Umschwung
Wirtschaft der Schwellenländer im Abwärtssog

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Schwellenländer auch mit eigenen Problemen

Hung Tran vom Institut für Internationale Finanzen (IIF) in Washington erwartet für Entwicklungsländer in diesem Jahr ein Wachstum von höchstens 3,8 Prozent nach 4,3 Prozent 2014. Experten sehen vor allem China als Auslöser. „Brasilien, Südafrika, viele Länder sind Rohstoffexporteure, und als endgültiger Bestimmungsort geht alles nach China“, sagt Masamichi Adachi von JP Morgan Chase in Tokio.

Die chinesische Wirtschaft kühlt sich radikaler ab als es die meisten Beobachter nach den zweistelligen Zuwachsraten Mitte der 2000er Jahre erwartet hatten. Das Wachstum der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft dürfte in diesem Jahr bei sieben Prozent liegen, so niedrig wie zuletzt 1990. Peking versucht gerade, den Übergang von schnellem, exportbasiertem Wachstum zu einer auf Konsum gestützten langsameren und beständigeren Expansion zu schaffen. Dies bedeutet, dass China dann weniger Rohstoffe benötigt - chilenisches Kupfer, nigerianisches Öl, brasilianisches Eisenerz. Die Folge: sinkende Rohstoffpreise. Der Commodity-Index GSCI von Standard & Poor's, der die Preise von 24 Rohstoffen abbildet, ist in diesem Jahr um fast 20 Prozent gesunken.

Zusätzlich haben viele Schwellenländer mit eigenen Problemen zu kämpfen. In Südafrika streiken Bergarbeiter, Brasilien hat es mit einem Korruptionsskandal beim staatlichen Ölkonzern Petrobras zu tun. Die Türkei steht vor einer Neuwahl und kämpft gegen kurdische Separatisten und die Terrormiliz Islamischer Staat. Hinzu kommt, dass die US-Notenbank möglicherweise bereits im September die Zinsen erhöht. Investoren könnten dann noch mehr Geld aus Schwellenländern abziehen, um von den höheren Zinsen zu profitieren. Dies triebe den Dollar noch weiter in die Höhe und die Währungen der Schwellenländer nach unten.

Zudem haben viele Unternehmen in Schwellenländern Kredite in Dollar aufgenommen. Laut Tran vom IIS stieg die Kreditaufnahme durch solche Unternehmen von 700 Milliarden Dollar 2010 auf zwei Billionen bis März dieses Jahres. Doch im Vergleich zur Finanzkrise in Asien 1997 und 1998, der ähnliche Gründe zugrunde lagen, haben Entwicklungsländer nach Einschätzung von Experten einen größeren Vorrat an Währungsreserven angelegt, mit denen sie nun ihre eigene Währung stützen und eine Krise abwenden können.

Und die Firmen hätten langfristige Kredite aufgenommen, betont Joaquin Cottani, Chefökonom für Lateinamerika bei Standard & Poor's. Bei der Krise in Asien waren kurzfristige Kredite betroffen, die die Unternehmen bei Fälligkeit nicht refinanzieren konnten. „Die Länder haben aus ihren Erfahrungen gelernt“, sagt Monica de Bolle vom Peterson-Institut für internationale Wirtschaft in Washington.

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Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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