Reformankündigung
Indien öffnet sich für Investoren

Regierungschef Modi will verlorenes Vertrauen bei Unternehmern im Ausland zurückgewinnen. Bei seiner Ankündigung sparte er nicht mit großen Worten und twitterte: „Indien ist damit die offenste Volkswirtschaft der Welt.”
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BangkokTief entspannt meditierte Indiens Regierungschef Narendra Modi am Dienstag inmitten tausender Freiwilliger im nordindischen Chandigarh. Im Schneidersitz legte er die Hände zusammen und schloss die Augen. Indien feierte den von Modi ins Leben gerufene Yoga-Tag – und der Politiker rief zur globalen Entspannung auf.

Mit einer gewaltigen Reformankündigung hatte Modi am Tag davor auch ein Beruhigungssignal an die Wirtschaft gesendet: Bereits zum zweiten Mal in seiner Amtszeit erleichtert der Regierungschef Direktinvestitionen. Künftig dürfen ausländische Firmen 100 Prozent von Rüstungsunternehmen, nationalen Fluggesellschaften und Nahrungsmittelherstellern übernehmen. Auch in anderen Branchen werden die Hürden für Investitionen gesenkt. So dürfte es für Unternehmen wie den amerikanischen Hersteller Apple bald leichter werden, eigene Shops auf dem Subkontinent zu eröffnen — ein Projekt, für das Apple-Chef Tim Cook kürzlich höchst persönlich bei Modi vorgesprochen hatte.

Bei seiner Ankündigung sparte der Regierungschef nicht mit großen Worten. „Indien ist damit die offenste Volkswirtschaft der Welt”, twitterte Modi. „Durch diesen Schritt wird es einen gewaltigen Schub für Beschäftigung und Infrastruktur geben.“ Die Beruhigungspille war allerdings bitter nötig: Am Wochenende hatte der bei Investoren und Managern extrem geschätzte Notenbankchef Raghuram Rajan verkündet, er werde im September zurück in die Wissenschaft wechseln und keine zweite Amtszeit übernehmen — auch, weil er für seine Politik nicht mehr die Rückendeckung der Regierung spürte.

Der als „Liebling der Investoren” und „Rockstar” gefeierte Geldpolitiker hatte wiederholt auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme des Subkontinents hingewiesen. Immer wieder drängte er auf Strukturreformen und eine strengere Haushaltspolitik. Während sich die Regierung gerne wegen eines Wachstums von 7,6 Prozent im vergangenen Jahr immer wieder als die dynamischste Volkswirtschaft lobt, blieb Rajan stets nüchtern. Indien sei nur „ein einäugiger König im Reich der Blinden“, sagte er einmal trocken. Den Gefallen, das Wachstum mit niedrigen Zinsen weiter anzukurbeln, machte der Notenbanker seiner Regierung freilig nicht. „Rajan gab der indischen Notenbank Glaubwürdigkeit und es gibt keinen Nachfolger von seiner Statur in Sichtweite”, urteilt beispielsweise das japanische Bankhaus Nomura.

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