Industrie-Supermacht Chinas Robo-Revolution

Die Automatisierung soll eine wichtige Rolle beim weiteren Aufstieg der Volksrepublik spielen. Deutsche Produzenten wittern die große Chance. Aber gerade chinesische Anbieter wollen sich einen möglichst großen Anteil vom Wachstumsmarkt sichern.
Automatisierung: China setzt auf den Einsatz von Robotern. Quelle: action press
Produktion bei Volvo

Automatisierung: China setzt auf den Einsatz von Robotern.

(Foto: action press)

Yinchuan, MünchenNackte Mauern, ein blank polierter Boden und eine große Maschine: Die Arbeiterin in der Fabrikhalle hat sich ihren Mundschutz zurechtgerückt. Stumm beobachtet sie, wie die weißen Reiskörner aus einem Rohr in einen weißen Plastiksack gepresst werden. In Sekundenschnelle näht die Maschine das Paket zu. Eine Rollbahn lässt den prall gefüllten Sack durch die Halle gleiten, bis er von einem Roboterarm aufgehoben und auf eine Palette geschichtet wird.

„Hier geschieht alles automatisch. Die Arbeiter brauchen wir hauptsächlich, um die Maschinen zu überwachen“, sagt Liu Zibin. Er ist der Vizechef der Firma Zhonghang Zhengfei Saiwaixiang, einem der größten Lebensmittelproduzenten der westchinesischen Region Ningxia. 150.000 Tonnen Reis verarbeitet das Unternehmen in der Stadt Yinchuan jährlich. Was früher Bauern in mühseligen Arbeitsschritten erledigten, geschieht heute weitgehend automatisiert: Die Reisfrucht wird von Spelzen befreit, beim Schleifen Silberhäutchen sowie Keimling entfernt und der weiße Reis letztlich verkaufsfertig verpackt.

China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, entwickelt sich von der Werkbank der Welt zu einem der wichtigsten Wachstumsmärkte für Automatisierungstechnik. „Das klassische Industrialisierungsmodell, das dem chinesischen Entwicklungsprozess der vergangenen 25 Jahre zugrunde lag, ist an seinen Grenzen angekommen“, sagt Georg Stieler, der mit seiner Unternehmensberatung Stieler Enterprise Management Consulting die Entwicklung in der Volksrepublik analysiert hat.

Die Brics-Schwellenländer stecken in der Krise
Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika
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Es ist eine radikale Maßnahme: Chinas Notenbanker schwächten vor kurzem die Landeswährung Yuan (Renminbi) per Beschluss so stark wie nie zuvor an einem Tag. Das soll, so Experten, den Export ankurbeln. Denn die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde kriselt. Und das Reich der Mitte ist nicht der einzige Staat aus der Riege der sonst so selbstbewussten Schwellenländer, der mit Wirtschaftsproblemen zu kämpfen hat. Ein Überblick über die Brics-Gruppe.

Brasilien
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Richtig düster steht es um Brasilien. Die Industrie im fünftgrößten Land der Erde ist in der ersten Jahreshälfte um mehr als sechs Prozent eingebrochen. Die Arbeitslosigkeit schießt in die Höhe, und die Behörden rechnen für dieses Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um 1,1 Prozent, nach plus 0,1 Prozent im Vorjahr. Die Inflation ist mit knapp 10 Prozent auf dem höchsten Stand seit zwölf Jahren.

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Innenpolitisch ist die Lage ähnlich brisant: Korruptionsskandale reichen in höchste Regierungskreise, und in Umfragen sprechen sich zwei Drittel gegen Präsidentin Dilma Rousseff aus. Dabei muss das Ausrichterland der Fußball-WM 2014 und der Olympischen Sommerspiele 2016 dringend sparen und reformieren, denn die Investoren werden zunehmend skeptisch.

Russland
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Die russische Wirtschaft steckt in der Klemme. Die Talfahrt der Ölpreise macht dem von Rohstoffen abhängigen Riesenreich mächtig zu schaffen. Hinzu kommen westliche Sanktionen im Zuge der Ukrainekrise. Der zeitgleich schwache Rubel macht alles noch schlimmer und treibt die Inflation auf über 15 Prozent.

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Gleichzeitig wollen die Notenbanker mit möglichst niedrigen Zinsen die Wirtschaft wieder auf Trab bringen. Das aber schwächt den Rubel weiter. Die Folgen sind verheerend: Die russische Wirtschaft ist laut Zahlen vom Montagabend von April bis Juni um fast 5 Prozent geschrumpft.

Indien
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Mit einem jüngst gemeldeten Wachstum von 7,3 Prozent kommt die indische Wirtschaft anscheinend wieder in Fahrt. Doch auch der Zentralbankchef sieht diese Zahlen mit Skepsis, denn die Regierung hat die Berechnungsmethode geändert - und sich mehr als zwei Prozent dazu addiert. Wichtige Sektoren wie die industrielle Produktion entwickeln sich weiter schwach.

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Und die Opposition legt das Parlament lahm, so dass wichtige Gesetze zum Landerwerb und zur Mehrwertsteuerreform feststecken. Die Infrastruktur ist völlig unzureichend. Andererseits profitiert das Öl- und Gas-Importland von den niedrigen Rohstoffpreisen. Und auf dem Subkontinent steigt die Konsumlaune, was sich etwa an anziehenden Autoverkäufen sehen lässt.

Automatisierung ist eines der wichtigsten Schlagworte in der Reformagenda „Made in China 2025“. Der Pekinger Staatsrat hat darin einen Fahrplan für die Modernisierung der chinesischen Industrie entworfen. China will etablierte Nationen wie Deutschland in Qualität, Effizienz und Nachhaltigkeit einholen. In drei Phasen möchte die Volksrepublik bis zu ihrem 100. Geburtstag 2049 zur „Industrie-Supermacht“ aufsteigen. Deutschlands „Industrie 4.0“ war Vorbild für einige Reformvorhaben, sagt ein hochrangiger Regierungsbeamter, der nicht öffentlich genannt werden möchte.

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