Werkzeugmaschinenbauer
Hoffen auf den rettenden Aufschwung

Werkzeugmaschinenbauer stecken mitten im Auftrags- und Umsatztief. Grund ist die Wirtschaftskrise und mit ihr die Talfahrt der Automobilindustrie. Eine Erholung erwartet die Branche frühestens im kommenden Jahr. Bis dato halten sich die Unternehmen mit ganz unterschiedlichen Strategien über Wasser.

BREMEN. Durchhalten heißt die Parole: "Erst einmal abwarten und darauf hoffen, dass es bald bergauf geht." Ein anderes Rezept weiß Engelbert Adam, Werksleiter bei der Schuler Cartec GmbH in Göppingen, derzeit nicht als Antwort auf die Krise. Das zur Schuler-Gruppe gehörende Unternehmen stellt Presswerkzeuge für Blechteile her, die zu Autokarosserien umgeformt werden. Doch zuletzt gingen die Aufträge massiv zurück. Zahlen will Werksleiter Adam lieber nicht nennen. "Aber ich rechne damit, dass es bei uns erst Ende des Jahres 2010 wieder aufwärts geht." Mittlerweile hat Schuler Cartec die befristeten Verträge der zuliefernden Kunden nicht verlängert und die Personalkosten mittels Kurzarbeit um 20 Prozent verringert. "Auf Lager produzieren können wir nicht", sagt Adam. "Dazu fehlen uns die Kapazitäten."

Werkzeugmaschinenbauer wie die Schuler Cartec GmbH stecken mitten im Auftragstief, das die Wirtschaftskrise und mit ihr die Talfahrt der Automobilindustrie verursacht hat. Nach Angaben des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) ging der Branchenumsatz in den ersten sieben Monaten des Jahres 2009 um 27 Prozent zurück, die Auftragseingänge brachen gar um 68 Prozent ein. Im Juli verzeichneten die Werkzeugmaschinenbauer eine Kapazitätsauslastung von nur noch 66 Prozent, im Jahresdurchschnitt 2008 hatte sie noch 95 Prozent betragen.

Große Entlassungswellen blieben jedoch vor allem dank Kurzarbeit bislang aus. Von Januar bis Juli beschäftigte die Branche nach VDW-Angaben durchschnittlich 70 700 Menschen, im Jahresdurchschnitt 2008 waren es 70 800. "Die Entwicklung der Auftragseingänge wird nicht vor Beginn des vierten Quartals an Boden gewinnen", schätzt Gerhard Hein, Chefvolkswirt des VDW. "Und mit einer Nachfragebelebung rechne ich nicht vor Beginn des ersten Halbjahres 2010."

Die Unternehmen des Werkzeugmaschinenbaus halten sich mit ganz unterschiedlichen Strategien über Wasser. Vielen bleibt aufgrund knappen Kapitals und fehlenden Lagerkapazitäten nichts anderes übrig als abzuwarten und auf den Aufschwung zu hoffen. Andere nutzen die brachliegenden Kapazitäten, indem sie die Zeitspanne zwischen bereits eingegangenen Aufträgen und deren Umsetzung drastisch verkürzen. "Insgesamt wird es 2010 zwar eine rückläufige Produktion im Werkzeugmaschinenbau geben", prognostiziert VDW-Chefvolkswirt Gerhard Hein. "Doch in welchem Ausmaß, das hängt je nach Unternehmen davon ab, mit welcher Geschwindigkeit Aufträge zur Realisierung gebracht werden können."

So hat die Hartmetall Paul Horn GmbH-Werkzeugfabrik in Tübingen ihre Kapazitäten innerhalb des letzten Jahres verdoppelt. So kann das Unternehmen Auftragsbestände schneller abbauen und Neukunden mit kurzen Bearbeitungszyklen anlocken. "Insgesamt haben wir 50 Mio. Euro in neue Technik und ein neues Produktionsgelände investiert", berichtet Geschäftsführer Lothar Horn. "Damit haben wir unsere Lieferfähigkeit von durchschnittlich sechs bis acht Wochen auf nur wenige Tage reduziert." Die 800 Beschäftigten des Unternehmens produzieren Einstech-, Längsdreh- und Fräswerkzeuge für die Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt sowie Medizintechnik. Dass den Werkzeugmaschinenbau eine Krise erreichen würde, ahnte Geschäftsführer Horn bereits frühzeitig, er brachte die Kapazitätserweiterung deshalb zeitig in Gang. "Dass es uns aber so hart treffen würde, hätte ich vor einem Jahr noch nicht geglaubt." Mit 25 Prozent Auftragsrückgang habe Horn damals gerechnet, dessen Kunden zu 65 Prozent aus der Automobilindustrie stammen. Tatsächlich wurden es im Jahr 2008 satte 50 Prozent.

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