Tourismus nach Terrorwellen Die Unerschrockenen

Mit Angriffen auf Feriendestinationen wollen Terroristen Urlaubsländer zumeist auch wirtschaftlich schädigen. Doch wie sich zeigt: Branche und Regionen erholen sich meist erstaunlich schnell.
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Branche und Regionen erholen sich meistens schnell von Angriffen. Quelle: Getty Images

Branche und Regionen erholen sich meistens schnell von Angriffen.

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Kapstadt, Tel Aviv, Athen, Madrid, JakartaAhmed Boghady, Souvenirverkäufer beim Tempel der Hatschepsut in Luxor, zeigt auf die Sphinx-Figuren, Nofretete-Büsten und die bunten Pharaonen, die in seinem Shop in mehreren Reihen aufgestellt sind. Früher gingen die schnell weg, heute sind sie Ladenhüter. Derzeit bringt es Boghady, wenn er Glück hat, auf einen Tagesumsatz von rund elf Euro, einst konnte er mit mehr als 30 Euro rechnen.

Der ägyptische Tourismus, ein Schlüsselsektor im Nilland, ist nach der Revolte von 2011 eingebrochen. Einen zusätzlichen Schlag erhielt die Branche nach dem Terroranschlag auf den russischen Ferienflieger, der am 31. Oktober 2015 mit 224 Passagieren an Bord abgestürzt ist. In der Folge stoppten die russischen und britischen Behörden Flüge nach Sharm el Sheikh.

Reisewarnungen für Ägypten setzten dem Fremdenverkehr weiter zu, und negative Medienberichte über das einst beliebte Urlaubsland vergrößerten den Imageschaden. Im Vergleich zum Vorjahr machten in diesem Sommer 60 Prozent weniger Menschen Urlaub in Ägypten. In Sharm el Sheikh, der Perle des ägyptischen Tourismus, schlossen 54 Hotels, in Hurghada 34. Jobs gingen verloren, die Deviseneinnahmen sackten ab. Die Krise war auch in Restaurants und in Bars an der Promenade augenfällig.

Doch jetzt dürfen die Ägypter wieder hoffen. Für den Winter registrieren Reiseunternehmen eine Zunahme der Buchungen. Im nächsten Jahr könnte der Tourismus in Ägypten wieder das Niveau von 2011 erreichen, erklärte David Scowsill vom World Travel and Tourism Council (WTTC).

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Einst galten die fünf Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika als zukünftige Wirtschaftsmächte. Doch mindestens drei von ihnen geht es wirtschaftlich durchwachsen bis schlecht. Selbst Klassenprimus Indien gelingt es nicht, alle Teile seiner Bevölkerung auf seinem Wachstumspfad mitzunehmen. Die Lage in den fünf Ländern im Überblick.

Brasilien
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Schlimmer geht zwar bekanntlich immer, aber in Brasilien ist das kaum noch vorstellbar. Das Land steckt in einer tiefen Rezession. 2015 brach die Wirtschaftskraft um 3,8 Prozent ein. Experten rechnen bis 2017 mit weiteren Rückgängen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Preise steigen, der Konsum bricht weg, die Landeswährung Real ist eingebrochen, die Staatskassen sind leer. Brasilien leidet als Ölexporteur unter den Dumping-Ölpreisen.

Brasilien
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Auch politisch steckt das Land in einer Krise. Führende Politiker stehen wegen Korruptionsvorwürfen im Visier der Justiz. Ex-Präsidentin Dilma Rousseff wurde im August aus dem Amt gejagt. Ihr Nachfolger Michel Temer will das Land mit Reformen aus der Rezession holen.

Russland
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Auch Russland geht es nicht besonders gut: Seit dem vergangenen Jahr schrumpft die Wirtschaft, die Preise steigen. Vor allem die niedrigen Ölpreise machen dem Förderland zu schaffen. Hinzu kommen Sanktionen des Westens wegen der Ukraine-Krise.

Russland
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Um die klammen Staatskassen aufzufüllen, setzt Präsident Wladimir Putin auf Privatisierungen und hofft auf Einnahmen von umgerechnet über 13 Milliarden Euro in diesem Jahr. Es wäre die größte Privatisierungswelle seit den 1990er Jahren - doch bislang geht es schleppend voran. Unterdessen kämpft Putin zusammen mit dem Ölkartell Opec gegen die Dumping-Ölpreise. Einen Etappensieg erreichten die Förderländer im Oktober, indem sie eine Einigung auf eine Förderbegrenzung signalisierten. Das Ölpreise legten daraufhin weltweit zu.

Indien: Präsident Narendra Modi
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Wachstumssorgen hat der Subkontinent zurzeit keine. Der Internationale Währungsfonds sagt ein Wirtschaftswachstum von 7,6 Prozent in diesem und im kommenden Jahr voraus. Die Inflation, früher regelmäßig über zehn Prozent, bleibt stabil zwischen fünf und sechs Prozent. Die Regierung hat zahlreiche Wirtschaftszweige für direkte Auslandsinvestitionen geöffnet. Zudem ist eine allgemeine Steuer auf Güter und Dienstleistungen in Arbeit, die das Abgabendickicht der 29 Bundesländer entwirren und dem Land ein zusätzliches Wachstum von einem bis zwei Prozentpunkten verschaffen soll.

Indien
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Doch mindestens zwei Drittel der Bevölkerung ist von dem neuen Wohlstand ausgeschlossen. Die 800 Millionen Inder, die auf dem Land leben, haben heute weniger Nahrung zur Verfügung als in den 1970er Jahren. Auf dem Welthungerindex steht Indien auf Platz 97 von 118, mit Abstand die schlechteste Bewertung aller Brics-Länder.

Das bevorstehende Comeback belegt die Erfahrung von Tourismusmanagern: Die Branche ist widerstandsfähig. Sie könne sich von Schocks „ziemlich rasch erholen“, sagt der Generalsekretär der UN-Welttourismusorganisation (UNWTO), Taleb Rifai. Kurzfristig könne es zwar nach Attacken zu Einbußen kommen. Aber mittel- und langfristig würden sich die meisten Destinationen „auf eine überraschende Art und Weise erholen“. Trotz zahlreicher Krisen, die den Fremdenverkehr getroffen haben, sei es in den vergangenen Jahrzehnten bloß drei Mal zu einem massiven und längeren Rückgang der Touristenströme gekommen. Rifai nennt die Terroranschläge vom 11. September 2001, die Sars-Krise 2003 und die globale Finanzkrise 2009.

Erstaunlicherweise boomt der Tourismus mitunter trotz Terroranschlägen. In Indonesien legte der Fremdenverkehr trotz mehrerer Terroranschläge in Bali oder in der Hauptstadt Jakarta zu. Die Industrie erweist sich als fundamental robust. Ähnlich auch in Spanien. 191 Menschen starben, nachdem am 11. März 2004 im Berufsverkehr zeitgleich zehn Bomben in voll besetzten Zügen gezündet worden waren - eine davon im Madrider Hauptbahnhof Atocha. Doch der Tourismus erholte sich relativ schnell von dem Schock: Ein Jahr nach den Attentaten lagen die Besucherzahlen wieder so hoch wie davor.

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