Walter Mennekes
„Maschinen kann man abstellen, Menschen nicht“

Der Stecker von Mennekes Elektrotechnik soll weltweiter Standard werden, um Elektroautos aufzuladen. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht Walter Mennekes über die Schwierigkeiten des Mittelstands in der Krise, Gegenmaßnahmen in seinem Unternehmen und darüber, warum er seinen Firmensitz nicht in die Schweiz verlegen will.

Herr Mennekes, Mittelständler, so heißt es, sind nah am Geschehen. Hand aufs Herz, wann ist die Krise beendet?

Mennekes: Die Hersteller von Investitionsgütern der Elektroindustrie sind später in dieses Tal - ich vermeide das Wort Krise - hineingeschlittert und werden auch später wieder herauskommen. Eins aber ist heute schon sicher: Wir müssen bescheidener werden, mit den zweistelligen Zuwachsraten der vergangenen Jahre ist es einstweilen vorbei.

Aber sie waren, wie viele andere auch, ziemlich verwöhnt?

Lassen Sie es mich so sagen: Der deutsche Mittelstand hat die vergangenen Jahre genutzt und geht gestärkt in die schwierige Zeit. Auch wir konnten eine Menge mitnehmen, da wir frühzeitig in Gebäude, Maschinen und Organisation investiert hatten.

Und jetzt stöhnen Sie unter Überkapazitäten?

Maschinen kann man an- und abstellen, Menschen aber nicht. Es geht jetzt immer um Menschen. Jetzt zeigt sich, wer frühzeitig das kommende schwere Wetter erkannt hat.

Wie hat sich der Konjunktureinbruch bei Ihnen gezeigt?

Ende November deutete es sich an, nach zweistelligen Zuwachsraten in den Monaten zuvor, lag der Dezember auf einmal auf Vorjahresniveau. Und dann ging es so rapide bergab, wie wir das noch nie beobachtet haben. Heute liegen wir mehr als 20 Prozent unter dem Vorjahr und bewegen uns auf dem Niveau von 2006. Geplant hatten wir im September für 2009 schon ein vorsichtiges Wachstum von acht Prozent nach jeweils über zehn Prozent in den drei vorigen Vorjahren.

Wie schnell haben Sie ihr Unternehmen umsteuern können?

Einmal jeden Monat trifft sich jetzt die erweiterte Geschäftsführung und diskutiert die Zahlen und Szenarien. Dadurch können wir relativ schnell reagieren, da wir die Zahlen bereits sechs Tage nach Ende des Monats erhalten, aufgemalt in Grün, Gelb und Rot.

Was haben Sie bei der Belegschaft unternommen?

20 Leiharbeiter haben uns bereits wieder verlassen. Bei Zeitverträgen verhalten wir uns bewusst ungesetzlich. Wir halten an den guten Leuten fest und geben ihnen erweiterte Zeitverträge. Falls da ein Richter kommt, zahle ich gerne die Strafe, wenn ich dafür einen guten Mann halten kann. Die Leute sind dankbar für diese Ungesetzlichkeit. Festeinstellungen sind im Moment nicht möglich.

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