IWF-Chefin Lagarde
Reiche Staaten brauchen die Schwellenländer

Gegen eine schwächelnde Weltwirtschaft sieht IWF-Chefin Christine Lagarde nur ein Rezept: eine engere Zusammenarbeit zwischen Industrie- und Schwellenländern. In der Geldpolitik fordert sie Harmonisierung.

BerlinIWF-Chefin Christine Lagarde wirbt für eine engere Zusammenarbeit der reichen Staaten mit den aufstrebenden Schwellenländern, um Krisengefahren zu bannen und die Weltwirtschaft anzuschieben. „Wir brauchen eine neue Partnerschaft für Wachstum“, sagte sie am Donnertag bei einer Veranstaltung der University of Maryland nahe Washington. Wenn viele Schwellenländer wie etwa der Wirtschaftsriese China aktuell mit Schwächen zu kämpfen hätten, sei das auch für die Industrieländer schlecht. Lagarde zitierte Studien ihres Internationalen Währungsfonds (IWF), wonach eine Abnahme des Wachstums in den Schwellenländern um einen Prozentpunkt die Entwicklung in den Industrieländern um 0,2 Prozent dämpft.

Als eine der großen Herausforderungen nannte Lagarde das wirtschaftspolitische Umsteuern in China weg von der Export- und hin zu mehr Binnenmarkt-Orientierung. Die damit verbundenen Reformen seien „auf lange Sicht ein notwendiger Prozess“. Davon würden China und die Weltwirtschaft profitieren. Kurzfristig aber schwäche dieser Kurs das chinesische Wachstum, was sich auf andere Volkswirtschaften auswirke und auch für Unruhe an den Finanzmärkten sorge. Weitere Herausforderungen seien die massiven Preisrückgänge beim Öl und bei Metallen, was die Währungen etlicher Länder bereits unter Druck gebracht habe. Auch der unterschiedliche Kurs in der Geldpolitik in den großen Industriestaaten bringe Probleme für Schwellenländer mit sich.

Alles, was sich in den Schwelleländern abspiele, wirke sich auch auf die Industrieländer aus, warnte Lagarde. Schließlich würden die aufstrebenden Länder für die reichen Staaten nicht nur als Kunden sondern auch als Investitionsstandort immer wichtiger. Über 80 Prozent des weltweiten Wachstums seit der Finanzkrise von 2008 komme von Ländern wie China, Indien und auch Brasilien. Das habe den Industrieländern geholfen, die Krise zu überwinden. Wenn viele Schwellenländer nun Probleme hätten, seien auch die reichen Staaten gefragt. Als ein besonderes Problem benannte Lagarde, dass aus den aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien und Lateinamerika 2015 allein netto 531 Milliarden Dollar an Kapital abgeflossen seien – im Jahr zuvor verzeichneten diese Länder noch 48 Milliarden Dollar Kapitalzufluss.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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