Warenkreditversicherung
Es geht auch ohne Ausfallschutz

In der Krise kündigen viele Warenkreditversicherer aus Angst vor einer Insolvenzwelle die Policen für Mittelständler. Manche Unternehmen versuchen es inzwischen ganz ohne Versicherung - und fahren damit gut. Wichtig ist vor allem eine effiziente Risikofrüherkennung.

FRANKFURT. Eigentlich sollte sie einspringen, wenn ein Kunde ohne zu zahlen abspringt: die Warenkreditversicherung. Doch in Finanzkrisenzeiten ist bekanntlich alles ein wenig anders. Weil die Risiken durch die Decke schießen und somit auch die Prämien ins Unermessliche steigen, müssen viele Unternehmen aus Kostengründen ganz auf diese Versicherung verzichten - und somit das Risiko selbst tragen. Teilweise streichen die Versicherer der Warenkredite auch den Schutz aus Angst vor einer Insolvenzwelle.

Dabei geht es auch ohne Versicherung. So trägt die Baywa AG schon immer das Risiko von Forderungsausfällen selbst - und das ganz freiwillig. Der Grund: Der Konzern hat ein Beratungsunternehmen beauftragt, ihn über die Risiken der Kunden rechtzeitig zu informieren. "Und das klappt, wir sind besonders in der heutigen Zeit glücklich über diese Lösung", sagt Rudolf Keßler, Abteilungsleiter der Kreditabteilung von Baywa. Eine Versicherung bei einem Ausfall zahlen zu lassen, käme für das Unternehmen nicht in Frage. Man wolle alle Entscheidungen selbst treffen und über das laufende Geschäft - und auch über sämtliche Risiken - immer informiert sein, sich durch Risikofrüherkennung selbst absichern. Dazu gehört dann allerdings auch die Eigenhaftung beim Zahlungsausfall.

Eines dieser Unternehmen, die andere dabei unterstützen, Risiken früh zu erkennen, ist Shs Viveon. Die Firma aus München mit 250 Beschäftigten berät knapp 100 Unternehmen - darunter den Konzern Baywa. Die 1,4 Mio. Kundendaten fließen in ein spezielles Computersystem und können so kontinuierlich überprüft werden. Wer zahlt wann? Wie sieht das Branchenumfeld aus? was zeigt die Bilanz? "Wir untersuchen die Daten und können so Frühwarnindikatoren herausfiltern. Ergeben sich Unregelmäßigkeiten, beispielsweise bei der Zahlung, können wir schnell reagieren und Baywa kann mit dem Kunden in Verbindung treten", sagt Jörg Seelmann-Eggebert, der für den Risikobereich bei Shs Viveon verantwortlich ist. Dabei käme es gar nicht so selten vor, dass ein Kunde genauer überprüft werde: Pro Mitarbeiter treten etwa 25 bis 30 Auffälligkeiten an einem Tag auf, sagt Keßler.

Für Baywa geht das Konzept nach eigenen Angaben auf: Die Verluste durch Ausfallrisiko liegen heute laut Keßler unter 0,1 Prozent des Gesamtumsatzes. Vor gut zehn Jahren - damals noch ohne Unterstützung durch ein Beratungsunternehmen - musste der Konzern noch bis zu 0,33 Prozent Verlust verzeichnen, das sind 85 Prozent mehr als heute. Mit einer Versicherung würde Baywa eher draufzahlen, sagt Abteilungsleiter Keßler.

Dennoch lautet reicht die Abwägung "Versicherer gegen Berater" nicht ganz. Seelmann-Eggebert glaubt, eine Mischung aus beidem sei ideal. "Eine Versicherung hat ihren Nutzen, doch das Unternehmen sollte sich auch selbst mit den Risiken auskennen." Die Botschaft scheint anzukommen: In den letzten drei bis vier Jahren habe sich die Auftragslage stets verbessert, seit Ende letzten Jahres gab es laut Seelmann-Eggebert immer mal wieder panische Anfragen von Unternehmern, deren Versicherungsprämie um teils 300 Prozent gestiegen war. Spannend dürfte es noch einmal in den kommenden Monaten werden: Da zum Jahreswechsel mit den Versicherern neue Verträge ausgehandelt würden, finde ein großer Teil des Hauptgeschäfts erst im zweiten Halbjahr statt, sagt Seelmann-Eggebert. Er rechnet mit weiteren Aufträgen in den kommenden Monaten.

Das dicke Ende für die Unternehmen steht wohl noch aus. Zumindest wenn es nach dem Kreditversicherer Euler Hermes geht: "Eine Entspannung ist vorerst nicht absehbar, die Schäden nehmen weiter zu", so eine Sprecherin. Der Marktführer rechnet mit der Insolvenzwelle Ende diesen, Anfang nächsten Jahres. Sinkende Risiken und sinkende Prämien sind damit erst einmal nicht in Aussicht.

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