Skepsis gegenüber Schwellenländern
Nichts für Anleger mit schwachen Nerven

Aus den 15 größten Emerging Markets floss in den vergangenen drei Quartalen mehr Kapital ab als in der Finanzkrise. Auch das zweite Halbjahr dürfte durchwachsen werden – es droht das niedrigste Wachstumsplus seit 2001.
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KölnDie Schwellenländer sind nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Vor nicht allzu langer Zeit als das neue große Ding hochgejubelt, scheint die Euphorie über die sogenannten Emerging Markets nun schon wieder am Ende zu sein. So haben Investoren in den vergangenen Monaten massenhaft Geld aus diesen Regionen abgezogen. Auch wenn es dafür Gründe gab, halten Experten den Pessimismus für übertrieben.

In den vergangenen drei Quartalen verzeichneten die 15 größten Emerging Markets Kapitalabflüsse von mehr als 600 Milliarden US-Dollar, zeigen Zahlen von NN Investment Partners (NNIP). Der Fondsanbieter erfasst sowohl Direktinvestments als auch Anlagen über den Kapitalmarkt. Investoren zogen zwischen Juli 2014 und März 2015 sogar mehr Geld aus Schwellenländern ab als während der Finanzkrise 2008 2009.

Damals summierten sich die Abflüsse aus Schwellenländern in drei Quartalen auf 545 Milliarden Dollar. „Unsere Zahlen illustrieren den Druck, der zuletzt auf den Schwellenländern lastete“, sagt Maarten-Jan Bakkum, Emerging-Markets-Analyst bei NNIP. „In den Jahren 2008 2009 hatten wir eine Krise der entwickelten Märkte. Diese erholen sich jetzt, während die Schwellenländer Probleme haben.“

Viele Investoren ziehen sich zurück, weil die US-Notenbank Fed 2015 wohl zum ersten Mal seit Jahren den Leitzins erhöhen wird. „Eine wachsende Risikoaversion und die Erwartung, dass die Zinsen in den USA steigen werden, sind schlecht für Emerging Markets“, sagt Jonas David, Schwellenländeranalyst der UBS. Das habe man in den vergangenen Jahren immer wieder gesehen. „Steigt die Unsicherheit über die Zinsentwicklung in den USA, sieht man das meist unmittelbar an Kapitalabflüssen in den Schwellenländern.“

Auch die relativ schwache Wachstumsdynamik in vielen Emerging Markets dürfte eine Rolle spielen. „Viele aufstrebende Volkswirtschaften wachsen nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren“, sagt David. Das Wachstumsplus gegenüber den entwickelten Märkten befinde sich auf dem niedrigsten Stand seit 2001. Grund genug für Anleger, sich anderweitig nach Investmentgelegenheiten umzusehen.

China verzeichnete in den vergangenen drei Quartalen mit rund 413 Milliarden Dollar die höchsten Abflüsse, gefolgt von Russland mit rund 165 Milliarden Dollar. Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat sich zuletzt deutlich abgeschwächt, Investoren sind alarmiert. Russlands Wirtschaft wiederum leidet unter den Sanktionen, die der Westen dem Land wegen seiner Rolle im Ukraine-Konflikt auferlegt hat.

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Top-Performer: Russische und chinesische Aktien

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  • Warum verstehen alle unter Emerging Markets eigentlich nur die die BRIC-Länder. Meine Fonds, die in die südostasiatischen Länder investieren, laufen wieder recht gut. Und könnte mal jemand Tipps geben, wie ich als Kleinanleger in Myanmar investieren kann? Das wird meiner Meinung nach der nächste Tiger-Staat.

  • Ich meine das Russland und China sich in einem Horizont jenseits von 5 Jahren sehr gut entwickeln werden! Russland nach Ende der Sanktionen, China wenn es das hinein entwickeln die Rolle als Top-Financial Global Player abgeschlossen hat.
    In der Home-Base bin ich mir nicht so sicher ;)

  • Cooles Bild !!!!

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