Wachstumsmärkte
Die neue Globalisierung

Die glorreichen Zeiten der Schwellenländer sind vorbei. Wo die neuen Wachstumsmärkte liegen und welche Rolle deutsche Firmen im Ausland in Zukunft erfüllen müssen.
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BerlinNordamerika und Europa im lichtdurchfluteten Foyer, Asien im dunkleren Nebenraum – die Aufteilung der Repräsentanten der deutschen Außenhandelskammern bei ihrem Treffen zur Zukunft der Weltwirtschaft in Berlin steht sinnbildlich für die neue Welt. Die ehemals strahlenden Schwellenländer rücken in den Schatten, Europa und Nordamerika streben ins Licht.

„Seit 2009 gibt es einen Trendbruch in Bezug auf die Schwellenländer“, sagte Michael Hüther, Direktor des Kölner Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) am Dienstag. Es gebe eine „Neuformierung der Globalisierung“. Sehr lange sei sie durch Kostenvorteile getrieben gewesen, doch dieser Faktor sei heute nicht mehr so wichtig.

Die Ausrichtung der Globalisierung verschiebe sich. Der Blick richte sich nicht mehr nur auf die Schwellenländer, sondern vor allem auch nach Nordamerika. Die Schwellenländer entwickeln sich längst nicht mehr so dynamisch wie noch vor ein paar Jahren und so könne die Dynamik auch nicht mehr die strukturellen Defizite dieser Länder kompensieren.

Eine Umfrage der AHK unter 3000 Mitgliedsunternehmen bestätigt das. In die USA werden demnach die meisten Investitionen der deutschen Unternehmen im Ausland in den kommenden zwölf Monaten gehen. 60 Prozent wollen dort expandieren. Damit liegt das Land in der Gunst der deutschen Unternehmen noch vor China, dem Star unter den Schwellenländern.

Mehr als 50 Prozent der Deutschen Wirtschaftsleistung werde im Ausland abgesetzt, sagte DIHK-Chef Eric Schweitzer. Deutsche Unternehmen hätten im Ausland Produktionsstätten im Wert von 1,2 Billionen Euro, sie beschäftigen an ihren Auslandsstandorten circa sieben Millionen Menschen weltweit. Doch dieser Erfolg sei kein Selbstläufer. „Geschäftsmodelle und Kundenanforderungen werden sich radikal ändern“, sagte Schweitzer.

VDMA-Präsident Reinhold Festge pflichtete dem DIHK-Chef bei „Die Zeit ist vorbei, in der unsere Kunden nur die Maschine wollen. Die Kunden brauchen heute Bildung. Wir müssen Vorteile und Kompetenzen exportieren. Da müssen wir auch unser Denken verändern.“

Man müsse zudem mehr mit westlichen Industrieländern zusammenarbeiten, um ein Gegengewicht zu China bilden zu können. Dabei spiele das Freihandelsabkommen TTIP eine wichtige Rolle. Auch Rainer Sontowski, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, forderte die Wirtschaftsvertreter auf, für TTIP zu werben, und nicht zuzulassen, dass „Chlorhühnchen und die Architektur von Schiedsgerichten“ die Angst vor dem Abkommen schüren. „Nicht den Zauderern und Ängstlichen, sondern den Wagemutigen und Entschiedenen gehört in der Weltwirtschaft die Zukunft“, so Sontowski.

Im Laufe der Verhandlungen über das transatlantische Freihandelsabkommen hatte es wiederholt heftige Proteste gegeben. Verbraucher fürchten ein Aufweichung der deutschen Standards. „Natürlich dreht sich die Welt auch ohne TTIP weiter“, sagte Schweitzer. „Aber andere Weltregionen werden uns enteilen. Andere werden die Standards setzen und wir blieben außen vor.“

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

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