Wie Finanzdienstleister von der Industrie lernen können
Vom Bankinstitut zur Kreditfabrik

Die Profitabilität der deutschen Kreditinstitute ist noch längst nicht zufriedenstellend. Dabei macht die Industrie seit Jahrzehnten vor, wie sich die Wertschöpfung steigern lässt.

DÜSSELDORF. Das Rezept: Arbeitsteilung und standardisierte Prozesse. Übertragen auf die Banken heißt das: Dienstleistungen werden wie Produkte behandelt und in genau abgegrenzte, standardisierte Bestandteile zerlegt. Auf dieser Basis können Spezialanbieter einzelne Aufgaben kostengünstiger übernehmen, da sie hohe Auftragsvolumina und Skaleneffekte nutzen. Ein Beispiel: Der Betrieb der IT-Infrastuktur, etwa von Servern oder einzelnen Anwendungen, gehört nicht zum Kernbereich von Finanzinstituten und bietet keinerlei Differenzierungsmerkmale oder Potenzial für die Kundenbindung. „Daher könnten Banken hier großzügig auslagern, ohne entscheidende Geschäftsprozesse aus der Hand zu geben – und sich vielmehr auf ihr eigentliches Bankgeschäft konzentrieren“, so Christian Oecking, Leiter des weltweiten Outsourcing-Geschäfts bei Siemens Business Services. Viele Finanzinstitute nutzen diese Chancen noch nicht ausreichend. Es fehlen definierte Maßstäbe über Kosten, Fehlerquoten, Kundenzufriedenheit oder Termintreue. Gegensteuern können die Banken etwa durch eine Konsolidierung ihrer IT-Infrastruktur.

Die Norisbank ist ein Vorreiter für die automatisierte Mengenfertigung bei geringer Fertigungstiefe. Dazu nutzt das Finanzinstitut ganz gezielt die Skaleneffekte und die Expertise von Dienstleistern. So lässt das Finanzinstitut etwa sein Kreditabwicklungssystem „Easycredit“ extern betreiben. Der entscheidende Vorteil für den Kunden: Er erhält innerhalb von Sekunden eine verbindliche Aussage über den gewünschten Kreditbetrag und die Höhe der monatlichen Rate. Auch die Bank profitiert, da das System aussichtlose Verträge von vornherein aussortiert.

Die Grundlage der Outsourcing-Partnerschaft bildet das so genannte Strommodell. Es betrachtet die Abnahme von IT-Leistungen genau so wie die Abnahme von elektrischer Energie. „Hintergrund unseres Modells ist, dass wir nicht in Hardware und Software denken. Was zählt, ist einzig das Ergebnis aus Endkundensicht", erklärt Willy Düster, IT-Leiter bei der Norisbank. Der IT-Partner ist verantwortlich für die Hardware, die Betriebsplattform, die Middleware sowie für den erfolgreichen Betrieb der Anwendung. Wie der Partner das Ziel ereicht, bleibt ihm selbst überlassen.

Für alle Prozesse verlangt die Bank intern wie extern einen Nachweis der Wirtschaftlichkeit. Eine Geschäftsstrategie, die aufgeht: Die Norisbank betreibt die erste funktionierende „Kreditfabrik“ und ist damit erfolgreich: Im Geschäftsjahr 2004 betrug der Umsatz mit Easycredit knapp 1,4 Milliarden Euro, gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 63 Prozent. Auf dem Weg zu industrialisierten Finanzinstituten sind die Banken gut beraten, sich die Erfahrungen anderer Branchen und das Wissen von IT-Anbietern zunutze zu machen. Dabei ist entscheidend, die Geschäftsprozesse so zu gestalten, dass sie auf die Strategie und die Kernkompetenzen abgestimmt sind. Nur so lassen sich Transaktionszeiten senken und der Kundenservice optimieren.

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