Werkzeugmaschinenbau
Maschinenbau: „Stimmung ist besser als Lage“

Die Werkzeugmaschinenbaubranche in Baden-Württemberg leidet unter der weltweiten Wirtschaftskrise. Im Handelsblatt-Interview spricht Thomas Kaysser, Kenner der Werkzeugmaschinenbau-Region Baden-Württemberg, übers Ländle in Krisenzeiten und die Aussichten der Branche.

Handelsblatt: Herr Kaysser, wir befinden uns weltweit in einer Wirtschaftskrise. Die Werkzeugmaschinenbaubranche in Baden-Württemberg ist stark betroffen. Wie ist die momentane Stimmung im Ländle?

Kaysser: Ehrlich gesagt ist die Stimmung besser als die Lage. Dank der Kurzarbeit spüren wir die vollen Auswirkungen nicht richtig, aber das ist ja keine Dauerlösung. Der Staat zahlt und die Volkswirtschaft bewegt sich nicht. Wird die Nachfrageflaute auf diesem Niveau länger anhalten, rechne ich mit größeren Entlassungswellen.

Und wie sieht es bei Ihnen im Unternehmen aus?

Seit drei Monaten haben wir keinen weiteren Rückgang in den Auftragseingängen. Wir haben den Boden erreicht, aber der Rückgang war enorm. Diese Krise kostet uns sieben Jahre Wachstum.

Wann haben Sie denn das erste Mal gemerkt, dass etwas nicht stimmt?

Im Oktober 2008 brachen die Aufträge rasant ein. Kunden stornierten oder verschoben laufende Projekte auf unbestimmte Zeit. In den Jahren davor waren wir mit der Produktion gar nicht mehr hinterher gekommen. Die Unternehmen bestellten Ihre Teile auf Lager, weil Sie längere Lieferzeiten fürchteten. Es baute sich eine große Nachfrageblase auf, die in der Finanzkrise dann platzte. So kam die Wende.

Wie haben Sie auf die Auftragseinbrüche reagiert?

Zuerst haben wir die flexiblen Zeitkonten unserer Mitarbeiter abgebaut und Leiharbeitsverträge gekündigt. Seit Januar sind Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die meisten waren wenig überrascht. Wir machen momentan sehr viel Kundenakquise. Aber es läuft alles sehr schleppend.

Warum trifft es gerade Ihre Branche so hart?

Die Finanzkrise hat den Markt verunsichert. Unternehmen investieren momentan kaum. Genau von diesen Investitionen hängen wir aber ab. Richtet zum Beispiel das Unternehmen BOSCH ein neues Werk ein, benötigt das Werk Maschinen und Werkzeuge. Momentan steht in dieser Richtung aber alles still. Keiner investiert, Projekte werden geschoben.

Was bedeutet das für die Region Baden-Württemberg?

Baden-Württemberg war immer eine Region mit konstantem Wachstum. Die Menschen dachten, nichts könnte die Region so schnell schwächen. Wir sind ein Exportland und produzieren Investitionsgüter. Das Land baut voll auf die Technologiebranche und die Automobilindustrie. Jetzt kränkeln beide Motoren der Wirtschaft, das gab es noch nie. Diesen Ausnahmezustand muss die Region erst einmal verkraften. Bei der letzten Krise 2003 sank die Auftragslage in den USA, dafür blieb sie aber in Asien konstant. Das hat die Flaute ausgeglichen. Jetzt sind selbst in Dubai die Baustellen leer.

Sehen Sie kein Licht am Ende des Tunnels?

Das kommt darauf an, wie lange die Krise noch dauert. Zulieferer sind abhängig von Rohstofflieferanten, und Hersteller sind abhängig von ihren Zulieferern. Bei weiteren neun Monaten Krise zerstört die Auftragsflaute diese Prozesskette. Viele Zulieferer und Spezialisten gehen in die Insolvenz. Wenn dann die Nachfrage wieder anspringt, können wir sie nicht bedienen. Die Kette ist unterbrochen. In so einem Fall könnte es Jahre dauern bis sich der Kreislauf wieder regeneriert.

Halten die Hersteller jetzt mehr zusammen?

Die Unternehmen suchen den Kontakt zu den Zulieferern und versuchen gemeinsam über die Runden zu kommen. Es gibt aber auch schwarze Schafe unter den Auftraggebern, die nutzen die Krise eiskalt aus. Sie vergeben Aufträge an Zulieferer zu lächerlichen Konditionen und lassen sie regelrecht ausbluten. Die Unternehmen unterschreiben, weil sie froh sind überhaupt Aufträge zu bekommen. Das führt auf Dauer aber geradewegs in die Insolvenz und die Prozesskette reißt noch schneller.

Spürt die Branche eine Kreditklemme?

Meiner Meinung nach ist genug Liquidität bei den Banken vorhanden. Es handelt sich um ein Vertrauensproblem zwischen Bank und Unternehmen. Die Bank prüft in diesen Zeiten genau, wem sie Geld leiht. Kann ein Unternehmen da nicht überzeugen, bekommt es keinen Kredit. Aber in der Werkzeugbaubranche sind alle sehr gut aufgestellt. Das sollte also kein Problem sein.

Wie würde ein sprunghafter Anstieg der Nachfrage wirken?

Das ist mir lieber als ein gemächlicher Anstieg. Dann kommt die Branche endlich wieder in Schwung. Natürlich können wir nicht von heute auf morgen wieder im vollen Umfang produzieren. Ich rechne mit sechs bis zwölf Monaten, dann müssten sich die Prozesse wieder normalisiert haben.

Ist das dicke Ende erreicht?

Das hoffe ich. Ich denke, dass als Erstes die Nachfrage in Asien anziehen wird und allmählich auch in den USA. Dann geht es unserem Ländle wieder besser.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%