Proteste gegen Fahrdienst: Uber spaltet die Schwellenländer

Proteste gegen Fahrdienst
Uber spaltet die Schwellenländer

Uber und kein Ausweg: Wegen moderner App-Angebote fürchten hunderttausende Taxifahrer in ärmeren Ländern um ihre Existenz. Uber-Fahrer werden aus ihren Autos gerissen und verprügelt. Die Regierungen scheinen überfordert.

BangkokDer digitale Fahrdienstleister Uber reagiert schnell: Nährt euch bloß nicht dem Stadtzentrum von Jakarta, warnte das Unternehmen seine Fahrer. Auch Wettbewerber Grab forderte seine Chauffeure auf, unbedingt die grünen Jacken auszuziehen, um nicht erkannt zu werden. Der Grund für die Vorsicht: Im Herzen der indonesischen Hauptstadt machten Taxifahrer Jagd auf die ungeliebten Konkurrenten.

Über soziale Medien und TV-Sender verbreiteten sich Szenen wie kurz vor einem Bürgerkrieg: Männer wurden aus ihren Autos gerissen und verprügelt, brennende Autoreifen blockierten Straßen der Metropole. Schließlich rückten rund 7000 Sicherheitskräfte an, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Die Wut, die sich am Dienstag entlud, hatte sich über Monate aufgestaut. Nicht nur in den Industriestaaten stoßen der digitale Fahrdienstleister und seine Nachahmer auf erbitterten Widerstand der etablierten Taxifahrer. Auch in Indonesien fürchten viele Taxifahrer um ihr Geschäft – und sie haben deutlich mehr Grund zur Sorge, als ihre Kollegen in den reichen Industriestaaten. Ihnen droht der Rückfall in bittere Armut.

In Schwellen- und Entwicklungsländern ist Taxifahrer einer der typischen Jobs für Arbeiter, die vom Land in die Stadt ziehen. Ihr Lohn liegt oft nur geringfügig über dem Existenzminimum, viele schicken das Geld zurück zu den Familien in ihren Heimatdörfern. Durch die digitale Konkurrenz sinken ihre Einkommen jetzt rapide: In Indonesien beklagten einige, sie würden seit dem Markteintritt rund 60 Prozent weniger verdienen. Gegenüber lokalen Medien sagten sie, sie würden nur noch rund 5 Dollar pro Tag einnehmen.

„Warum lassen wir zwei Unternehmen unser gesamtes Transportsystem ruinieren, das über Jahrzehnte funktioniert hat?“, sagte der Sprecher einer indonesischen Taxifahrer-Organisationen. „Sie zahlen keine Steuern und haben keine Taxameter. Wir werden einfach zur Seite geschoben.“ Oft müssen die Taxifahrer auch Gebühren an Taxi-Unternehmen abführen oder ihre Autos häufiger kontrollieren lassen. In manchen Staaten müssen sie erst eine teure Lizenz erwerben.

Die App-Angebote, die für die Kunden sowohl komfortabler und häufig auch günstiger sind, sorgen so für extreme Spannungen. Nicht nur in Indonesien kam es zu Gewalt: Auch in Kenia wurden Uber-Fahrer in diesem Monat angegriffen, berichtet der amerikanische Radiosender „Voice of America“. In der kolumbianischen Hauptstadt Bogota wurden bei Demonstrationen gegen Uber vier Polizisten verletzt.

Bald könnten Auseinandersetzungen in Tansania, Ghana und Uganda folgen – dorthin will Uber noch dieses Jahr expandieren.

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„Dann haben wir erst recht Chaos“

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