Wettbewerb
In der Nähe liegt die Kraft

Mittelständler profitieren davon, wenn die größten Konkurrenten direkt vor ihrer Haustür sitzen. Denn so bleibt der Wettbewerb auch in guten Zeiten hart, aber fair. Und in Sachen Mitarbeiterabwerbung gibt es eine ganz eigene Regelung.

DÜSSELDORF- Wenn Albert Berner den schärfsten Konkurrenten seines Unternehmens sehen will, muss er nicht nach China oder Indien reisen. Der Gründer des Montage- und Werkzeugunternehmens Berner braucht nur an das Fenster seines Büros zu treten, und sein Blick fällt auf das Firmengelände von Würth. Mit 8,5 Mrd. Euro und 64 000 Beschäftigten ist Würth die Nummer eins weltweit. Berner setzt mit 8 000 Mitarbeitern knapp 780 Mill. Euro um und ist die Nummer zwei. Gesteuert werden beide Firmen aus Künzelsau, einem Ort mit rund 16 000 Einwohnern in der Nähe von Heilbronn.

Die Branchengrößten in direkter Nachbarschaft – diese Konstellation ist in der deutschen Wirtschaft nicht selten. Gerade die vielen mittelständisch geprägten Weltmarktführer haben ihren schärfsten Wettbewerber vor der eigenen Tür, beobachtet Hermann Simon, Chef der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners. Er sieht einen klaren Zusammenhang zwischen regionaler Nähe der Wettbewerber und ihrem Erfolg. Robert Friedmann, Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe, bestätigt: „Der Wettbewerber in nächster Nähe sorgt dafür, dass eine dynamische Atmosphäre entsteht.“

Die Dynamik begann in Künzelsau 1957. Albert Berner, hatte bei Würth gelernt und damals schnell erkannt, dass er „lieber auf eigenen Füßen stehen will“. Er gründete sein Unternehmen als Ein-Mann-Betrieb. „Dabei hatte ich natürlich von Anfang an den Wettbewerber, meinen ehemaligen Klassenkameraden, direkt vor Augen.“ Berner ist überzeugt: „Dieser Wettbewerb auf Sichtweite ist ein Erfolgsmoment für beide Unternehmen, da wir uns gegenseitig antreiben.“

Auch wenn die räumliche Nähe sich inzwischen etwas relativiert hat, weil beide Unternehmen einen Großteil ihres Umsatzes im Ausland erwirtschaften, sporne gerade diese besondere Konstellation immer noch an, sagt Berner. Denn die Reaktionszeit ist einfach nicht so lang, wenn der Konkurrent um die Ecke sitzt. „Wir beobachten das Wettbewerbsumfeld genau und reagieren schnell“, erzählt Berner. So bringe mal der eine, mal der andere eine Produktneuheit zuerst auf den Markt oder gehe in einem Land schneller voran.

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