Wärmepumpen von Stiebel Eltron
Starkes zweites Standbein

Stiebel Eltron hielt stets am Geschäft mit Wärmepumpen fest. Der Verzicht auf Fokussierung zahlt sich heute zwar aus, der Erfolg mutet allerdings wie Ironie der Geschichte an: Als man nach der ersten Ölkrise in den 70er-Jahren in die Technik einstieg, blieb der Durchbruch aus.

HOLZMINDEN. Stiebel Eltron – diesen Markennamen kennen die Deutschen vor allem aus Bad und Küche: Heißwasserboiler und Durchlauferhitzer haben das Familienunternehmen aus Holzminden im Weserbergland bekannt gemacht. Schon 1924 hat Firmengründer Theodor Stiebel den Ringtauchsieder erfunden, aus dem die Heizgeräte entstanden.

In diesem Geschäft ist Stiebel Eltron Marktführer in Deutschland. Doch auf dem Titel kann sich die Firma nicht ausruhen: Das Potenzial auf dem Markt für Durchlauferhitzer sinkt, das hat Stiebel schon vor Jahren erkannt und sich ein neues Selbstverständnis zugelegt: „Wir verstehen uns als Anbieter für Heizungssysteme für erneuerbare Energien“, sagt Ulrich Stiebel im Gespräch mit dem Handelsblatt. Er ist einer der beiden Söhne des Gründers und zu gleichen Teilen Inhaber. Heute ist bei dem Familienunternehmen das Geschäft mit Wärmepumpen der Wachstumstreiber: Die Wärme aus Erde, aus dem Grundwasser oder der Luft wird für Heizung und Warmwasser genutzt. Das Geschäft boomt, der Umsatz von Stiebel Eltron sprang im vorigen Jahr von 347 Mill. auf 417 Mill. Euro, die Bruttoumsatzrendite vor Steuern verdoppelte sich.

Dass Wärmepumpen jetzt der Renner bei Stiebel sind, mutet wie Ironie der Geschichte an. Als die Ölkrise in den 70er-Jahren ausbrach, stieg Stiebel Eltron in die Produktion von Wärmepumpen ein und gehört damit zu den Pionieren der Technik. Die Bundesbürger waren von den hohen Ölpreisen geschockt, die Wärmepumpe galt als Lösung aller Energieprobleme. Doch der Durchbruch blieb aus, die Euphorie ebbte schnell ab, weil Handwerker nicht auf die neue Technik vorbereitet waren und die Ölpreise bald wieder auf ein erträgliches Maß zurückfielen. Bis Anfang der neunziger Jahre wurden in Deutschland nur jeweils weniger als 1 000 Wärmepumpen pro Jahr verkauft – kein dolles Geschäft für Heizungsspezialisten.

Im Gegensatz zu anderen Anbietern behielt Stiebel Eltron die Wärmepumpen trotz der mageren Marktaussichten im Programm. „Wir wollten immer ein zweites Standbein haben“, begründet Stiebel die Strategie. Das Unternehmen verzichtete bewusst auf eine starke Fokussierung, baute seine Fähigkeiten bei Wärmepumpen aus und exportierte die Maschinen verstärkt in die Schweiz und Österreich, wo der Markt im Gegensatz zu Deutschland stabil blieb.

Stiebel hat die Wärmepumpen als eine seiner Kernkompetenzen beibehalten – ein Begriff, den es in den 70er-Jahren noch gar nicht gab, der aber heute als Credo im Management gilt: „Märkte und Markstsegmente ändern sich schnell, die Kernkompetenzen eines Unternehmens hingegen halten sich sehr lange“, sagt Experte Arnold Weissman, der Familienunternehmen in Strategiefragen berät. Bei Stiebel Eltron mehr als drei Jahrzehnte.

Seite 1:

Starkes zweites Standbein

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%