Obama in Argentinien: Kleine Revolutionen im Eiltempo

Obama in Argentinien
Kleine Revolutionen im Eiltempo

Der neue argentinische Präsident Macri krempelt sein Land um – und öffnet es für Investoren. Obamas angekündigter Staatsbesuch zeigt den neuen Respekt. Doch der Reformkurs ist auch ein Rennen gegen die Zeit.

Buenos AiresAls das letzte Mal ein US-Präsident Argentinien vor mehr als zehn Jahren besuchte, wurde dies ein peinliches Fiasko: Der argentinische Präsident Néstor Kirchner beschimpfte George W. Bush beim Amerikagipfel als Imperialisten - und die vereinten linken Staatschefs applaudierten. Seitdem machten US-Präsidenten bei ihren Südamerika-Reisen einen weiten Bogen um das Tangoland. Doch nun hat sich Barack Obama beim neuen argentinischen Präsidenten Mauricio Macri zu Besuch angekündigt - und das gleich mit einer Wirtschaftsdelegation von 400 Unternehmern.

Kein Zweifel: Obama will seinem Kollegen in Argentinien Respekt erweisen - und zugleich Pflöcke für die eigene Wirtschaft einschlagen. Denn Argentinien erlebt unter Macri, dem Unternehmer und früheren Bürgermeister von Buenos Aires, derzeit eine unerwartete, von Euphorie getragene Blütephase. In seinen ersten 100 Tagen im Amt hat er eine politische und wirtschaftliche 180-Grad-Wende vollzogen. Es ist ein radikaler Bruch mit der Politik der vergangenen zwölf Jahre unter den Kirchners.

Der neue Präsident setzt systematisch um, was er im Wahlkampf versprochen hat. Mit einem Kabinett, das vor allem aus ehemaligen Managern, Investmentbankern und Politikern mit internationalen Karrieren besteht, gab er kurz nach Amtsantritt bereits den Wechselkurs des Pesos frei und schaffte die Devisenkontrollen ab. Macri öffnet das verschlossene Land für den Handel, hat Importrestriktionen aufgehoben und die Exportsteuern auf Agrarprodukte reduziert.

Auch den Streit über Altschulden nach der Pleite des Landes 2001 hat Macri überraschend schnell gelöst. Unter Cristina Fernández de Kirchner waren die Fronten bis Ende vergangenen Jahres verhärteter denn je. Macri aber einigte sich mit den Hedgefonds in New York und bringt die nötigen Gesetze dazu derzeit schrittweise durch den Kongress - obwohl er dort nicht über die Mehrheit verfügt. In der Weltpolitik wird es noch dauern, bis Argentinien voll rehabilitiert sein wird. Doch Macris kleine Revolutionen im Eiltempo finden Beachtung.

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