Waffenhersteller
Heckler & Koch verteidigt sich

Der führende deutsche Waffenhersteller Heckler & Koch ist hoch verschuldet. Operativ halten sich die Schwaben aber für stark genug, die 2011 nötige Umschuldung zu meistern. Trotz der Vorbehalte gegen Waffenhersteller gebe es genug potentielle Investoren.
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STUTTGART/FRANKFURT. Deutschlands bekanntester Waffenhersteller Heckler & Koch (H&K) versucht Investoren und Analysten zu beruhigen: "Die Refinanzierung wird rechtzeitig abgeschlossen sein", gab das Unternehmen aus dem schwäbischen Oberndorf gestern bekannt. Vorausgegangen war eine Herabstufung der Unternehmensbewertung durch die Ratingagentur Standard & Poor's von B- auf CCC+. Auch Konkurrent Moody's prüft derzeit, ob er sein Rating von derzeit B2 senken soll - Ausgang unbekannt. Doch klar ist schon jetzt: Heckler & Koch ist trotz aller Beteuerungen für die Rating-Agenturen in Pleite-Gefahr.

S&P kritisiert, dass der Waffenhersteller noch keine Fortschritte bei der Refinanzierung der im Juli 2011 auslaufenden und mit 9,25 Prozent verzinsten Anleihe über 120 Mio. Euro erzielt hat. Infolge der Rating-Herabstufung haben gestern einige Investoren ihre Anleihen verkauft: Der Kurs sank am Nachmittag an der Stuttgarter Börse von 101 Prozent auf etwa 98,5 Prozent ab, was einer Rendite von 12,1 Prozent entspricht.

Ein Dorn im Auge ist den Ratingagenturen vor allem auch das riskante Finanzgebaren des Mehrheitseigentümers Andreas Heeschen. Die Brisanz liegt darin, dass die Muttergesellschaft Heckler & Koch Beteiligungs GmbH (HKB) im April 2013 ein sogenanntes PIK-Darlehen über nominal 100 Mio. Euro zurückbezahlen muss. Bei dieser Art von Spezialkredit werden Zinsen und Tilgung erst am Laufzeitende fällig. Die HKB muss den Betrag dann also auf einen Schlag auf den Tisch blättern - sofern sie das kann.

Moody's merkt an, dass die Beteiligungsgesellschaft dadurch immer abhängiger von Cash-Flows der wichtigsten operativen Tochter Heckler & Koch werden könnte. Man könnte das auch anders sagen: Der Waffenhersteller muss wohl für seine Mutter immer stärker bluten. H&K selbst dürfte Experten zufolge kaum Probleme haben, Investoren für eine neue Anleihe zu finden. Trotz aller Vorbehalte gegenüber Waffenherstellern gebe es genügend Anleger, die an das Geschäftsmodell glaubten, erklärt ein Analyst. Eine frühzeitige Refinanzierung bei den derzeit niedrigen Zinsen dürfte zudem auch H&K entgegenkommen.

Betriebswirtschaftlich wäre aber der Abschluss einer Refinanzierung der Anleihe zum jetzigen Zeitpunkt nicht sinnvoll, erklärte das Unternehmen gestern. Die Ratingagenturen geben zu Bedenken, dass eine vorzeitige Tilgung der H&K-Anleihe auch zur Rückzahlung eines Teils des PIK-Darlehens der Muttergesellschaft verpflichten könnte. Heckler & Koch verzichtet offenbar auf die Refinanzierung der Anleihe, um nicht den Spezialkredit früher tilgen zu müssen.

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  • Wenn man über H&K berichtet, sollte man kein Produkt der Firma Walther zeigen. bitte mehr Sorgfalt!

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