Korruption in Schwellenländern
Vom Sorgenkind zum Vorbild

Die Philippinen gelten mittlerweile als Vorreiter im Kampf gegen die Vetternwirtschaft – auch dank der digitalisierten Verwaltung. Das soll allerdings nicht heißen, dass es dort keine Korruption mehr gibt.
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BangkokEs ist wie früher und doch anders. Der Vizepräsident der Philippinen Jejomar Binay soll in dubiose Immobilienverkäufe verwickelt sein, im Mai froren die Behörden 242 Konten von Binay und mehreren Familienangehörigen ein. Doch anders als früher tobt derzeit eine heftige Debatte über seine Rolle.

Präsident Benigno Aquino III mahnte Binay, der kommendes Jahr Präsident werden will, bis dahin müsse er die Vorwürfe ausräumen. „Noch vor einigen Jahren hätte so ein Korruptionsskandal nicht so hohe Wellen geschlagen“, sagt der Präsident der deutschen Außenhandelskammer auf den Philippinen, Bodo Goerlich. Für ihn ein Zeichen dafür, dass die Korruption mittlerweile ernsthaft angegangen werde.

Auch Weltbank-Präsident Jim Yong Kim bezeichnete die Regierung von Aquino als die eifrigste im Kampf gegen Korruption weltweit. Das trägt Früchte: Der Inselstaat kletterte in den vergangenen zwei Jahren im Index von Transparency International von Rang 105 auf 85, während die anderen wirtschaftlich wichtigen Länder in der Region kaum Fortschritte machten oder sich sogar verschlechterten. Besonders die E-Government-Initiativen der Regierung stoßen international auf Anerkennung.

Auch die deutsche Wirtschaft vor Ort profitiert von dem digitalisierten Verwaltungssystem, beispielsweise bei der Zollabfertigung. Größere Im- und Exporte werden mittlerweile komplett elektronisch angemeldet, anfallende Gebühren bargeldlos bezahlt. „Hier sieht man klare Verbesserungen“, sagt Goerlich. Bei kleineren Warenwerten erfolgt die Bearbeitung jedoch immer noch analog - entsprechend gibt es hier auch immer wieder Probleme, so dass Waren stecken bleiben.

Für Transparenz bei der Vergabe von Staatsaufträgen sorgen außerdem die Open-Data-Bemühungen der Regierungen. Mittlerweile hat das Land rund sieben Millionen Dokumente zu Verträgen zwischen Staat und Unternehmen veröffentlicht. „Die Geschwindigkeit und das Volumen, mit dem die Philippinen die Daten veröffentlichen, ist vorbildlich“, sagt Rogier van den Brink, leitender Weltbank-Ökonom auf den Philippinen. Bürger können genau nachverfolgen, welche Bieter sich beteiligt haben, wie ihre Konditionen waren und welche Mittel der Staat für ein Projekt zur Verfügung gestellt hat.

Andere Schwellenländer sollten sich an der Regierung in Manila orientieren, sagt Weltbank-Ökonom van der Brink. „Mehr Transparenz bringt auch mehr Investoren.“ Verbesserungsmöglichkeiten gebe es aber noch bei der Übersichtlichkeit und der Aufbereitung der Daten. Auch Transparency International fordert die Regierung in Manila auf weiterzugehen. „In vielen Behörden gab es zuletzt sehr reformorientierte Spitzen“, sagt Länderdirektorin Cleo Calimbahin. „Wir hoffen, dass sich dieser Schwung in den kommenden Jahren fortsetzt.“

Frederic Spohr
Frederic Spohr
/ Auslandskorrespondent

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  • Hat die enorme Inflation in the Philippinen mit der Bekämpfung der Korruption zu tun ? Der Besucher sieht jährliche Steigerungen bei Hotelkosten zwischen 15 und 25%, für die Bevölkerung drückt besonders der ständig steigende Preis für die Nationalspeise Reis., jährlich über 5% Steigerung. Zwar steigt auch der gesetzlihe Mindestlohn auf ca. 9 Euro pro Tag ( bei durchschnittlich 10 Stunden Arbeitstag), doch der wird nur in grösseren Firmen bezahlt, die ihre Buchhaltung nicht ohne weieters verschönern können.
    Mit Korruption sind schon viele Teile des Landes unter ausländischen, meist chinesischen Besitz oder Einfluss gekommen, wie die nationalen Fluglinien, viele Banken, Schürfrechte für die reichen Mineralvorkommen und Energievorkommen im Meer.

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