Willkommenskultur Gut ist, wenn sie bleiben

Für ausländische Fachkräfte ist es oft alles andere als einfach, nach Deutschland zu ziehen. Viele Firmen nehmen trotzdem einiges auf sich, um sie anzuwerben. Sechs von ihnen wurden für ihr Engagement ausgezeichnet.
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Für ausländische Fachkräfte ist der Wechsel nach Deutschland oft schwierig. Quelle: dpa
Fachkräfte gesucht

Für ausländische Fachkräfte ist der Wechsel nach Deutschland oft schwierig.

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BerlinUnruhe im Saal. Sabine Hepperle und ihr Team müssen neu denken. Der Leiterin der Mittelstandsabteilung im Bundeswirtschaftsministerium ist ihr Chef abhandengekommen. Minister Sigmar Gabriel sitzt im Kanzleramt fest. Ob er noch kommen wird, um sechs Unternehmen auszuzeichnen, die sehr viel Engagement bewiesen haben, ausländische Mitarbeiter zu gewinnen, zu unterstützen und zu halten? Der Unternehmenspreis für Willkommenskultur „Mit Vielfalt zum Erfolg“ des Ministeriums ehrt Unternehmer, die viel auf sich genommen haben, um Mitarbeiter aus anderen Ländern anzuwerben.

Bei Manchen gehört es zum Geschäftsmodell. Icunet aus Passau etwa berät mit 141 Mitarbeitern aus 22 Nationen mittelständische Unternehmen bei der Anwerbung von Mitarbeitern in aller Welt und schult sie für die Arbeit in internationalen Teams. Auch der Online -Spieleentwickler Innogames in Hamburg, mittlerweile auf 350 Mitarbeiter aus 30 Ländern gewachsen, setzt auf Vielfalt und veranstaltet für die neuen Mitarbeiter Willkommenspartys. Das Kalkül: „Wir brauchen auch die Mitarbeiter, um die Kultur in den künftigen Absatzmärkten kennen zu lernen“ erklärt Firmenchef Michael Zillmer.

Die zehn größten Familienunternehmen Deutschlands
Die zehn umsatzstärksten Familienunternehmen
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In diesem Haus, Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck, nahm einst die klassische Erfolgsgeschichte eines Familienunternehmens seinen Anfang: Hier hatte die Familie Albrecht einen Tante-Emma-Laden, den die Söhne Theo und Karl Albrecht übernahmen. Sie expandierten und gründeten schließlich die Kette Albrecht-Diskont, kurz: Aldi. Familienunternehmen gelten wahlweise als Wirbelsäule oder Herzstück der deutschen Wirtschaft, 95 Prozent der deutschen Unternehmen sind Familienunternehmen. Doch welche sind am erfolgreichsten? Das Institut für Familienunternehmer hat sich die Umsätze der Firmen angeschaut. Die zehn umsatzstärksten Unternehmen im Ranking.

Platz 10: Heraeus Holding
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Der Grundstein für die Heraeus Holding wurde 1851 in Hanau östlich von Frankfurt am Main gelegt. Dort hat die Holding auch mehr als 160 Jahre später noch ihren Firmensitz. Ihr geistiger Vater war Wilhelm Carl Heraeus, der in der seit 1660 im Familienbesitz befindlichen Einhorn-Apotheke eine einzigartige Methode zur Platinschmelze erfand, welche dem Unternehmen den Weg zum Erfolg ebnete. Heute ist die Holding ein weltweit operierender Technologiekonzern, 2013 mit einem Jahresumsatz von 17,4 Milliarden Euro, circa 13 Milliarden davon macht der Edelmetallhandelsumsatz aus.

Platz 9: Fresenius
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Auch das Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen Fresenius geht auf eine Apotheke zurück: auf die 1462 gegründete Hirsch-Apotheke, die im 18. Jahrhundert von der Familie Fresenius übernommen wurde. 1912 wurde aus der Apotheke ein Pharmazieunternehmen, das seinen Aufstieg vor allem dem erfolgreichen Vertrieb von Dialyse-Geräten und -Produkten in den 60er Jahren verdankte. 1996 wurde das mittlerweile weltweit größte Dialysegeschäft in das Tochterunternehmen Fresenius Medical Care (selbst Platz 20 im Ranking) ausgelagert. Die Fresenius SE & Co. KGaA weist einen Umsatz von 20,3 Milliarden Euro im Jahr 2013 aus.

Platz 8: Phoenix Pharmahandel
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Die Phoenix Gruppe, der größte Pharmahändler Europas, entstand in den 1990er Jahren. Der berühmte deutsche Unternehmer Adolf Merckle kaufte eine ganze Reihe regionaler Pharmagroßhändler und fasste sie 1994 zur von ihm gegründeten Phoenix Pharmahandel AG zusammen. 21,2 Milliarden Euro erwirtschaftete Phoenix 2013, derzeit versucht man das Geschäft in mehreren europäischen Ländern, beispielsweise in Frankreich und Großbritannien, weiter auszubauen.

Platz 7: Continental
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Deutschlands größter und Europas zweitgrößter Automobilzulieferer hat seinen Ursprung im Konkurs der „Neue Hannoversche Gummiwarenfabrik“, die – von Bankier Moritz Magnus 1869 gekauft und neu aufgestellt – die Basis für den einst reinen Reifenhersteller Continental bildete. In Hannover hat das Unternehmen noch heute seinen Sitz. Zahlreiche Innovationen wie der erste Luftreifen mit Profil ebneten dem Unternehmen, das zur Zeit des Nationalsozialismus auch von Zwangsarbeit profitierte, den Aufstieg. „Conti“ erwirtschaftete 2013 einen Umsatz von 33,3 Milliarden Euro.

Platz 6: Bosch
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Das 1886 von Robert Bosch gegründete Unternehmen entwickelte das erste serienmäßige Antiblockiersystem und war lange der größte Automobilelektronik-Zulieferer der Welt, verlor diese Position allerdings 2012. In automatisierter Verpackungstechnik ist das Unternehmen jedoch weiterhin Weltmarktführer. Mehr als 200.000 Mitarbeiter erwirtschafteten 2013 einen weltweiten Umsatz von 46,4 Milliarden Euro. Ein Tochterunternehmen von Bosch war die Dreilinden Maschinenbau GmbH, ein Rüstungsbetrieb in Kleinmanchow. Diese zeigte sich für den Arbeitseinsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen verantwortlich.

Platz 5: Aldi
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Sie teilten einst die Republik unter sich auf: Theo und Karl Abrecht, die Gründer von Albrecht-Diskont, kurz Aldi und damit Erfinder des Discounters in Europa. Die Brüder übernahmen 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg den elterlichen Tante-Emma-Laden in Essen und bauten den Betrieb rasch aus. Die Wandlung zum „Discounter“ geschah 1961 aus einer durch die Supermarktkonkurrenz bedingten Unternehmenskrise heraus und stellte sich als größte Innovation des Einzelhandels im 20. Jahrhundert dar. 1960 teilten die Gebrüder Albrecht das Unternehmen schließlich in Aldi Süd (Karl) und Aldi-Nord (Theo) auf. Zusammengenommen machten die Konzerne 2013 einen Umsatz von 62,2 Milliarden Euro. Das sind allerdings nur Schätzzahlen: Aldi ist für seine Verschwiegenheit bezüglich Geschäftszahlen bekannt.

Auch Module Works in Aachen gehört zu dieser Gruppe. Das IT-Unternehmen mit 107 Mitarbeitern, von denen rund die Hälfte nicht in Deutschland geboren ist, hat sich sehr individuelle Lösungen für potenzielle Mitarbeiter überlegt. So können sie ihre Probezeit in der Heimat absolvieren, bevor sie sich endgültig entscheiden, nach Deutschland zu kommen.

Genau diese Entscheidung, mit Familie nach Deutschland zu kommen, stellt Bewerber und Unternehmen vor viel größere Herausforderungen als gedacht. Das zeigen die Beispiele der anderen drei Preisträger: Die Firma SPS Schiekel aus Dohna, Lafarge Zement in Karsdorf und KS Atag Trimet in Harzgerode. Schon die Firmenstandorte erzählen eine Geschichte, eine Geschichte vom Fachkräftemangel, vom Wegzug junger möglicher Mitarbeiter und von echter Überzeugungsarbeit in der Region. Klar wird, wenn nicht Unternehmenschefs wie Peter Schiekel oder Werksleiter wie Hartmut Galenski von KS Atag sich sehr viel Zeitnehmen, echten Willen und eine Menge Überzeugungskraft einsetzen, hat das Abenteuer Integration nur wenige Chancen auf Erfolg.

Denn Überzeugungsarbeit ist wichtig, erklärt Galenski, um überhaupt die nötige Akzeptanz für die Integration von Ausländern zu schaffen, bei Ämtern und in der Umgebung. „Es war uns von Anfang an klar, dass unsere Firma für dieses Projekt in Vorleistung gehen würde, denn die ausländischen Jugendlichen hatten nicht die finanziellen Möglichkeiten, Flüge, Übernachtungen und Reisekosten im Land zu tragen.“
Galenski hatte die künftigen Auszubildende zunächst in ihrem Heimatland besucht, um eine Vorauswahl zu treffen und vor allem Vertrauen zu schaffen: Denn schon in den ersten Gesprächen sei klar geworden, dass die Leute einen Pferdefuß vermuteten. Sie könnten nicht verstehen, dass sie etwas geschenkt bekämen.

Jurymitglieder erhöhen Preisgeld
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2 Kommentare zu "Willkommenskultur: Gut ist, wenn sie bleiben"

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  • Nicht nur das, Herr Kammschott.

    Wir haben in Deutschland gesamt etwa 14 Millionen prekär Beschäftigte, in missbrauchten Leih- und Werkverträgen, Aufstocker, Arbeitslose (viele Fachkräfte,Akademiker), qualifizierte HartzIV - Opfer !

    Und viele, die von Ihrer Arbeit nicht ausreichend mit einer angemessenen Lebensqualität leben können !
    Familienfeindlich und Altersarmut in Zukunft vorhersehbar !

    Verlogene Politik !!!

    Die westlichen Industrieländer "produzieren" die Flüchtlingsströme, durch Kriege und nebenbei überschwemmen sie die Märkte mit unseren subventionierten Lebensmittel, wie Geflügel in Afrika !
    Es geht nur um Märkte und Schürfrechte !

  • Die Wirtschaft weiß genauso wie die Politik selbstverständlich genau, daß die Masse der Asylanten keine Chance auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat. Nicht nur die nicht vorhandenen Sprachkenntnisse sind dabei das Problem, sondern daß der Großteil bestenfalls eine Schulbildung auf dem Niveau eines schlechten Unterstufenschülers hat, meistens jedoch über gar keine Bildung verfügt. Hinzu kommt natürlich der kulturelle Unterschied, der es unmöglich macht, diese Leute in ein Arbeitsteam zu integrieren oder gar mit Kunden in Kontakt kommen zu lassen. Mit welcher Berechtigung will dann ein Unternehmen noch von deutschen Bewerbern erstklassige Abschlüsse, Bewerbungsunterlagen oder gar Referenzen verlangen, wenn es auf der anderen Seite ungebildete Asylanten ohne Abschlüsse, ohne Bildung und ohne jede Erfahrung einstellt ?
    Die Forderungen zur Öffnung des Arbeitsmarktes für Asylanten dienen nicht etwa dazu, billige Arbeitskräfte zu finden, sondern einzig und allein, denen so den Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung und dem höheren H4 – Leistungen zu ermöglichen.

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