Weller und das Toyota-Gate
„Wie Tschernobyl, Schneesturm und Hochwasser zusammen“

Als Toyotas Bremsskandal Deutschland erreichte, war dies wohl der schlimmste Tag im Leben von Burkhard Weller als Toyota-Händler. Im Gespräch mit Handelsblatt Online schildert der Chef von 28 Autohäusern, wie verheerend sich die Rückrufaktion auswirkte, wie er gegen die Totenmesse in seinen Showrooms ankämpfte – und wieso er am Ende doch noch schwarze Zahlen schreiben wird.
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DÜSSELDORF. Den 29. Januar 2010 wird Burkhard Weller so schnell nicht vergessen. Und mit ihm wohl auch kein anderer Toyota-Händler in Deutschland und im übrigen Europa. Seit 30 Jahren ist Weller im Geschäft. Mit 28 Autohäusern – sieben davon allein mit der Marke Toyota – ist er einer der größten Autohändler Deutschlands. 900 Millionen Euro Umsatz, 1700 Mitarbeiter. Weller hat in der Branche fast alles gesehen. Das nicht.

„Einen Monat wie den Februar dieses Jahres habe ich noch nicht erlebt. Es war wie eine Totenmesse, als ob Tschernobyl, ein Schneesturm und ein Hochwasser gleichzeitig zusammentreffen würden“, sagt Weller. Egal ob in Osnabrück, in Leipzig oder in Bremen, die Nachricht vom Rückruf hatte eingeschlagen wie eine Bombe. Kunden? Fehlanzeige. Die Stammkundschaft, so Weller, sei nicht das Problem gewesen. Aber Neukunden war die Lust auf Toyota vergangen.

Es war an einem Freitag, das Wochenende war schon in Sicht, als die dürre Meldung aus der Konzernzentrale in Brüssel das Leben von Weller, seinen Leute und das Tausender anderer Toyota-Händler schlagartig änderte, die heile Toyota-Welt auf den Kopf stellte und sämtliche Business-Pläne über den Haufen warf. „Aktuelle Information zur Rückrufaktion für Gaspedale bei Toyota Modellen“ war die unscheinbare Überschrift der Presse-Mitteilung - mit der der japanische Autobauer Toyota 1,8 Millionen Autos allein in Europa zurück in die Werkstatt rief.

„Toyota-Gate“, der Bremsskandal mit Todesverdacht aus den USA war da. Und mit ihm alle Konsequenzen – für das Image von Toyota, für das Autogeschäft des japanischen Autoherstellers überhaupt und natürlich auch für die Händler. Weller schaltete schnell. Alle Alarmsignale auf rot. Noch am nächsten Tag rief der Präsident der deutschen Vereinigung der Toyota-Händler eine außerordentliche Krisensitzung ein.

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  • Sehr geehrter Herr Lorenzen,
    vielen Dank für ihren Hinweis. im Text war tatsächlich an einer Stelle von "bremspedal-Skandal" die Rede, was natürlich nicht ganz richtig ist. Zwar gab es auch Vermutungen zu den bremspedalen, im Artikel ist aber von der Problematik rund um die Gaspedale die Rede - wie auch etwa durch die wörtliche Zitierung des Toyota-Rückrufes ganz zu beginn des beitrags auch hoffentlich von Anfang an deutlich geworden ist. Trotzdem ist der nachfolgende Fehler missverständlich und mittlerweile korrigiert.

  • ist noch niemanden aufgefallen, dass im Artikel immer abwechselnd von "bremsenskandal" und dann wieder Gaspedal die Rede ist? Etwas Sorgfalt wird man sich vom Redakteur doch erhoffen dürfen.

    im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Probleme mit den Gaspedalen - welche offensichtlich nicht nur Toyota betreffen - in den Medien stark übertrieben dargestellt werden.

    Toyota hat ganz andere Qualitätsprobleme, die zwar nicht so gut für reißerische Schlagzeilen taugen, aber den Fahrern der neueren Modelle umso mehr das Leben schwer machen. Rost beim Aygo, das mangelhafte MMT-Getriebe in diversen Modellen, viel zu dünner Lack der bei jeder berührung mit dem Fingernagel (=> Türgriffe) verkratzt, zunehmend schlechtere Qualität der Original-Verschleißteile wie bremsscheiben / -klötze, Wischerblätter... um nur ein paar beispiele zu nennen.

    ich weiß wovon ich rede, denn ich bin kürzlich nach meinen Erfahrungen mit dem Toyota Auris zu einem deutschen Hersteller gewechselt und weiß seitdem, dass es z.b. auch funktionierende Regensensoren und Fahrlichtautomatiken gibt... beides ist bei Toyota praktisch unbrauchbar.

    Toyota versucht, sich nicht mehr über Qualität zu definieren, sondern über "möglichst viel Schnickschnack zum kleinen Preis". Wer das haben möchte, sollte weiterhin Toyota kaufen, darf sich aber nicht mehr die Qualität von früher erhoffen! ich habe für mein jetziges Auto einige Tausender mehr ausgegeben als für den Toyota Auris und bin trotz teilweise schlechterer Ausstattung deutlich zufriedener damit, weil einfach alles funktioniert wie es sollte...

  • Wie so oft sind haltlose Gerüchte per Mundpropaganda über den großen Teich geschwappt. Wieso hört man überhaupt auf so etwas? Das ist mir unerklärlich. Offensichtlich traten die "Probleme" ja nur in den USA auf, un dienten wohl wieder einmal nur dazu aus einem Unglück Geld zu schlagen.

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