Wegschmelzen des Eigenkapitals ist ein Indiz
Mittelstand muss finanzielle Risiken antizipieren

Klaus Becker* konnte eigentlich stolz auf das sein, was er geschafft hatte: Ein kleines aber feines Messebauunternehmen mit Millionen-Umsätzen. Basis für den Erfolg war ein innovatives Produkt aus dem Messe-Systembau, das sich seit Anfang der 90er-Jahre zum Exportschlager entwickelt hatte. Alles lief bestens – jedenfalls bis zum Jahre 2001.

HB DÜSSELDORF. Danach ging es mit dem rheinischen Unternehmen bergab, zunächst kaum merklich, dann immer bedrohlicher. Der Grund: Mit der Rentabilität stand es bereits vor dem spürbaren Rückgang nicht zum Besten. Nur war die Krise für niemanden erkennbar gewesen.

Betriebswirtschaftliche Warnsignale, wie das Wegschmelzen des Eigenkapitals, blieben unbemerkt, denn ein Frühwarnsystem gab es nicht. Der maroder werdende finanzielle Unterbau bedeutete schließlich das Aus. Wie bei der Langenfelder Transportfirma. Der Betrieb bewegte sich in einem Markt, der seit Jahren durch Unternehmen aus den osteuropäischen EU-Mitgliedern unter Druck steht.

Diese Anbieter können auf Grund niedriger Personalkosten und Steuern erheblich günstiger anbieten. Deutsche Firmen punkten dagegen nur dann, wenn sie höhere Qualität und besseren Service bieten. Um diesen Wettbewerb zu bestehen, braucht man einen langen Atem – also ein gutes Eigenkapitalpolster und ein funktionierendes Steuerungs- und Kontrollsystem, das die Besonderheiten der Branche berücksichtigt. So muss ein Messebauer genau nachhalten, dass die Zahlungen der Messekunden fristgerecht eingehen. Andererseits muss er dafür sorgen, dass genügend Anschlussaufträge reinkommen.

Gerade bei vielen mittelständischen Betrieben fehlt die effiziente Kontrolle aller Geschäftsvorgänge. So stellt der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. in seiner aktuellen Studie „Frühwarnindikatoren für den Mittelstand“ zur Situation der Unternehmen in Baden-Württemberg fest, dass nur jedes zweite gezielt auf frühzeitige Informationen in der Krisenprävention setzt. Nach der Studie, die der BDU mit seinem Regionalarbeitskreis (RAK) Baden-Württemberg durchgeführt hat, verfügen nur etwas mehr als die Hälfte (57 Prozent) über ein professionelles Frühwarnsystem. Befragt wurden 8 000 – überwiegend mittelständische – Unternehmen, Berater, Banken und Forschungsinstitutionen.

Fast jede zweite Firma (43 Prozent) ist demnach nur unzureichend auf Krisen vorbereitet. Der gezielte Einsatz von Frühwarnsystemen gilt unter Experten jedoch als wichtigstes Managementinstrument, um frühzeitig Risikofaktoren identifizieren und Schwachstellen beheben zu können. Für Roland Fausel, den Vorsitzenden des BDU-RAK Baden-Württemberg, kommen die Befragungsergebnisse nicht überraschend: „Gerade Mittelständler erheben viel zu selten unternehmensrelevante Kennzahlen, um mittel- bis langfristige Aussagen treffen zu können.“

Dazu zählen Zahlen über die Liquidität, über die aktuelle Verschuldung, die durchschnittliche Laufzeit der Forderungen sowie ihr fristgerechter Eingang und die Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Durch frühzeitiges Reagieren könnte manche Pleite vermieden werden, so Fausel. Und trotz der strengeren Anforderungen – beispielsweise durch die Banken bei der Unternehmensfinanzierung – müssten auch heute noch viele Mittelständler von den Vorzügen aussagekräftiger Frühwarnsysteme überzeugt werden.

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