Staatsbesuch von Premier Li Keqiang
Wie China Südamerika erobern will

Scheckbuchdiplomatie gegen Rohstoffe war gestern: Chinas Rolle in Südamerika wandelt sich. 53 Milliarden Dollar will das Reich der Mitte in Brasilien, Peru und Co. investieren. Deutsche Unternehmen setzt das unter Druck.
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São PauloChinas Premier hat eine Menge großer Namen im Schlepptau und vor allem Milliarden: 150 Unternehmer begleiten Staatschef Li Keqiang auf seiner Südamerika-Reise. Acht Tage lang reist die Delegation über den Kontinent. Erster Stop: Brasilien. Dann geht's nach Kolumbien, Peru und Chile. Li hat eine umfangreiche Liste an Investitionsprojekten in Höhe von 53 Milliarden Dollar mitgebracht, an denen China Interesse hat. Es geht um Energie, Infrastruktur und Logistik.

Konkret ausgehandelt wurden bereits Investitionen im Wert von 26 Milliarden Dollar. Damit würde sich der chinesische Kapitalstock in Brasilien verdoppeln. „Erstmals bringt eine Delegation Chinas konkrete Investitionsprojekte mit Finanzierungspaketen, Laufzeiten und Renditevorgaben mit“, beobachtet Sérgio Amaral, Präsident des Brasilianisch-Chinesischen Unternehmerrates.

Zu den bereits angekündigten Abschlüssen zählen auch Aufträge für die staatlichen Konzerne Petrobras, Vale (Bergbau) und Embraer (Flugzeuge). Einen wichtigen Posten nehmen Eisenbahnprojekte ein. Konkret wollen chinesische Konzerne für 5,8 Milliarden Dollar Bahnverbindungen aus den Sojaanbaugebieten des Landesinneren an die Küste bauen.

China will zudem gemeinsam mit einer brasilianischen Staatsbank einen Investitionsfonds in Höhe von mindestens 20 Milliarden Dollar auflegen. Auch für die anderen Stationen seiner Reise in Kolumbien, Peru und Chile wird der Premier konkrete Projekte abschließen. Alleine in Peru wollen chinesische Konzerne 16 Milliarden Dollar in Bergbauprojekte investieren – das ist fast ein Drittel aller Investitionen, die in- und ausländische Konzerne im Andenland planen.

Für Südamerika und China bedeutet die Reise Li Keqiangs einen Qualitätssprung in den Beziehungen: Bisher war Chinas in Südamerika vor allem als Kreditgeber im Gegenzug für künftige Rohstofflieferungen aufgetreten. Nach Erhebungen der US-Denkfabrik Inter-American Dialogue hat China in den vergangenen zehn Jahren rund 119 Milliarden Dollar Kredit vergeben – das Gros davon vor allem an Rohstoffländer wie Venezuela, Ecuador und Argentinien.

Doch die zunehmenden Krisen in diesen Ländern, lassen China zunehmend zögerlicher als Gläubiger für diese Länder auftreten. Einerseits fürchtet China einen Zahlungsausfall auf seine Kredite. Andererseits braucht China angesichts der schwächeren Konjunktur nicht mehr so dringend Rohstoffe.

Deswegen will China seine Scheckbuchdiplomatie in Südamerika jetzt durch eine neue Investitionspolitik ablösen. „Grosse Entwicklungsländer wie Brasilien und China müssten ihre Zusammenarbeit mit Investoren intensivieren, um die Schwäche der Weltwirtschaft auszugleichen – nur dann könnten sie weiter wachsen“, erklärte Li in Brasília.

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Warum China gleich doppelt profitiert

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