Länder in der Krise
Geschäft mit Risiken und Nebenwirkungen

Politische Konflikte wie zwischen Russland und der Ukraine können Unternehmen hart treffen – vor allem diejenigen müssen sich sorgen, die in diese Länder viel investiert haben. Nun müssen Manager umdenken.
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BangkokAls im Februar am Maidan die Barrikaden brannten, schwarzer Rauch über Kiew aufstieg und Scharfschützen Dutzende Zivilisten erschossen, da reifte bei Bernd Meerpohl die Gewissheit: Dieser Konflikt wird auch für sein Unternehmen schwere Folgen haben. Meerpohl ist Vorstandschef von Big Dutchman. Der Mittelständler verkauft weltweit Fütterungsanlagen und Stalleinrichtungen für die Geflügel- und Schweinezucht - und ist nach eigenen Angaben internationaler Marktführer. Das Unternehmen, das jahrelang auf Wachstumskurs war, steht nun vor ernsten Problemen.

Der Stammsitz der Firma in Calveslage, einem Ortsteil von Vechta in Niedersachsen, befindet sich 1 500 Kilometer Luftlinie von Kiew entfernt. Die Auswirkungen des Konflikts sind jedoch unmittelbar. Drei Monate nach den blutigen Ausschreitungen und dem anschließenden Machtwechsel in der ukrainischen Hauptstadt musste Meerpohl mit schlechten Nachrichten vor seine Belegschaft treten. An einem Freitag im Mai verkündete er 34 betriebsbedingte Kündigungen - vier Prozent der 836 Mitarbeiter in der Zentrale müssen gehen. Es ist das erste Mal, dass sich das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen von Beschäftigten trennt, seit der Stammsitz des Traditionsunternehmens vor drei Jahrzehnten von Holland nach Deutschland verlegt wurde. „Diese Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen“, sagt Meerpohl. „Es ist bitter. Aber es führt kein Weg daran vorbei.“

Jeden vierten Euro erwirtschaftet Big Dutchman in Russland und der Ukraine. Die politische Unsicherheit in beiden Ländern lässt die Nachfrage einbrechen. Der Umsatz von zuletzt 732 Millionen Euro dürfte in diesem Jahr um über 100 Millionen Euro zurückgehen, erwartet Meerpohl. Zwar gebe es auch wirtschaftliche Schwierigkeiten in Westeuropa. „Der überwiegende Teil unserer Probleme steht aber in direktem Zusammenhang mit der Ukraine-Russland-Krise.“

Ein drohender Bürgerkrieg im Osten der Ukraine, möglicherweise harte Wirtschaftssanktionen des Westens, die das Russland-Geschäft belasten: Noch vor wenigen Monaten hat kaum ein Unternehmen mit diesen Gefahren gerechnet. Mittlerweile befürchten viele gar eine weitere Verschärfung der Lage. Der Konflikt verdeutlicht das Problem, mit dem Unternehmen in den Schwellenländern generell konfrontiert sind: Politische Risiken sind dort prinzipiell höher als in den entwickelten Märkten. Doch wann und wo sie eintreten, lässt sich nur schwer vorhersehen. Umso wichtiger sind deshalb eine frühzeitige Analyse der Gefahren und eine umfassende Absicherung.

Bei vielen Unternehmen kommt es zu einem klassischen Denkfehler: „Die Firmen stellen fest, dass es in einer Region lange Zeit relativ ruhig war, und schließen darauf, dass das deshalb auch in Zukunft so bleiben muss“, sagt Silja-Leena Stawikowski. Sie leitet beim Versicherungsmakler Aon in Deutschland den Fachbereich für politische Risiken. In den vergangenen Monaten beobachtete sie weltweit, wie schnell sich die Gefahrenlage in den beliebten Zielländern deutscher Unternehmer zum Schlechteren ändern kann: In einer im April von Aon veröffentlichten Studie zeigte sich in allen BRICS-Staaten ein Anstieg der politischen Risiken: In Brasilien steigt der Einfluss des Staates auf die Wirtschaft, in Russland drohen Sanktionen, Indien hat mit Korruption und einer Zunahme ethnischer Konflikte zu kämpfen. Auch in China verschlechtert sich die Bewertung, weil die Wirtschaftspolitik laut Aon stillsteht. In Südafrika ist die Vielzahl an Streiks die größte Gefahr aus Sicht der Analysten.

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