Wirtschaftsausblick
China steht wieder auf

Während die Prognosen für Europa düster sind, taucht China langsam aber sicher aus der Weltwirtschaftskrise wieder auf. Das Wachstum ist besser als erwartet, das Konjunkturpaket zeigt Wirkung. Nur der Außenhandel bleibt ein Sorgenkind.

BEIJING. Mit 6,1% Wachstum hat sich Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 1. Quartal 2009 besser entwickelt als erwartet. Die Regierung in Beijing sieht sich bei den bislang ergriffenen Stimulierungsmaßnahmen bestätigt: schnelle Umsetzung nationaler Großprojekte im Infrastrukturbereich, Überschwemmung des Marktes mit Liquidität und Konsumanreize vor allem für die ländliche Bevölkerung. Während letztere ausgebaut werden sollen, rechnen Beobachter künftig mit einer deutlichen Kreditdeckelung. Ansonsten drohen gewaltige Inflationsrisiken.

Zwar wird derzeit in ökonomischen Kreisen heftig über Basis und Qualität der offiziellen BIP-Daten für das 1. Quartal 2009 diskutiert, die ein Wachstum in Höhe von 6,1% auswiesen. Doch selbst konservative Beobachter sehen einen Aufwärtstrend. So korrigierte die UBS ihre Wachstumsprognose für das BIP der VR China von 6,5% auf 7 bis 7,5% nach oben und selbst die Royal Bank of Scotland erhöhte ihre zuvor konservative Vorhersage von 5% auf 7%. Noch im März 2009 hatte die Weltbank ihre BIP-Prognose für China auf 6,5% reduziert.

Zwar sind die für das 1. Quartal 2009 ausgewiesenen Veränderungen verschiedener Wirtschaftsindikatoren teilweise die schlechtesten seit Jahren. Dennoch geben sie Anlass zur Hoffnung. Denn dass es deutlich schlimmer hätte kommen können, darin sind sich viele Ökonomen einig. Nicht nur Optimisten sehen in einem Quartalswachstum von über 6% einen ersten Hinweis darauf, dass es mit der Wirtschaft bergauf gehen könnte. Gleichzeitig verweisen sie auf einen relativ stabilen Einzelhandelsumsatz im Land, die jüngst positive Börsenentwicklung sowie die erstaunlich hohe Steigerung der Investitionen in den ersten drei Monaten 2009 in Höhe von 28,8%.

Sorgenkind ist und bleibt der Außenhandel. Der Nachfrageausfall vor allem in den USA und Europa ist durch Senkung der Exportsteuern und Erhöhung der Sätze für die Mehrwertsteuerrückerstattung für eine Vielzahl ausgeführter Güter kaum abzufangen. Trotz eines riesigen Volumens an Neukrediten im 1. Quartal 2009 bleibt für den vor allem privatwirtschaftlich strukturierten Exportsektor mangelnde Liquidität aufgrund von Zahlungs- und Auftragsausfällen das Kernproblem; ein Exportaufschwung scheint nicht in Sicht. Auf der gerade abgeschlossenen ersten Phase der "China Import and Export Fair" in Guangzhou (Cantonfair) blieb das Auftragsvolumen rund 20% hinter dem bereits schlechten Ergebnis der letzten Messe im Oktober 2008 zurück.

Zufrieden sind Beijings Wirtschaftslenker bislang hingegen mit dem inländischen Konsum. Zur Steigerungsrate von 15,0% (real 15,9%) im 1. Quartal 2009 sollen vor allem Sonderangebote und Konsumanreize speziell für die ländliche Bevölkerung beigetragen haben. Auch erste Erholungszeichen im Immobiliensektor - laut NBS wurden von Januar bis März 2009 flächenmäßig bereits 8,7% mehr Neuwohnungen verkauft als im Vorjahreszeitraum - verheißen Besserung.

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