Kasper Rorsted
Übertriebene Sorgen um die Emerging Markets

Kasper Rorsted, der Vorstandsvorsitzende des Düsseldorfer Konsumgüterkonzerns Henkel, hält nichts von einer pessimistischen Betrachtung der Schwellenländer. Ein Gastbeitrag wider die Schwarzmalerei.

DüsseldorfDie Weltwirtschaft wächst langsamer als in den vergangen Jahren - und kurzfristig ist kein Aufschwung in Sicht. Den Beweis dafür hat die amerikanische Zentralbank geliefert: Sie hat die vor wenigen Monaten noch sicher geglaubte Zinswende verschoben. Das liegt nicht an den Vereinigten Staaten, die sich insgesamt positiv entwickeln. Auch die wirtschaftlichen Unsicherheiten in Europa sind nicht der Hauptgrund dafür. Vielmehr gilt die Sorge den aufstrebenden Wachstumsmärkten.

In den sogenannten Emerging Markets ist das gewohnte starke Wachstum deutlich zurückgegangen, auf geschätzte drei bis vier Prozent. Das ist der geringste Zuwachs seit der Finanzkrise. Die Währungen dieser Länder sind so schwach wie seit 2002 nicht; jede Menge Kapital fließt ab.

Dazu kommt China: Dort sind die Aktienkurse binnen drei Monaten rund 40 Prozent eingebrochen. Die chinesische Zentralbank hat im Sommer den Yuan in kurzer Folge mehrfach abwerten lassen und damit Schockwellen durch die Weltwirtschaft geschickt. Gründe genug, um Schwarzmaler auf den Plan zu rufen.

In vielen Schwellenmärkten ist zu Recht Ernüchterung eingetreten. Eine Reihe rohstoffreicher Länder hat die Boomjahre mit hohen Rohstoffpreisen nicht genutzt, um ihre Abhängigkeit von Bodenschätzen zu reduzieren oder ihre Wirtschaftssysteme weiterzuentwickeln. Aber von einer fundamentalen Krise der Emerging Markets sind wir weit entfernt. Die Lektion aus der Asienkrise Ende der 90er-Jahre ist fast überall angekommen: Die Währungen der meisten dieser Länder sind nicht mehr fixiert, es wurden zum Teil beträchtliche Devisenreserven und Leistungsbilanzüberschüsse aufgebaut, und auch die Abhängigkeit von Auslandskapital wurde reduziert.

Eine ganz wesentliche Rolle spielt die Politik, die die Rahmenbedingungen setzt. In Indien forciert die Regierung den industriellen Aufbau. Auch in China will die Politik strukturelle Reformen zur Stärkung der Wirtschaft beschleunigen. Die Bundesregierung schickte kürzlich ähnliche Forderungen Richtung Brasilien, um der drohenden Rezession entgegenzuwirken.

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„Ich verschließe nicht die Augen vor Problemen“

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