Wechsel zur 4. Generation
Michael Schädlich verlässt Dorma

Ausgerechnet der Mann, der beim Türtechnikhersteller Dorma der Wachstumsmotor der vergangenen 15 Jahre war, verlässt den Weltmarktführer. Das gab Michael Schädlich am Freitag persönlich auf der Bilanzpressekonferenz bekannt – ganz zum Schluss und völlig überraschend. Die Unternehmenszahlen können dabei kaum der Grund für sein Ausscheiden sein.

DÜSSELDORF. Schädlichs Vertrag mit dem Familienunternehmen aus Ennepetal läuft nächstes Jahr aus. „Im zarten Alter von 60 werde ich ausscheiden“, sagte Schädlich. Obwohl es bei Dorma keine vorgeschrieben Altersgrenze gebe. Weitere Erklärungen blieben aus. Ein Nachfolger werde gesucht.

Die Unternehmenszahlen können kaum der Grund für Schädlichs Weggang sein: Trotz Wirtschaftskrise verzeichnete die Dorma Gruppe einen Gesamtumsatz von 882,2 Mio. Euro, ein währungs- und akquisitionsbereinigter Rückgang von nur 1,3 Prozent. Die liquiden Mittel sind auf 180,2 Mio. Euro gestiegen, nach 120,6 Mio. Euro im Vorjahr. Die Eigenkapitalquote beträgt stolze 62,5 Prozent. Die Beschäftigtenzahl sank um 290 im Vorjahresvergleich auf 6 621. Erst im vierten Quartal machte die Krise Dorma mit einem Umsatzeinbruch von rund zehn Prozent zu schaffen – vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Turbulenzen ein recht moderater Rückgang. Unter Schädlichs Ägide verdreifachte sich der Umsatz des Unternehmens.

Die Gruppe hat 71 Gesellschaften in 47 Ländern. Sie ist Weltmarktführer in Türschließtechnik, mobilen Raumtrennsystemen und in der Glasbeschlagtechnik, bei automatischen Türsystemen gehört sie zur Weltspitze. Produktionsstätten liegen in Europa, Singapur, Malaysia, China sowie Nord- und Südamerika. 12 000 Türen hat Dorma alleine nach Dubai geliefert für den Bau des höchsten Hauses der Welt, das Kanzleramt bestückten die Ennepetaler mit Türdrückern.

Nun zeichnet sich der Wechsel zur vierten Generation ab. „Alleininhaber Karl-Rudolf Mankel hat den überwiegenden Teil der Geschäftsanteile auf seine Töchter Christine und Stephanie Mankel übertragen“, heißt es im Geschäftsbericht. Physiker Mankel ist 67 Jahre alt. Seine beiden Töchter Christine, 26, und Stephanie, 24, sehe er derzeit nicht als künftige Unternehmenslenker, sagte Mankel am Rande der Pressekonferenz. Er wolle sich bis zum 70. Lebensjahr aus der Firma zurückziehen.

Noch arbeitet er mit seinem CEO Schädlich Tür an Tür – wie schon seit mehr als 15 Jahren und als bewährtes Tandem. „Wir haben klare Arbeitsteilung. Herrn Mankel gehört die Firma und mir die Arbeit“, sagte Schädlich im Juli dem Handelsblatt und frotzelte: „Ich bin hier der angestellte Oberknecht.“ Unternehmensanteile habe er nicht – das wolle Inhaber Mankel so. Und weiter: „Solange es mir hier Spaß macht, bleibe ich hier CEO.“

Den Spaß hat er womöglich verloren. Tom Rüsen, Familienunternehmen-Experte von der Uni Witten Herdecke, wagt eine Erklärung: „Entweder will der Vater das Führungsteam verjüngen, damit in drei Jahren keine Riesenkluft entsteht, wenn er und sein CEO gleichzeitig gehen. Oder der CEO wollte Anteile und die Familie hat die Grenze gezogen.“ Rüsens Fazit: Ein angestellter Manager bleibe immer Angestellter. Auf Zeit und austauschbar, auch wenn er es anders empfindet.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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