"Wir setzen auf den Mittelstand"
Es fließt wieder mehr Geld

"Wir setzen auf den Mittelstand." Kein geringerer als Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, hat diesen Satz Anfang August gesagt. Der Mittelstand ist wieder attraktiv geworden für Deutschlands Finanzgewerbe.

HB HANNOVER. Die Kreditwirtschaft hatte per Ende 2005 Kredite in Höhe von 888 Mrd. Euro an Unternehmen und Selbständige vergeben. Im ersten Quartal des Jahres haben deutsche Unternehmen so viel Fremdkapital aufgenommen wie zuletzt zur Jahreswende 2001/2002. Allein die Sparkassen als wichtigster Kreditgeber des Mittelstands zahlten im ersten Halbjahr 2006 insgesamt 18,6 Mrd. Euro neue Darlehen an Unternehmen aus - rund 17 Prozent mehr als in der ersten Jahreshälfte 2005. Das Wort "Kreditklemme" - das immer dann benutzt wird, wenn Skeptiker die Kreditnachfrage größer als das Angebot sehen - scheint Geschichte.

Ein Grund für die steigende Kreditnachfrage ist die Belebung der Binnenkonjunktur. "Der Mittelstand bedient noch immer zu mehr als drei Vierteln das Inland", sagt Niels Oelgart, Leiter Unternehmensfinanzierung beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Der Boom der Exportwirtschaft ging an vielen Mittelständlern vorbei. Stattdessen litten sie unter der über Jahre hinweg schwachen Inlandsnachfrage. Organisationen wie der DIHK haben in der Vergangenheit wiederholt die bürokratische Belastung durch Basel II, die EU-Eigenkapital-Richtlinie, kritisiert. Ihre Vorgaben machten Kredite für Unternehmen mit geringer Eigenkapitaldecke - typisch für deutsche Mittelständler - teurer.

Der Mittelstand spüre zudem seit dem Börsencrash zu Beginn dieses Jahrzehnts ein "verändertes Risikomanagement der Banken", sagt Oelgart. Nicht jeder Mittelständler hat die Bonitätsprüfungen der Kreditinstitute in den vergangenen Jahren erfolgreich abgeschlossen. Doch seit der Konsum auch im Inland anzieht, brummt das Geschäft mit Mittelstandskrediten - auch bei der KfW Bankengruppe. "Konjunkturell ist es das beste Jahr seit 2000", sagt eine Sprecherin.

Der Mittelstand geht nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young sogar davon aus, dass sich die Geschäftslage weiter verbessert: 40 Prozent der 3 000 befragten Unternehmen erwarten eine positive Entwicklung - im Vorjahr lag der Wert nur bei elf Prozent. Die gute Stimmung könne "zu mehr Investitionen, mehr Risikofreude und damit mehr Wachstum führen", sagt Peter Englisch, Niederlassungsleiter Ruhrgebiet bei Ernst & Young. Zumal die Zahl der Pessimisten sinkt: Ging 2005 noch fast jeder dritte Mittelständler davon aus, dass sich die Situation des eigenen Unternehmens innerhalb des kommenden halben Jahres verschlechtern würde, liegt dieser Wert bei acht Prozent.

Zugleich warnt die KfW-Sprecherin aber vor allzu viel Euphorie. Schließlich könne die geplante Mehrwertsteuererhöhung zum Jahreswechsel auf dann 19 Prozent den Optimismus ein wenig eintrüben. Doch noch ist die Stimmung gut, was auch die Zahlen der KfW-Mittelstandsförderung belegen. Im ersten Halbjahr kletterte das Förderungsvolumen für kleinere und mittlere Unternehmen bei der KfW auf 8,6 Mrd. Euro, nach sechs Mrd. Euro im Vorjahr.

Sogar Deutsche-Bank-Chef Ackermann ließ seinen Worten Taten folgen. Deutschlands größte Privatbank hat die Kooperation mit der staatlichen KfW-Bankengruppe bei Förderkrediten ausgeweitet und ein so genanntes Globaldarlehen über rund eine Mrd. Euro geordert.

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