
DüsseldorfNein, der Anspielungen auf Wencke Myhres Hit („Er hat ein knallrotes Gummiboot“) ist Gregor Grabner nicht überdrüssig. Sollte man vielleicht auch nicht sein, wenn die ganze Familie ihr Geld mit roten Gummibooten verdient. Aber mit einer Textstelle kann er sich nicht identifizieren. „Das Boot ist eine Konstruktion, die kippt beim Küssen um“, sang die norwegische Schlagersängerin im Jahr 1970. „Habe ich selber schon gemacht und umgekippt bin ich nicht“, sagt der Österreicher.
Grabner Sports heißt die Firma, die von Fachmagazinen gerne als „Global Player“ bezeichnet wird. Tatsächlich ist die Firma weltweit bekannt, allerdings nur in ihrer speziellen Nische: Luftboote. Mit einer Stand-Luftpumpe lassen sich die Paddel-, Schlauch- und Segelboote in zehn Minuten aufbauen. Die laut Firmenregister etwa 40 Mitarbeiter produzieren in Österreich jedes Jahr nach eigener Auskunft mehr als 3000 Boote, der veröffentlichte Umsatz 2011 betrug 3,5 Millionen Euro. Im Einsatz sind die Gefährte weltweit, bei Freizeit-Sportlern, aber auch etwa bei japanischen River-Rafting-Anbietern.
Schlauchboote eignen sich besonders für Anfänger. Nicht nur, dass mit den maximal ohne Führerschein zu fahrenden 15 PS am Außenborder ordentliche 40 km/h drin sind. Dem Boot machen kleine Rempler beim Anlegen nicht aus und es lässt sich auch gut im Kofferraum transportieren.
Die nächsten Klasse bilden die offenen Sportboote, also ohne Kabine oder abgeschlossene Räume. Sie bieten bei ähnlichen Abmessungen mehr Platz als Schlauchboote. Darüber hinaus bieten sie ein fest montiertes Cockpit. Sie sind auch auf längeren Fahren komfortabel, da die Mitfahrer auf Sitzen und nicht auf dem Schlauch Platz nehmen können. Da sie etwas schwerer sind, erreichen Sportboote mit 15-PS-Außenborder nur etwa 30 km/h.
Wie der Name bereits sagt, haben Kajütboote im Gegensatz zu den Sportmodellen eine Kajüte oder Kabine. Loss geht es ab etwa 4,50 Metern Länge. Sie bieten auch eine Übernachtungsmöglichkeit und eignen sich damit auch für mehrtägige Törns. Als führerscheinfreie Version mit 15 PS erreichen sie eine Reisegeschwindigkeit von etwa 20 km/h. Manche Modelle verfügen sogar über eine Kochgelegenheit oder eine Campingtoilette.
Bootfahren ist keine Kunst. Die wesentlichen Manöver gelingen bereits nach ein paar Proberunden. Besonders wichtig ist es, die Ruhe zu bewahren und vorausschauend zu fahren. Das lässt sich vom Autofahren auch auf das Boot übertragen. Denn ein Boot reagiert im Wasser deutlich träger als ein Auto.
Ein häufiger Anfängerfehler: Zu wenig Geduld beim Lenken. Das Boot reagiert erst mit einigen Sekunden Verzögerung. Also nicht noch stärker einschlagen, dann dreht sich das Boot noch stärker ein. Wie schnell das Boot reagiert, hängt im Wesentlichen von der Gasstellung ab. Schlägt man das Lenkrad ein und gibt gleichzeitig Gas, wird es deutlich spontaner.
Fachleute sprechen im Boots-Jargon beim Bremsen vom Aufstoppen. Denn ein Boot hat im Gegensatz zum Auto keine Bremse, sondern verzögert über den Wasserwiderstand. Allein durch die Gaswegnahme verzögert das Boot spürbar, mit dem Rückwärtsgang kann es zum Stehen gebracht werden. Auch hier gilt: Vorausschauend fahren, rechtzeitig vom Gas gehen, nicht zu früh den Rückwärtsgang einlegen. Denn das könnten Ihnen Passagiere und Getriebe übel nehmen.
Seegang spielt auf Einsteigerrevieren wie Kanälen oder Seen keine große Rolle. Am einfachsten lassen sich Wellen in langsamer Fahrt im 90-Grad-Winkel durchqueren. Kann man das Boot nicht mehr rechtzeitig in die Welle drehen, besteht aber auch keine Gefahr. Meist legt sich das Boot nur kurz zur Seite, kehrt aber sofort in Normallage zurück.
Auf der Wassersport-Messe Boot in Düsseldorf (19. bis 27. Januar) steht der Mittelständler im Schatten der prunkvollen und millionenschweren Yachten. Doch die Firma, aufgebaut nach dem Kauf der Schlauchboot-Fabrik Semperit im Jahr 1986, kämpft nicht mit der schwankenden Nachfrage von Multimillionären. In Deutschland sind bis Ende September 2012 fast ein Viertel weniger Boote und Yachten gefertigt worden als im selben Zeitraum des Vorjahres. Ein Grund: In Italien hat eine Luxussteuer die Nachfrage drastisch einbrechen lassen.
Der Gummiboot-Hersteller trotzte dieser Entwicklung ebenso wie der Finanz- und Wirtschaftskrise. Zweistellige Wachstumsraten habe es in den vergangenen Jahren gegeben, verriet Firmen-Senior Wolfgang, der die Firma gegründet hatte, vor einigen Monaten. „Wir überlegen uns immer etwas Neues“, begründet sein Sohn im Gespräch mit Handelsblatt Online den Erfolg: sei es eine besondere Bugspitze für das Vorzeigeprodukt, ein Katamaran mit Gummi-Rümpfen oder ein besonders kippsicheres Kanu.