Weniger neue Firmen
Deutschland vom Gründermut verlassen

Im ersten Halbjahr sind deutlich weniger Firmen gegründet worden als im Vorjahreszeitraum. Die Trendwende könnte mit einer Rechtsänderung zusammenhängen: Es gibt seit Januar keinen Anspruch auf Gründungszuschuss mehr.
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WiesbadenIn Deutschland erlahmt der Gründergeist: Im ersten Halbjahr wurden nur noch 198.100 kleinere und größere Unternehmen neu gegründet. Das waren 11,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass 2012 so wenige neue Betriebe entstehen wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr.

„Wir rechnen mit weniger als 400.000 Neugründungen“, sagte DIHK-Experte Marc Evers der Nachrichtenagentur Reuters. „Das wäre ein Negativrekord.“ Der DIHK beobachtet seit langem das Phänomen, dass in wirtschaftlich schlechten Zeiten mehr Unternehmen gegründet werden, weil viele Erwerbstätige aus Angst vor Arbeitslosigkeit den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. Umgekehrt wird in besseren Zeiten das sichere Angestelltendasein dem Sprung in die Selbstständigkeit vorgezogen - zumal Hochqualifizierte in Zeiten des Fachkräftemangels im Gehaltspoker gute Karten haben.

Den Negativtrend führt der DIHK aber auch darauf zurück, dass Arbeitslose seit Jahresbeginn keinen Rechtsanspruch mehr auf einen Gründerzuschuss von der Bundesagentur für Arbeit haben. „Die Zahl der geförderten Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus ist deshalb um 81 Prozent gefallen“, sagte Evers.

Gute Chancen für Gründer sieht der DIHK vor allem bei unternehmensnahen Dienstleistungen. „Viele Unternehmen lagern Leistungen wie etwa die IT-Pflege aus und kaufen sie am Markt zu“, sagte Evers. Auch im Online-Handel und in den Bereichen Umwelttechnik, Energieeffizienz und Erneuerbare Energien sieht der DIHK gute Zukunftschancen.

Von Januar bis Juni wurden rund 70.000 Betriebe neu gegründet, deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Bedeutung schließen lassen. Das war ein Rückgang von 6,1 Prozent. Die Zahl gegründeter Kleinunternehmen ging sogar um 14,2 Prozent auf 128.000. Gegen den Trend nahm die Zahl der Gründungen von Nebenerwerbsbetrieben um 0,8 Prozent auf knapp 123.000 zu.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Bin der selben Meinung wie Micha.
    Wenn ein Unternehmen einigermaßen erfolgreich ist, wird es durch Gewerbe-, Umsatz-, Einkommenssteuer usw.(Zahlbar innerhalb einer Woche, ob 1000€ oder 9000€)bestraft! Wehe, wenn das Geld nicht Pünklich eintrifft!!
    Unterm Strich sind Kleinunternehmer die Melkkuh Deutschlands.
    Dasselbe gilt für Angestellte bei Kleinunternehmen: selbst bei erwiesenem Spritdiebstahl und fristloser Kündigung muss der Kleinunternehmer eine ordentliche Kündigung ausstellen und die Fehlzeit auch noch bezahlen. Denn welcher Kleinunternehmer kann es sich leisten wegen so einer Sache mehrer Tage auf dem Gericht zu verbringen. Am Ende eines erfolgreichen Jahres kommt die Ernüchterung per Steuerbescheid.
    Nach Steuern weniger Geld pro Monat wie die Angestellten.
    Und das alles bei vollem Risiko und bald 200% Leistung.

    Irgend etwas stimmt mit Deutschland`s Politik nicht mehr!?!?!(Siehe Rente, Arbeitslosenzahlen, 1€ Jobs,
    ect.)
    Schönen Abend noch!!

  • Warum sollte jemand ein Unternehmen gründen?

    Es gibt immer mehr Vorschriften und Auflagen der Behörden.

    Die Sozialabgaben steigen ständig.

    Der Angestelltenschutz steht über dem Firmenschutz!

    Als Unternehmer muß man zu Beginn deutlich mehr als 40 Stunden und 5 Tage in der Woche arbeiten und oft jahrelang auf Urlaub verzichten.

    Oft verdienen die Angestellten in der Gründungsphase mehr als die Unternehmer.

    Oft risikieren die Unternehmensgründer ihre persönliche Existenz durch Investitionen und persönliche Haftung für Unternehmensdarlehen.

    Bleibt dann nach oftmals jahrelanger Aufbauarbeit etwas übrig, beginnt der Neid und alle wollen mehr Geld und mehr Einfluß.

    Das Finanzamt straft erfolgreiche Unternehmer und Spitzen-Steuerzahler durch regelmäßige Betriebsprüfungen (Dauerprüfung!) mit sinnlosen Diskussionen über die Notwendikeit von nachweislich realen (!) Betriebsausgaben.

    Ich bin froh, ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut zu haben und führe es seit Jahren erfolgreich. Nochmals würde ich es nicht mehr machen und angesichts der Gängelei des Finanzamtes und der Behörden dachte ich schon mehr als einmal über die Schließung des Betriebes nach. Wird nun nach der nächsten Bundestagswahl noch das Vermögen besteuert, dazu dürfte auch das Unternehmen an sich zählen, werde bestimmt nicht nur ich die Pforten schließen. Politiker scheinen vergessen zu haben, daß die Unternehmer für einen Großteil des Wohlstandes in Deutschland verantwortlich sind. Ohne innovative Unternehmer ginge der Wohlstand in Deutschland sehr schnell zurück. Vom gegenseitigen Verwalten und Geld umschichten kann kein Staat ohne natürliche Rohstoffe lange existieren.

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