Warenwirtschaftssysteme
Softwarekonzerne kurbeln Einkauf an

Große Softwarehäuser becircen kleinere Unternehmen, weil der Markt für elektronische Warenwirtschaftssysteme bei Großunternehmen mittlerweile recht abgegrast ist. Nun wollen sie Mittelständler für den elektronischen Warenverkehr zur betriebswirtschaftlichen Unternehmenssteuerung rüsten. Bisher sind viele Unternehmer von den Angeboten eher enttäuscht.

BERLIN. Der entscheidende Tipp kam vom Steuerberater. Die Vitality Deutschland GmbH aus Hamburg beliefert mehr als 1 000 Hotels und gehobene Gaststätten mit Säften aus Florida. Im Warenwirtschaftssystem des Getränkehändlers begann es bei der Flut der Bestellungen allerdings zu gären, weil die bisherige Software von einem Kleinanbieter in die Jahre gekommen und wenig ausbaufähig war. Der Steuerberater der Firma riet zu einem branchenunabhängigen Programm der Datev, mit dem sich unter anderem die Fakturierung, Auftragsbearbeitung und Abwicklung sowie die Lagerverwaltung automatisieren ließ, nebst Bestandsführung und Artikelreservierung. Sogar eine Anbindung an den E-Shop war möglich.

Viele verbinden mit der Nürnberger Datev eG vor allem Steuer- und Lohnbuchhaltungssoftware. Doch seit einigen Jahren bietet das Unternehmen auch Warenwirtschaftslösungen für Mittelständler an. „Zentral ist für unsere Software immer die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater“, sagt Eckhard Schwarzer, Mitglied der Geschäftsleitung. Diese unmittelbare Anbindung unterscheidet die Datev-Programme von Lösungen vieler kleiner Software-Hersteller, die allenfalls Schnittstellen zur Datenübertragung programmieren können.

Große Softwarehäuser becircen kleinere Unternehmen, weil der Markt für elektronische Warenwirtschaftssysteme bei Großunternehmen mittlerweile schon recht abgegrast ist. Nun wollen sie also Mittelständler für den elektronischen Warenverkehr nebst Anbindung an die ERP-Systeme zur betriebswirtschaftlichen Unternehmenssteuerung rüsten. „Was bei Großkonzernen nicht mehr wegzudenken und auch bei größeren Mittelständlern inzwischen üblich ist, findet unaufhaltsam weitere Verbreitung“, unterstreicht Eckhard Schwarzer.

Beim Angebot vieler großer Software-Anbieter stört ihn allerdings, dass sie den Steuerberater häufig noch immer außer Acht ließen. „Für mittelständische Unternehmer ist er oft der wichtigste externe Berater, zu dem ein besonderes Vertrauensverhältnis besteht. Deshalb hat der Steuerberater meist vorzügliche Kenntnisse über die finanziellen und wirtschaftlichen Hintergründe des Unternehmers“, sagt Schwarzer. Insofern biete sich eine Verzahnung der Software für das Rechnungswesen, die Warenwirtschaft sowie das Personal- und Dokumentenmanagement geradezu an. „Umgekehrt fließen vom Steuerberater erfasste Daten zur Finanz- und Lohnbuchführung in die Systeme im Unternehmen ein. Dadurch können die in der Kanzlei vorhandenen Unternehmensdaten auch für den Betrieb erschlossen werden“, erklärt der Datev-Chef.

Das klingt nachvollziehbar. Gleichwohl ist es für Unternehmer gar nicht so einfach, die richtige Wahl bei Software und IT-Dienstleister zu treffen. Allein für den Bereich elektronische Beschaffung gibt es Dutzende Konkurrenten, viele mit besonderen Branchenkenntnissen. „Das ist ein sehr heterogener Markt mit unterschiedlichen Schwerpunkten, so dass die einzelnen Lösungen schwer untereinander vergleichbar sind“, weiß Mario Esser vom Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft Consult IW.

Der Branchenexperte rät, sich zunächst an die eigene Nase zu fassen. Das erleichtere die Suche: „Bevor man willkürlich zu einer Lösung greift, sollte man die Unternehmensziele definieren und darauf fußend die E-Business-Strategie und -Anwendung auswählen“, sagt Esser. Schließlich solle allen Versprechungen zum Trotz eine Software die Strategie unterstützen – und nicht umgekehrt.

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