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WECONOMY 2015

Weconomy-Gewinner Saperatec
„Wir machen aus Abfall Rohstoffe“

Solarpanels, Getränkekartons, Batterien: Mit der Technologie von Saperatec lässt sich recyceln, was bisher auf der Deponie landete. Hilfe bekommen die Gründer von Topmanagern und Konzernen - beim Gründerpreis Weconomy.
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DüsseldorfSebastian Kernbaums Geschäftsmodell basiert auf einer klaren Flüssigkeit, die ein bisschen nach Zitrone riecht. Wenn der Gründer des Recycling-Unternehmens Saperatec diese näher beschreiben soll, spricht er von „Tensiden“, von „aufgelösten Grenzflächenspannungen“ und allerlei Dingen, die dem Laien nicht so recht weiterhelfen.

Dafür hat Ingenieur Kernbaum in seinem Labor in Bielefeld eine Reihe Einweckgläser aufgebaut, in denen das Wundermittel seine Fähigkeiten demonstriert: Es wäscht das aufgedampfte Cadmiumtellurid von einem kleinen Solarpanel; es löst die Alufolie aus dem Innern eines Tetrapaks; kurz: was untrennbar verbunden scheint, wird in seine Einzelteile zerlegt, ohne diese zu verändern. „Wir sind die ersten und einzigen, die das können“, sagt der 35-Jährige. „Wir machen aus Abfall Rohstoffe“. Denn die Metalle aus dem ehemaligen Solarpanel oder das Aluminium aus dem Getränkekarton können nach der Trennung an Rohstoffhändler verkauft werden.

„Pro Tonne Abfall“, erklärt Kernbaums Mit-Geschäftsführer Jörg Dockendorf, 34, bei Saperatec fürs Kaufmännische zuständig, „kann man etwa bei Verpackungsmaterialen mit einer Wertschöpfung von mehreren Hundert Euro rechnen“. Gutes Geld für Müll, der bislang einfach verbrannt wird. Verkaufen statt vernichten – der erste potenzielle Kunde hat schon Interesse angemeldet. Die Saperatec-Geschäftsführer verhandeln derzeit mit einem Entsorgungsunternehmen über den Bau einer Anlage, die pro Jahr etwa 5000 Tonnen Verpackungsmüll verarbeiten soll. Details wollen die beiden nicht nennen. Am Saperatec-Sitz im Bielefelder Industriegebiet nahe des Hauptbahnhofs bauen sie aber schon eine kleine Test-Anlage.

Die beiden Jung-Unternehmer haben sich hier bei einem Automobilzulieferer eingemietet: Dieses Start-Up kommt nicht aus einem Kreativen-Loft, sondern aus alten Industrie-Backsteinbauten; vor der Tür fahren keine City-Roller sondern Gabelstapler. „Ich habe hier die Telefonanlage aufgebaut, den Wasseranschluss gelegt, und halte den Server am Laufen“, beschreibt Sebastian Kernbaum den Alltag als Unternehmendgründer. 

Sein Unternehmen, 2010 gegründet, beschäftigt hier inzwischen elf  Mitarbeiter: vor allem Chemiker, die weiter an der Zusammensetzung der Lösung feilen. Derzeit testen sie unter anderem, ob ihre Wunder-Flüssigkeit auch die Innereien von Lithium-Ionen-Batterien in ihre Bestandteile zerlegen kann. Finanziert hat sich das Unternehmen mit inzwischen 4,3 Millionen Euro an Wagniskapital, unter anderem vom halbstaatlichen High-Tech Gründerfonds sowie dem Gründerfonds Bielefeld-Ostwestfalen.

In Zukunft wollen Kernbaum und Dockendorf auch Recyclinganlagen für Solarpanels und für Batterien aus Elektroautos verkaufen und sozusagen die Energiewende recyceln: „Es wird aber noch etwa fünf Jahre dauern, bis die Solarmodule vom Dach kommen“, schätzt Kernbaum. Die Lithium-Ionen-Batterien aus den Elektroautos dürften noch länger auf sich warten lassen – wenn sich die E-Autos überhaupt je durchsetzen.

Derzeit liegt der Fokus bei Saperatec daher auf Verpackungsmaterialien-Recyling. Die beiden Geschäftsführer hoffen, beim Weconomy-Treffen im September Kontakte in diese Branche knüpfen zu können. Außerdem freut sich Saperatec-Gründer Kernbaum auf Gespräche mit erfahrenen Alt-Unternehmern,  „Leuten, die alle Höhen und Tiefen mitgemacht haben“. Eine solche unternehmerische Höhe wäre für seinen Kollegen Dockendorf ein Börsengang der Saperatec: „Das wäre der beste Beweis, dass wir wirklich ein unabhängiges Technologie-Unternehmen mit Erfolgshistorie aufgebaut haben“.

Der Wettbewerb Der Weconomy-Gründerwettbewerb von Wissensfabrik und Handelsblatt verleiht seit 2007 einmal im Jahr den Weconomy-Award an Deutschlands besten Gründernachwuchs. Mitte Juli hat die Jury aus 20 Kandidaten neun Weconomy-Sieger ausgewählt, die im September zum Weconomy-Netzwerkwochenende mit Topmanagern nach Baden-Baden fahren.

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Kommentare zu " Weconomy-Gewinner Saperatec: „Wir machen aus Abfall Rohstoffe“"

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  • wenn sich diesee Konzept unter "Kosten-Nutzen Gesichtspunkten" ökonomisch verwerten lassen würde, dann sollten sie ausländische Geldbageber suchen und Deutschland sofort verlassen, denn ein gründerfeindlichers Land gibt es nicht. Das Problem wird sein, dass sie von diesem "Gründerfonds" bereits Kapital angenommen haben.

  • Ich wünsche den Jungunternehmern mehr Glück und finanzstärkere Investoren mit langem Atem als so vielen Startups in Deutschland, die mit ähnlichen Ideen und Innovationspreisen bereits auf der Müllkippe der Geschichte gelandet sind. Drei davon kenne ich leider sehr gut. Außer einer Versuchsanlage wurde nichts. Recyceln hat in Deutschland keine Lobby, der Müll ist profitabler zu verbrennen oder in arme Länder zu verschicken. Eigentlich ein Widerspruch zu dem ganzen Öko- und Umwelt-Tralala, das gerade im Wahljahr wieder strapaziert wird.

  • Am Saperatec-Sitz im Bielefelder Industriegebiet nahe des Hauptbahnhofs bauen sie aber schon eine kleine Test-Anlage.


    Und, so vermute ich, in China sind schon 5 großtechnische Anlagen fertig.

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