Investoren im „Wilden Osten“ Asiens
„Wir sind hergekommen, um zu helfen“

Kambodscha bietet Wirtschaftswachstum und gute Bedingungen für Investoren. Potenzial sehen sie in den Bereichen Lebensmittel, nachhaltige Energien, Landwirtschaft und Verpackung. Doch das Land hat viele Probleme.

Phnom PenhDie Webmaschine ist riesig. Mehrere Kilometer Stoff kann das computergesteuerte Monster pro Tag ausspucken. Auf der Maschinenmesse im Kongresszentrum von Phnom Penh verfolgt ein Dutzend kambodschanischer Kleiderfabrikanten jede ihrer Bewegungen. Die Aussteller aus China, Hongkong und Taiwan hoffen auf Bestellungen, schließlich boomt die Wirtschaft in Kambodscha.

Hinten in der Ecke der Maschinenmesse gibt es Salzbrezeln und Wurstbrot statt Nudelsuppe und Reis: Bayern International wirbt hier für seine Unternehmen. Noch ist keines davon in dem südostasiatischen Land mit seinen 14 Millionen Einwohnern aktiv. Doch das soll sich ändern. Potenzial sehen die Bayern vor allem in den Bereichen Lebensmittel, nachhaltige Energien, Landwirtschaft und Verpackung.

Der Geschäftsführer von Bayern International, Hans-Joachim Heusler, ist mit Vertretern von acht bayerischen Unternehmen angereist, vom Freilassinger Tragetaschenhersteller Kerler bis zum Architekturbüro Bachschuster aus Ingolstadt. „Wir sind hergekommen, um zu helfen“, sagt Heusler. „Wir hoffen, mit unseren Erfahrungen den Kambodschanern beistehen zu können, ihre Wirtschaft weiterzuentwickeln - ohne die Fehler zu wiederholen, die wir gemacht haben.“

Eines wird den deutschen Messebesuchern in Phnom Penh schnell klar: „Die Konkurrenz aus China ist enorm“, stöhnt einer. Kambodscha mag für europäische Investoren eine exotische Destination sein, nicht aber für die asiatischen Nachbarländer. Längst hat man in China, Vietnam und Thailand den „Frontier-Market“ mit 15,5 Millionen Einwohnern entdeckt. „Kambodscha ist einer der offensten Märkte der Welt“, sagt der deutsche Geschäftsmann Tassilo Brinzer.

Investoren und Glücksritter zugleich kommen nach Phnom Penh, wegen der „ausgezeichneten Bedingungen“, wie sie Brinzer anpreist, der an der Strandpromenade der Hauptstadt ein Restaurant betreibt und Zeitschriften über seinen eigenen Verlag publiziert. „Ohne jegliche Zensur“, so Brinzer, „nicht wie in Thailand.“ Der größte Wettbewerbsvorteil sei aber, dass man in Kambodscha nicht zwingend einen lokalen Partner brauche. „Wenn man eine Firma aufbaut oder erwirbt, gehört sie einem auch wirklich.“ Gleichzeitig seien die Steuern mit 20 Prozent niedrig, qualifizierte Mitarbeiter könnten ohne Mühe ins Land gebracht werden. Die Regierung sei sehr investorenfreundlich.

Handelsminister Sun Chanthol, in den USA ausgebildet, wirbt: „Natürlich bietet eine freie und größtenteils deregulierte Wirtschaft auch Entrepreneuren große Chancen.“ Kambodscha sei „global führend“, wenn es um Konsultation zwischen Regierung und Privatwirtschaft gehe. „Die Anreize für Investoren sind enorm.“

Der wirtschaftsfreundliche Kurs zahlt sich aus. „Kambodscha ist eine der am raschesten wachsenden Volkswirtschaften der Welt“, so Takehiko Nakao, Präsident der Asiatischen Entwicklungsbank, jüngst in Phnom Penh - mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von sieben Prozent im Schnitt der vergangenen zehn Jahre. In diesem Jahr werden 7,3 Prozent erwartet, im kommenden 7,6 Prozent. Der Entwicklungsbank zufolge ist der Wert der Ausfuhren von Kleidern und Schuhen - den beiden wichtigsten Exportprodukten - 2014 um mehr als zehn Prozent auf sechs Milliarden US-Dollar (5,31 Milliarden Euro) gestiegen. Gleichzeitig expandierte die Bauwirtschaft deutlich, angefeuert von stetig steigenden Direktinvestitionen aus dem Ausland.

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