Saudi-Arabien

Die Höhenflüge sind vorbei

Der Einbruch des Ölpreises hat die einstigen Wachstumsstars am Golf in die Krise gestürzt. Die Staaten müssen das Sparen lernen und ihre Bevölkerung auf neue Zeiten einstellen.
Der Preis für Öl fällt - doch was steckt dahinter? Quelle: Getty Images

Der Preis für Öl fällt - doch was steckt dahinter?

(Foto: Getty Images)

Berlin, Tel Aviv, DohaDer Hamad International Airport ist ein Zeichen für die Investitionskraft am Golf. 15 Milliarden Dollar teuer wurde er im vergangenen Jahr in Doha eröffnet. Doch bei den sintflutartigen Regenfällen Ende November regnete es durch das Dach. Ganze Kreuzungen wurden zudem geflutet. Seither hat Katar Architekten, Leitern von Baufirmen und Chefingenieuren das Verlassen des Landes verboten, bis aufgeklärt ist, wie es dazu kommen konnte.

In Saudi-Arabien dürfen die Chefs der Saudi Binladin Group, des wohl größten Baukonzerns am Golf, auch nicht mehr ausreisen, weil zuvor ein Kran im Sandsturm in die Große Moschee von Mekka gestürzt war und mindestens 107 Pilger unter sich begrub. Saudi Binladin darf seither keine neuen Aufträge mehr annehmen und hat angekündigt, 15.000 seiner 200.000 Arbeiter zu entlassen.

Den Bauriesen belastet vor allem, dass der Ölpreis von 115 Dollar für ein Fass Rohöl im Juni 2014 um 60 Prozent gefallen ist. Saudi-Arabien wird nach Jahren der Überschüsse erstmals in diesem Jahr ein massives Haushaltsdefizit haben - der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet mit 100 Milliarden Dollar oder 21,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das Land ist nach wie vor reich und bisher kaum verschuldet. Aber die Schulden könnten von 6,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr auf schon mehr als 17 Prozent im kommenden steigen. Ohne Sparen werde Saudi-Arabien in weniger als fünf Jahren nicht mehr liquide sein, warnt der IWF. Erste Infrastrukturprojekte werden auf Eis gelegt oder verschoben.

Die Brics-Schwellenländer stecken in der Krise
Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika
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Es ist eine radikale Maßnahme: Chinas Notenbanker schwächten vor kurzem die Landeswährung Yuan (Renminbi) per Beschluss so stark wie nie zuvor an einem Tag. Das soll, so Experten, den Export ankurbeln. Denn die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde kriselt. Und das Reich der Mitte ist nicht der einzige Staat aus der Riege der sonst so selbstbewussten Schwellenländer, der mit Wirtschaftsproblemen zu kämpfen hat. Ein Überblick über die Brics-Gruppe.

Brasilien
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Richtig düster steht es um Brasilien. Die Industrie im fünftgrößten Land der Erde ist in der ersten Jahreshälfte um mehr als sechs Prozent eingebrochen. Die Arbeitslosigkeit schießt in die Höhe, und die Behörden rechnen für dieses Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um 1,1 Prozent, nach plus 0,1 Prozent im Vorjahr. Die Inflation ist mit knapp 10 Prozent auf dem höchsten Stand seit zwölf Jahren.

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Innenpolitisch ist die Lage ähnlich brisant: Korruptionsskandale reichen in höchste Regierungskreise, und in Umfragen sprechen sich zwei Drittel gegen Präsidentin Dilma Rousseff aus. Dabei muss das Ausrichterland der Fußball-WM 2014 und der Olympischen Sommerspiele 2016 dringend sparen und reformieren, denn die Investoren werden zunehmend skeptisch.

Russland
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Die russische Wirtschaft steckt in der Klemme. Die Talfahrt der Ölpreise macht dem von Rohstoffen abhängigen Riesenreich mächtig zu schaffen. Hinzu kommen westliche Sanktionen im Zuge der Ukrainekrise. Der zeitgleich schwache Rubel macht alles noch schlimmer und treibt die Inflation auf über 15 Prozent.

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Gleichzeitig wollen die Notenbanker mit möglichst niedrigen Zinsen die Wirtschaft wieder auf Trab bringen. Das aber schwächt den Rubel weiter. Die Folgen sind verheerend: Die russische Wirtschaft ist laut Zahlen vom Montagabend von April bis Juni um fast 5 Prozent geschrumpft.

Indien
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Mit einem jüngst gemeldeten Wachstum von 7,3 Prozent kommt die indische Wirtschaft anscheinend wieder in Fahrt. Doch auch der Zentralbankchef sieht diese Zahlen mit Skepsis, denn die Regierung hat die Berechnungsmethode geändert - und sich mehr als zwei Prozent dazu addiert. Wichtige Sektoren wie die industrielle Produktion entwickeln sich weiter schwach.

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Und die Opposition legt das Parlament lahm, so dass wichtige Gesetze zum Landerwerb und zur Mehrwertsteuerreform feststecken. Die Infrastruktur ist völlig unzureichend. Andererseits profitiert das Öl- und Gas-Importland von den niedrigen Rohstoffpreisen. Und auf dem Subkontinent steigt die Konsumlaune, was sich etwa an anziehenden Autoverkäufen sehen lässt.

Das Königreich laviert an mehreren Fronten: Allein für 70 Milliarden Dollar hat die saudische Notenbank, die zugleich der Staatsfonds ist, in den vergangenen Monaten europäische Aktien abgestoßen. Mit dem Geld stopft sie Haushaltslöcher. Die Devisenreserven schrumpfen aus dem gleichen Grund von mehr als 730 auf unter 650 Milliarden Dollar. Die Privatisierung von Flughäfen soll kommendes Jahr neues Geld in die Kassen spülen. Erstmals seit 2007 gibt Riad Schuldverschreibenungen auf dem Heimatmarkt aus und will nun auch international über die Ausgabe von Anleihen Milliarden leihen.

Die Wachstums- und Haushaltsprobleme in der einstigen Boomregion stellten in Saudi-Arabien auch die Finanzierung des sogenannten social contracts infrage, sagt Strategieexperte Jean-Marc Rickli vom King's College, der derzeit in Katar am Joint Command and Staff College unterrichtet. Wenn das Königshaus die Bevölkerung nicht mehr mit Geschenken verwöhnen kann, werde die Bevölkerung das Vertrauen in seinen Herrscher verlieren. Nie seit 1926, der Gründung des Königreichs, sei die Stabilität Saudi-Arabiens stärker gefährdet gewesen, meint Rickli.

Entspannung an der Wirtschaftsfront ist nicht in Sicht
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