Nigeria Vom Star zum Notfallpatienten

Die Staatseinnahmen Nigerias hängen zu 75 Prozent vom Öl ab. Die Halbierung des Ölpreises trifft das Land ins Mark. Zudem sind Raffinerien so marode, dass der Ölproduzent selbst auf teure Benzineinfuhren angewiesen ist.
Kommentieren
Nigerianische Arbeiter der Akon Oil Company gehen an einer lodernden Flamme an einer Öl-Leitung im Niger-Delta in der Nähe von Port Harcourt vorbei. Quelle: dpa
Öl-Industrie in Nigeria

Nigerianische Arbeiter der Akon Oil Company gehen an einer lodernden Flamme an einer Öl-Leitung im Niger-Delta in der Nähe von Port Harcourt vorbei.

(Foto: dpa)

AbujaNirgendwo in Afrika klaffen Anspruch und Realität weiter auseinander als in Nigeria, dem mit rund 175 Millionen Menschen bevölkerungsreichsten Staat des Kontinents. Spätestens seitdem das Land Südafrika vor drei Jahren als größte Volkswirtschaft in Afrika überholt hat, war der Ölstaat Liebling von Unternehmensberatern. Doch mit dem Absturz des Ölpreises und dem damit verbundenen Niedergang wird klar, dass das Land es seit Jahrzehnten versäumt hat, seine vom Öl abhängige Wirtschaft zu diversifizieren.

Die Staatseinnahmen hängen zu 75 Prozent vom Öl ab. Da trifft die Halbierung des Ölpreises seit Mitte 2014 das Land ins Mark. Zumal die Ölproduktion auf derzeit nur noch 1,4 Millionen Barrel am Tag und damit um fast ein Drittel gesunken ist. Ein Grund sind die Sabotageakte militanter Gruppen im Nigerdelta, der Schatzkammer des Landes.

Der Zustand seiner Raffinerien ist symptomatisch für die Lage des Landes. Sie sind seit langem derart marode, dass der weltweit achtgrößte Ölproduzent paradoxerweise auf teure Benzineinfuhren angewiesen ist. Schätzungen gehen zudem davon aus, dass bis vor kurzem rund die Hälfte der Erdöleinnahmen in privaten Taschen versickert ist - mutmaßlich Hunderte von Milliarden Dollar seit Entdeckung der Ölfelder im Nigerdelta in den frühen 1970er-Jahren.
Die Folgen der einseitigen Ausrichtung sind verheerend: Nach einem Wachstum von fast sieben Prozent 2014 prognostiziert der Internationale Währungsfonds nun für dieses Jahr ein Schrumpfen der Wirtschaft um bis zu zwei Prozent. "Die gesamte Wirtschaft ist von der Ölindustrie nach unten gezogen worden", sagt John Ashbourne von Capital Economics in London. "Jeder Motor stottert."

Anders als Russland, Angola oder Kasachstan hatte sich die nigerianische Zentralbank bis Ende Juni mit Macht an den Dollar geklammert. Als sie die Bindung im Juni dann doch kappte, rauschte die Landeswährung Naira postwendend um 30 Prozent in die Tiefe - und hat sich seitdem kaum erholt.

Das sind die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt
Platz 10
1 von 10

Während Deutschland im Vorjahr (2014( noch auf Rang sechs lag, schafft es die Bundesrepublik zuletzt im Jahr 2015 nur noch auf den zehnten Platz. Der mitteleuropäische Staat steht vor vielen Herausforderungen. Dazu gehört der Druck, die Energiewende zu meistern, die digitale Transformation der Industrie voranzutreiben und private und öffentliche Investitionen zu fördern. Bauen kann Deutschland auf seine hoch qualifizierten Arbeitskräfte und eine Politik der Stabilität und Vorhersehbarkeit.

Platz 9
2 von 10

Schweden fällt im Vergleich zu 2014 um vier Ränge von Platz fünf auf Platz neun. Das nordeuropäische Königreich kann besonders mit qualifizierten Arbeitskräften, den stabilen politischen Verhältnissen, einem wirksamen Rechtssystem und einem starken Fokus auf Forschung und Entwicklung glänzen. Auch das Bildungsniveau ist sehr hoch und die Infrastruktur sehr verlässlich.

Platz 8
3 von 10

Auch Dänemark (im Bild die Kronprinzessin Mary) konnte sich 2015 im Vergleich zum Vorjahr verbessern, von Platz neun geht es hoch auf Platz acht. Gut schneidet das nordeuropäische Königreich bei Managementpraktiken, Gesundheit und Umwelt sowie Arbeitsstandards ab. Auf dem ersten Rang landet Dänemark in der Kategorie der Regierungseffizienz gleich fünf Mal, denn es zeichnet sich nicht nur durch eine besonders große Rechtstaatlichkeit aus, sondern auch dadurch, dass Bestechung und Korruption kaum eine Chance haben.

Platz 7
4 von 10

Norwegen kann im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von drei Plätzen verzeichnen und landet 2015 damit auf dem siebten Platz. Die skandinavische Halbinsel kann vor allem mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aufwarten, mit denen sie im internationalen Vergleich auf Platz eins landet. Weitere Faktoren, mit denen Norwegen punkten kann, sind im Bereich der Regierungseffizienz zu finden. Chancengleichheit, Transparenz sowie Rechtstaatlichkeit sind nur einige der besonders effektiven Maßnahmen der öffentlichen Hand.

Platz 6
5 von 10

Für Luxemburg ging es von Platz elf im Jahr 2014 hoch auf Platz sechs. Sehr gut schneidet das Großherzogtum im Bereich der politischen Stabilität, der wettbewerbsfähigen Besteuerung, des unternehmerfreundlichen Umfeldes und der qualifizierten Arbeitskräfte ab.

Platz 5
6 von 10

Kanada hat es 2015 auf Platz fünf geschafft. Im Vorjahr landete der nordamerikanische Staat noch auf Platz sieben des IMD World Competitiveness Ranking. Die gute Platzierung hat Kanada vor allem der Stabilität und Vorhersehbarkeit in der Politik, dem hohen Bildungsniveau, qualifizierten Arbeitskräften und einem wirksamen Rechtssystem zu verdanken. Ganz gut schneidet Kanada auch aufgrund einer unternehmerfreundlichen Umgebung und einer offenen und positiven Haltung ab.

Platz 4
7 von 10

Der vierte Platz geht an die Schweiz. Unternehmen aus aller Welt wissen vor allem die sehr gute Infrastruktur des kleinen Alpenstaates zu schätzen. Die hohe Bildung und der Umweltschutz landen gar im Vergleich zu 2014 nicht mehr nur auf Platz drei, sondern gleich auf der Eins. Auch die robuste Wirtschaft, Arbeitsstandards, geringe Entlassungs- sowie Kapitalkosten sind im internationalen Vergleich so gut wie unschlagbar.

Angesichts des wirtschaftlichen Niedergangs hat die im vergangenen Jahr neu gewählte Regierung von Ex-General Muhammadu Buhari erneut eine stärkere Diversifizierung der Wirtschaft versprochen. Mehr Geld soll in Landwirtschaft und Infrastruktur fließen. Das nötige Kapital will seine Regierung an den derzeit kaum interessierten Finanzmärkten aufnehmen.

Vor der angestrebten Emanzipation von der Ölabhängigkeit stehe dem Land aber ein langer, schmerzhafter Anpassungsprozess mit Inflationsraten von mehr als 20 Prozent und politischer Unruhe ins Haus, glaubt Chris Becker von der südafrikanischen Investec-Bank. Nach den verschenkten Jahren seit der Unabhängigkeit sei der Aufholbedarf enorm, vor allem bei der Stromversorgung.  Obwohl Nigeria inzwischen fast ebenso viele Einwohner wie Brasilien hat, produziert es weniger als fünf Prozent des Stroms.

Startseite

Mehr zu: Nigeria - Vom Star zum Notfallpatienten

0 Kommentare zu "Nigeria: Vom Star zum Notfallpatienten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%