Reisswolf

Die Kleinmacher

Diskretes Schreddern als Geschäft: Mit einem ungewöhnlichen Kooperationsmodell dominiert Reisswolf den deutschen Markt für Aktenvernichtung – sogar in Saudi-Arabien und Kuwait macht sich das Zerstören bezahlt.
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Zerstören als Geschäftsmodell: Nicht mehr benötigte Papiere werden geschreddert. Quelle: dpa - picture-alliance
Firma Reisswolf

Zerstören als Geschäftsmodell: Nicht mehr benötigte Papiere werden geschreddert.

(Foto: dpa - picture-alliance)

KölnDie Mitarbeiter hielten es für eine modische Flause: Vor einem Jahr ließ sich Thomas Sander einen Bart wachsen. Es habe im Büro schon irritierte Blicke gegeben, sagt der ansonsten stets glatt rasierte Chef des Aktenvernichters Reisswolf Deutschland. Die wahren Hintergründe ließ Sander im Dunkeln.

Für die RTL-Serie „Undercover Boss“ bereitete sich der Manager heimlich auf eine Tätigkeit als Praktikant vor - im eigenen Unternehmen. Eine Woche lang wuchtete Sander Aktencontainer in die Reisswolf-Laster und kurvte mit dem Gabelstapler durch die Werkhallen. Auch den Hof musste er fegen. Gefärbter Bart, Brille und zurückgegeltes Haar hatten aus ihm einen anderen Menschen gemacht: den Arbeitslosen Ralf Lange, der eine neue Chance sucht. Das wohlwollende Urteil eines Kollegen über den vermeintlichen Neuling: „Da müssen wir noch sehr viel üben.“

Mit dem oft schweißtreibenden Einsatz holte Sander nach, was heute für neue Büromitarbeiter bei Reisswolf Pflicht ist: eine Woche schuften vor Ort. „Als ich 2002 zum Unternehmen kam, gab es die Regel noch nicht“, sagt Sander. Die Arbeit an der Basis brachte wichtige Erkenntnisse: „Ich verstehe die Mitarbeiter dort besser, fordere sie zu Verbesserungsvorschlägen auf.“

Seit 2009 leitet Wirtschaftsingenieur Sander die Zentrale des deutschen Pioniers in Sachen Schreddern. Ob Papier, Diskette oder Festplatte - die mächtigen Maschinen kriegen alles klein. Das Zerstören als Geschäftsidee hat sich bezahlt gemacht – auch in Kuwait und Saidi-Arabien. Seit 1997 steuert mit der Reisswolf International AG eine eigene Gesellschaft das Geschäft jenseits der deutschen Grenzen, das per Franchising organisiert ist. Vor allem Unternehmen, die schon in der Recycling- oder Sicherheitsbranche aktiv sind, nutzen die Chance: 68 Gesellschaften sind in 27 Ländern mit Schwerpunkt Europa aktiv.

Das sind die 15 attraktivsten Wachstumsmärkte
Container im Hamburger Hafen
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Dass sich mittelständische Unternehmen, die im Ausland neue Absatzmärkte erschließen möchten, nicht alleine auf die derzeitige Schwäche des Euro verlassen sollten, zeigt eine Studie des Kreditversicherers Euler Hermes. Demnach können die deutschen Unternehmen zwar in diesem Jahr mit zusätzlichen Ausfuhren im Wert von 36 Milliarden Euro rechnen (+2,7 Prozent), im letzten Jahr konnte die Exportbranche jedoch noch um 45 Milliarden Euro wachsen. Unter anderem die schwere Russland-Krise wird die Exporte bremsen, so die Experten von Euler Hermes. Sie raten deshalb dazu, gezielt wachstumsstarke Länder zu erschließen, in denen die hiesige Wirtschaft bislang unterrepräsentiert ist.

15. Südafrika
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In Südafrika wird für das Jahr 2015 eine Wachstumsrate von 2,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erwartet. Zum Vergleicht: Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) prognostiziert für Deutschland im selben Jahr ein Wachstum von 1,3 Prozent.

14. Estland
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Mit einer prognostizierten Wachstumsrate von 2,5 Prozent steht Estland noch ein wenig besser da. Der seit 1991 unabhängige Staat mit der malerischen Hauptstadt Tallinn (Bild) ist seit 2011 Mitglied der Eurozone.

13. Slowakei
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Auch die Slowakei ist Euro-Mitglied und dies schon seit 2009. Das Bild zeigt die Hauptstadt Bratislava. Für die Slowakei prognostizieren die Experten von Euler Hermes ein Wachstum von 2,7 Prozent des BIP.

12. Uruguay
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Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in Uruguay. Bei ausländischen Investoren ist das Land bisher eher unbekannt. Das prognostizierte Wachstum beträgt 2015 2,8 Prozent.

11. Lettland
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Lettlands Bruttoinlandsprodukt soll voraussichtlich um 3,2 Prozent wachsen. Seit 2004 ist das baltische Land in der Europäischen Union, seit 2014 in der Euro-Zone. Diese verliert für die deutschen Exporteure zunehmend an Gewicht. 2014 machten sie nur noch 36,6 Prozent ihres Auslandsumsatzes in den Ländern der Währungsgemeinschaft, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Jahr 2005 hatte der Anteil noch 44,7 Prozent betragen. Grund für den Rückgang ist die Finanz- und Wirtschaftskrise.

10. Polen
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Gleichzeitig werden die EU-Mitgliedsstaaten, die nicht der Währungsunion angehören, immer wichtiger. Deren Anteil an den deutschen Exporten erhöhte sich von 2013 auf 2014 von 20,1 auf 21,4 Prozent. 1993 lag er bei nur 16,2 Prozent. Zu diesen Staaten gehört auch Polen, welches einen Aufschwung erlebt. Das Bruttoinlandsprodukt wird voraussichtlich um 3,3 Prozent wachsen.

Im deutschsprachigen Raum ist Reisswolf mit dem Firmenmotto „Secret Service“ auf seinem Spezialgebiet seit 25 Jahren Marktführer. Dabei hat sich eine ungewöhnliche Firmenstruktur als Triebfeder für das Wachstum erwiesen. Insgesamt 17 Standorte zählt der Mittelständler auf dem Heimatmarkt. Sie werden jedoch nicht von der Hamburger Zentrale kontrolliert - im Gegenteil. Die lokalen Einheiten arbeiten autonom als unabhängige Gesellschaften und halten an der Reisswolf Deutschland GmbH einen jeweils gleich großen Anteil. „Wir sind hier eine Non-Profit-Gesellschaft“, sagt Sander. Deren Aufgaben: die Kommunikation nach innen und außen, das Qualitätsmanagement sowie die Akquise und Betreuung von überregionalen Kunden. Gemeinsam einigen sich die regionalen Unternehmer auch auf Standards und Strategien.

Neue Verordnung, neue Geschäftsidee
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