anzubieten …, oder sie können ihre Produkte nicht zu Kosten herstellen, die eine ausreichende Gewinnmarge am Weltmarkt erlauben.

    Man merkt die Absicht und ist verstimmt ….

    Es ist natürlich voll und ganz im Sinne seiner Klientel, des exportorientierten Mittelstandes, dass das so bleibt. Denn damit lassen sich auch weiterhin fette Gewinne einfahren.

  • Es ist nicht ganz so, wie Herr Simom schreibt: Das Problem ist nicht das Exportvolumen der deutschen Wirtschaft, sondern deren Exportüberschuss. Unser Exportvolumen kann durchaus so weiterbestehen oder sogar noch wachsen. Wir müssen aber mehr importieren, um die Export-Import Bilanz wieder auszugleichen. Es macht überhaupt keinen Sinn über so viele Jahre, wie bei uns, Exportüberschüsse auszuweisen. Das überschüssige Geld wird dann in Form von Krediten oder Investitionen in andere Länder transferiert und geht im schlimmsten Fall dann über Schuldenschnitte oder Staatsinsolvenzen verloren, wie sich das jetzt bei Griechenland abzeichnet. Das heißt dann letztendlich, dass unsere Exporte an derartige Länder verschenkt werden. Eine Erhöhung des Importvolumens könnte auch bewirken, dass in wirtschaftlich schwachen europäischen Ländern z. B. Zulieferbetriebe investiert werden, die dann auch die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder wieder erhöhen könnten. In der Automobilzulieferindustrie ist dieser Weg in den 90er Jahren sehr erfolgreich beschritten worden. Das könnte dann auch als ein Beitrag der deutschen Wirtschaft zur Gesundung schwacher Länder interpretiert werden. Der jetzige Zustand mit ständigen 6 % deutschem Exportüberschuss ist auf keinen Fall langfristig zu halten. Er wird die Leistungsfähigkeiten der europäischen Volkswirtschaften weiter polarisieren und mit Sicherheit mittelfristig zu einem Zusammenbruch des Euro Systems führen.

  • Export ist nich gleich Export. Und die Statistiken dieser Welt sind eh nur für den gut, der diese selbst geschrieben bzw. in Auftrag gegeben hat.
    Was sagt den die Exportgröße "Euro" über unsere Volkswirtschaft (Arbeitsplätze) im Inland aus...genau...NIX!
    Was sagt den die Exportgröße "Volumen" über unsere Volkswirtschaft (Arbeitsplätze) im Inland aus...genau...NIX!
    Was sagt den die Exportgröße "Tonne" über unsere Volkswirtschaft (Arbeitsplätze) im Inland aus...genau...NIX!

  • Herr Simon,
    es ist immer wieder erfrischend zu lesen, dass die ganze Welt falsch liegt, nur Sie den Durchblick
    besitzen. Typisch deutsche Überheblichkeit.
    Und vor allem wie schön Sie die deutsche Sprache interessensweisend einsetzen können.

    In der Sach liegen Sie aber trotz dem Falsch.
    Man muss nur unterschiedliche Artikel auch hier bei HB nachlesen.

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