Weihnachtsgeschäft
Der Hype um die Nordmann-Tanne

Aus den unzähligen Weihnachtsbaum-Arten haben die Deutschen längst ihren Favoriten ausgewählt. Die Nordmann-Tanne hat fast alle ihre Konkurrenten aus den Wohnzimmern verdrängt. Denn für den Kunden hat sie klare Vorteile.
  • 0

DüsseldorfNoch nie kam der Weihnachtsbaum den Wünschen der Kunden so nah wie heute. In die Anbaukriterien der Produzenten übersetzt klingt das so: „Gerader Terminaltrieb“ (Baumspitze), „sechs bis sieben Quirle“ (seitliche Zweigkränze), „pyramidaler Wuchs“, „dunkel bis dunkelgrüne, glänzende, frische Nadeln“. „Fehlerhaft ist ein Baum, bei dem die Breite über ein Drittel der Höhe hinaus geht“, heißt es ergänzend im Buch „Weihnachtsbäume: Erfolgreich anbauen und vermarkten“.

All dies bietet fast nur die Nordmann-Tanne. Und sie bringt es darüber hinaus fertig, Nadeln zu tragen, die sich kaum von ihren Ästen trennen wollen, außerdem nicht stechen. Ihr Marktanteil ist in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gestiegen, auf heute 75 bis 80 Prozent. Auf Rang zwei steht mit gerade einmal 15 Prozent die Blaufichte, die manchen noch durch ihre stahlblauen Nadeln und ihren markanten Duft überzeugen kann. Aber der Trend zur Nordmann-Tanne geht unaufhaltsam weiter.

In den 70er Jahren sah der Markt noch ganz anders aus. Die Samen für die Nordmann-Tannen, die im Kaukasus gesammelt werden, blieben am Eisernen Vorhang hängen. Einsam herrschte die Rotfichte über die deutschen Christkugeln. Doch sie brachte seit jeher ein Ärgernis mit in die Wohnungen: Ihre Nadeln, die schon nach kurzer Zeit die Teppiche bedeckten. Als nach der Wende die Samen der Nordmann-Tanne den deutschen Markt überschwemmten, hatten die Deutschen einen neuen Lieblings-Nadelbaum.

So groß ist der Bedarf an Nordmann-Tannen heute, dass die deutschen Anbauer die Nachfrage in den vergangenen Jahren nicht mehr decken konnten. Die Konkurrenten im nahen Ausland haben ihre Chance genutzt. Vor allem aus Dänemark kommen nun häufig Weihnachtsbäume in den deutschen Handel. Rund 18 Prozent der deutschen Kunden kaufen laut dem Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger eine dänische Tanne.

In Europa sind die Deutschen mit ihrem Hang zum Weihnachtsbaum immer noch Top-Verbraucher. Rund die Hälfte der 50 bis 60 Millionen Bäume werden in der Bundesrepublik verkauft. Doch auch die Franzosen, Polen, Österreicher und Schweizer stellen sich regelmäßig Weihnachtsbäume zum Fest auf.

Vor allem in Osteuropa sind neue Märkte entstanden, aus denen sich die großen Anbauer in Deutschland aber bislang zurückhalten. Sie haben genug damit zu tun, den heimischen Markt mit Bäumen zu beliefern. Da sind die Dänen, die sich seit jeher mehr auf den Export konzentriert haben, ihren Nachbarn voraus. Sie haben längst den Sprung ins Ausland gewagt, sogar an der französischen Atlantikküste ziehen sie heute Weihnachtsbäume aus dem Boden – und profitieren am meisten von der steigenden Nachfrage in Ländern wie Polen, Tschechien, Slowakei und Rumänien.

Moritz Schröder
Moritz Schröder
Handelsblatt Live / Freier Journalist

Kommentare zu " Weihnachtsgeschäft: Der Hype um die Nordmann-Tanne"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%