Wirtschaft in Russland
Belastungsprobe für die „Putinomics“

Russlands Wirtschaft rechnet mit Kontinuität, doch auf die wachsende Staatsökonomie kommen viele Herausforderungen zu. Der Anteil von Staatskonzernen am Bruttoinlandsprodukt ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen – doch ohne die Kontrolle durch Aktionäre und die Förderung freien Unternehmertums bleibt die Wettbewerbsfähigkeit fraglich.

MOSKAU. Für die Moskauer Börse war es eine Woche der Höhenflüge: Erst die Nachricht, dass Präsident Wladimir Putin die Kandidatur des als wirtschaftsliberal geltenden Vize-Ministerpräsidenten Dmitrij Medwedjew für die Präsidentschaftswahl im März 2008 unterstützt. Dann dessen Ankündigung, er wolle seinen politischen Ziehvater Putin zum Ministerpräsidenten machen – der Doppelschlag trieb den auf Dollar basierten Index RTS auf einen historischen Höchststand.

Die im Laufe des Jahres immer stärker zu Tage tretenden Anzeichen eines Machtkampfes der Interessengruppen hinter den Kremlmauern, die Unsicherheit über die politische Zukunft des Landes hatten die Börse stärker belastet als so mancher Analyst eingestehen wollte. Der Blick fällt nun auf die wirtschaftlichen Herausforderungen, die das Duo Medwedjew-Putin zu meistern hat – wenn es denn zu diesem Doppel kommt.

Die Weltbank hält Russlands Wirtschaft für „robust“, vor allem weil sich der Nicht-Rohstoffsektor rasant entwickelt. Alexander Branis, Direktor von Prosperity Capital, einem der größten Portfolio-Investoren in den GUS-Staaten, der 4,5 Mrd. Dollar verwaltet, glaubt, dass selbst im Falle einer nachlassenden Weltwirtschaft Russland „im Krisenmodus“ vergleichsweise besser abschneiden wird als andere Schwellenländer. Die Wirtschaft wächst in diesem Jahr um sieben Prozent, die Industrieproduktion legte in den ersten neun Monaten um 6,6 Prozent zu. Ausländische Direktinvestitionen kletterten im gleichen Zeitraum auf 36,7 Mrd. Dollar, drei Mal so viel wie 2006. Am Ende des Jahres dürften sie knapp 50 Mrd. Dollar betragen.

Auf Russlands Wirtschaftspolitik, die so genannte „Putinomics“, warten dennoch eine Reihe von Prüfungen: Viele Schwachstellen der Wirtschaft seien von dem Dollarfluss aus den Ölexporten überdeckt worden, meint der Chef einer europäischen Großbank in Russland. Seit Putins Amtsantritt im Jahr 2000 hat Russland 900 Mrd. Dollar aus dem Öl- und Gasexport verdient. Das erklärte Ziel Putins war zwar auch, die Wirtschaft des Landes wettbewerbsfähiger zu machen, doch weniger mit der Förderung freien Unternehmertums als mit Hilfe staatlicher Eingriffe.

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