Müll in Indonesien
Jenseits der Abfallberge

Die rasante Wirtschaftsentwicklung vieler Schwellenländer schafft ein neues Problem: Wohlstandsmüll. Die Ärmsten versuchen, als Müllsammler vom toxischen Unrat zu profitieren. Ein Ortsbesuch in Indonesien .
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YogyakartaMaja hasst Wegwerfwindeln. „Immer wenn ich eine Tüte aufreiße und eine drin ist, wird mir übel“, sagt die junge Frau. Zwischen Bergen von Plastikbeuteln, Blechdosen, Ananasschalen und Hühnerknochen sortiert sie von Hand, was für andere wertlos ist: Tonnen von Abfall. Alle paar Stunden lädt ein Laster eine Ladung ab im Hof der „Material-Wiederverwertungsstelle“ der Gemeinde Bayen-Kalasan in der indonesischen Stadt Yogyakarta.

Die Plastiktüten werden mit Haken zerrissen, Frauen wühlen durch den Inhalt mit dem Eifer von Schatzsucherinnen. Alles ist wertvoll. Trotz der Ansammlung von Müll und der tropischen Hitze riecht es kaum in der Halle. „Wir sind sehr sauber“, sagt Direktor Budi Isro'l stolz. Sein Projekt wurde von der deutschen Hilfsorganisation Borda ins Leben gerufen. Budi und seine fünf Mitarbeiterinnen haben dadurch nicht nur ein Einkommen gefunden - jede Angestellte verdient etwa 120 Euro pro Monat. Die sechs Müllsortierer stehen an der Front einer Bewegung, die für die Wegwerfgesellschaft Indonesiens geradezu revolutionär ist: Abfallverwertung als Geschäft.

Ob Plastik oder Blech: Alle Stoffe werden an kommerzielle Verarbeiter verkauft, organischer Abfall wird in hochwertigen Kompost umgewandelt. „Der Verkauf von Wertstoffen ist für unsere Mitarbeiter zu einer wichtigen Einkommensquelle geworden“, sagt Mila Noviana Dhari von Borda. Und eine Ausnahme. Gerade einmal 1,9 Prozent des Mülls in Indonesien werden sortiert und wiederverwertet. Der Rest landet auf der Deponie. Oder im Wasser.

Mit Wohlstand kommt Müll 30 Meter hinter dem Müllzentrum, auf der Brücke über einem Bach, stinkt es extrem. Wasser ist vor lauter Plastiktüten, gefüllt mit Haushaltsabfällen, an denen sich Maden und Ratten satt fressen, kaum zu sehen. „50 bis 60 Prozent des Abfalls in Indonesien sind organisch“, sagt Budi Isro'l, „er könnte also kompostiert werden.“ Doch das größte Problem sei Plastik. Es dauert Hunderte von Jahren, bis eine Tüte abgebaut ist. „Für unsere Umwelt eine Katastrophe. Aber den Leuten ist das egal“, erzählt der Manager. „Die fahren auf die Brücke und werfen ihre Abfalltüten in den Bach, ohne aus dem Wagen zu steigen.“

Kommentare zu " Müll in Indonesien: Jenseits der Abfallberge"

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  • Der Müll ist nicht Schuld an der Armut. Der Müll gibt den Armen eine Aufgabe und etwas Einkommen für das Überleben in Indonesien oder auch wo anders auf dieser Welt. Wie bei uns die Pfandflaschen - Schrott- oder sonst welche Sammler und Verwerter auch.
    Das Problem in Indonesien ist die Poltiik. Eine Politik die zu wenig Bildung und Ausbildung vermittelt. Die mehr Unternehmen und den Mittelstand fördern muss um genügend gut bezahlte Arbeitsplätze für das Volk zu generieren.
    Es ist immer die Politk die am Mangel und der Armut einer Gesellschaft Schuld trägt.

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