Schwellenländer fürchten Trump
Angst vor der Abschottung

Die Wahl von Donald Trump erschüttert die Schwellenländer. „America First“ statt eines freien Handels ist Gift für viele der aufstrebenden Exportstaaten. Besonders Mexiko und China müssen sich Sorgen machen.
  • 2

FrankfurtWer vor der US-Präsidentschaftswahl wissen wollte, wie die Chancen auf einen Sieg von Donald Trump standen, brauchte dafür  gar nicht auf die Wahlumfragen zu schauen. Ein Blick auf die Entwicklung des mexikanischen Pesos reichte. Die Währung fiel zum US-Dollar jedes Mal, wenn Trump in den Umfragen vor Hillary Clinton lag.

Seit die Amerikaner den Republikaner gewählt haben, der eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen will und das Freihandelsabkommen Nafta – die wirtschaftliche Lebensader des südlichen Nachbarn – infrage stellt, hat der Peso bis zu zehn Prozent gegenüber dem Dollar verloren. Dabei fiel er auf ein historisches Tief.

Doch nicht nur Mexiko fürchtet Trump. Dessen Wahlkampfslogan „America First“ lehrt viele Schwellenländer das Gruseln. Denn der zunehmende Wohlstand der Emerging Markets basiert überwiegend auf einem relativ freien Welthandel. Trump will sein Heimatland wieder stark machen, vielen US-Amerikanern ihr Selbstbewusstsein zurückgeben – und das eben auch auf Kosten der restlichen Welt. Der Harvard-Ökonom und frühere US-Finanzminister Larry Summers warnt bereits vor einem „substanziell gestiegenen Risiko einer Finanzkrise in Schwellenländern“. Die befürchtete protektionistische Politik der Regierung Trump untergrabe das Vertrauen in die globalen Märkte.

„America First“ gilt auch für Investoren

Aber es ist nicht nur der Protektionismus, der den Investoren Sorgen macht. Trump will zugleich die US-Wirtschaft mit Steuersenkungen und einem gigantischen Konjunkturprogramm in Schwung bringen. Das dürfte die Inflation anheizen. Und damit die US-Notenbank Fed  zwingen, die Zinsen schneller und stärker zu erhöhen als gedacht. Höhere Leitzinsen und damit auch höhere Renditen von US-Staatsbonds sind aber Gift für viele Schwellenländer. Denn wenn Investoren in den USA wieder mehr Rendite für ihre Zinspapiere bekommen, ziehen sie sich in der Regel aus den riskanteren Schwellenländern zurück. „America First“ gilt eben auch für Anleger, die ihr Geld möglichst sicher anlegen wollen.

Große Investoren sehen ernste Probleme auf die Emerging Markets zukommen. „Wenn Trump nur ansatzweise seine Ideen zu Beschränkungen des Welthandels vor allem gegenüber China und Schwellenländern durchsetzt, bedeutet das nichts Gutes für die Wirtschaft der Regionen“, meint  Martin Lück, Chefanlagestratege Deutschland beim Fondsgiganten Blackrock. Er rät daher explizit zur „Vorsicht in den Schwellenländern“. Auch Fabiana Fedeli, Aktienfondsmanagerin beim niederländischen Vermögensverwalter Robeco, erwartet, dass es immer wieder zu Kursausschlägen am Markt kommen wird, wenn Trump sich aggressiv zur Außenpolitik äußert. „Trumps Pläne könnten die US-Wirtschaft überhitzen und zu stärkeren US-Zinsanhebungen und einem noch stärkeren US-Dollar führen“, warnt Christian Hinterwallner von der österreichischen Raiffeisen Bank. Beides sei „historisch und fundamental“ negativ für die Aktienmärkte und die Währungen vieler Schwellenländer.

Ein Blick auf die internationalen Kapitalströme zeigt, dass viele Investoren diese Ansicht teilen. Die Anleger hatten in diesem Jahr gerade erst wieder angefangen, in Schwellenländern zu investieren. Doch das ist passé. Seit dem Wahlsieg Trumps sind aus Aktien und Anleihen der Emerging Markets sechs Milliarden Dollar abgeflossen. So viel Geld zogen Investoren  nach Berechnungen des Weltbankenverbands Institute of Internationale Finance (IIF) zuletzt im Sommer 2015 ab. Damals brachten Ängste vor einem Einbruch des chinesischen Wirtschaftswachstums die Investoren um den Schlaf – und um viel Geld.

Verlierer des Protektionismus

Seit Trumps Wahlsieg ist der breitgefasste Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets um rund sieben Prozent eingebrochen. Das hat sich  für Investoren im Dollar- und Euro-Raum auch dadurch verschlimmert, dass die Währungen vieler Emerging Markets auf Tauchstation gingen. Nicht nur der Peso verlor deutlich, sondern auch  der südafrikanische Rand und der brasilianische Real. Unter allen Schwellenländer-Währungen konnte sich keine einzige zum Dollar verbessern.

Auch an den Anleihemärkten fielen die Kurse vieler Schwellenländer-Bonds. Die Risikoaufschläge von auf Dollar lautenden Zinspapieren der Emerging Markets sind im Gegenzug seit vergangener Woche im Schnitt auf 3,6 Prozentpunkte gegenüber US-Staatsanleihen gestiegen. Das klingt nicht nach viel, aber da die Renditen allein von zehnjährigen US-Staatsanleihen seit vergangener Woche um fast einen halben Prozentpunkt auf bis zu 2,3 Prozent in die Höhe geschnellt sind, verteuerte sich auch die Schuldenaufnahme in den Schwellenländern. Jason Daw, Stratege für Schwellenländer bei der französischen Société Générale, spricht von einem „Renditeschock“ in den USA. Die Renditen in den USA dürften noch weiter steigen – und das bedeute noch mehr Schmerzen für die Schwellenländer und die Anleger, die in Emerging Markets investieren. Bei Anleihen in Lokalwährungen waren die Kursverluste und Renditeanstiege noch größer. Auch hier ist Mexiko das erschreckendste Beispiel: Dort stieg die Rendite zehnjähriger Anleihen um einen vollen Prozentpunkt auf mehr als sieben Prozent und damit den höchsten Stand seit fünfeinhalb Jahren. Wegen der Wechselkursrisiken sind Anleihen in Lokalwährungen besonders riskant und leiden deshalb besonders, wenn unter Investoren die Angst umgeht.

Am unmittelbarsten bekommt Mexiko die Folgen der Trump-Wahl zu spüren – unabhängig davon, ob der künftige Präsident tatsächlich seine angekündigte Grenzmauer bauen lässt oder nicht. Die vom designierten US-Präsidenten geforderte 35-prozentige Steuer auf Einfuhren aus dem Nachbarland würde die dortige Wirtschaft empfindlich treffen – 80 Prozent von Mexikos Exporten gehen in die USA. Auch andere lateinamerikanische Länder dürften leiden, wenn Trump Handelsabkommen revidiert. Davon könnten Peru und Kolumbien betroffen sein, meint Fedeli von Robeco. Weitere Länder, die es unter einem Anti-Globalisierungskurs schwer haben dürften, sind nach Ansicht von Claus Born, Aktienmanager bei Franklin Templeton, Staaten mit hohen Defiziten wie Südafrika und die Türkei. Auch Länder, die stärker vom internationalen Handel abhängen, wie  Taiwan und Südkorea, dürften unter einer protektionistischeren US-Regierung leiden.

Härterer Gegenwind für China

Als nicht ganz so hart getroffen gelten dagegen „eher abgeschottete Volkswirtschaften mit vergleichsweise niedrigen Handels- und Einwanderungsverbindungen zu den USA. Dazu zählt Claudia Calich, Fondsmanagerin bei M&G Investments, Indien und Brasilien. Für Paul McNamara, Anleiheexperte beim Fondshaus GAM, gehören außerdem Russland und europäische Länder zu dieser Gruppe.

Die Beziehungen zwischen Russland und den USA könnten sich sogar verbessern. Trump hatte sich zuletzt lobend über den russischen Präsidenten Wladimir Putin geäußert. Der Kreml-Chef war denn auch einer der ersten Gratulanten nach der Wahl. Born von Franklin Templeton bleibt dennoch skeptisch: „Dass Trump die Sanktionen gegenüber Russland lockern könnte, ist für das Land nur eine gefühlte Verbesserung.“ Russland sei schließlich vor allem vom Ölpreis abhängig, und der sei nach wie vor vergleichsweise niedrig.

Für China wurde die Bedrohung durch Trump dagegen bereits im Wahlkampf offensichtlich. „Wir dürfen es nicht weiter zulassen, dass China unser Land vergewaltigt“, hatte der Milliardär gewettert. Er droht der Volksrepublik mit einer Importsteuer von 45 Prozent. „Diese Anti-Dumping-Zölle“ wären eine schwere Belastung , warnt Jim Hurlin, Anleiheexperte bei der Capital Group. Flavia Cheong, Asienexpertin bei Aberdeen Asset Management, sieht aber nicht nur Nachteile: „Auf lange Sicht könnte der von Trump ausgehende Protektionismus  die Anstrengungen der asiatischen Länder, mehr durch Konsum und weniger durch Exporte zu wachsen, beschleunigen.“ China wäre quasi gezwungen, sich voll und ganz den versprochenen schmerzlichen Strukturreformen zu widmen.

Der Trump-Schock wäre dann am Ende ein heilsamer Schreck. Aber an diese positive Lesart der US-Wahl wollen viele Anleger im Moment nicht glauben, das zeigt die Kapitalflucht aus den Schwellenländern.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

Kommentare zu " Schwellenländer fürchten Trump: Angst vor der Abschottung "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    Aber immer gerne, dafür gebe ich und Herr von Horn uns richtig Mühe.
    Nicht einfach den ganzen Tag zu allen Artikeln Kommentare zu schreiben.
    Da muss man schon einen breit aufgestellten Sachverstand haben. Danke

  • So ein Schwachsinn kann auch nur eine Grün-Sozialistisch geprägte Zeitung schreiben.
    Die USA wird weiter Handel mit dem Ausland betreiben. Man kann seine Grenzen schützen und gleichzeitig auch Handel treiben. Das war für Deutschland in den Wirtschaftswunderjahren selbstverständlich und gerade weil Deutschland gut geschützt war konnte es beschützt und hochmotiviert gute Entwicklung und Forschung zum Wohl der gesamten Volkswirtschaft vorantreiben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%