Wirtschaftsblick
Weltfinanzkrise erreicht die Golfstaaten

Die glänzenden Zeiten am Golf sind Vergangenheit. Ein sinkender Ölpreis und schwache Immobilienmärkte machen den arabischen Ländern zu schaffen. Einen Krisengewinnler gibt es allerdings: Den Finanzplatz Beirut.

KÖLN. Auch die arabischen Golfstaaten sind von der Weltfinanzkrise betroffen. Gleichzeitig wecken die in der Region angehäuften Petrodollars Begehrlichkeiten. Gegenwärtig üben aber die Finanziers aus Nahost Zurückhaltung. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Kursstürze der regionalen Börsen, rückläufige Öleinnahmen, eine eigene Immobilienblase und die schlechten Erfahrungen mit der Wall Street. Lediglich der Bankenplatz Beirut profitiert von der hohen Liquidität. Dieser gilt als sicher, konservativ und als krisenresistent.

Gerade derzeit könnte das V des in Stahl und Glas gewundenen Hauptquartiers der Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), dem weltgrößten staatlichen Investitionsfonds, als Victory-Zeichen gedeutet werden. Schließlich ist die wachsende Bedeutung arabischer Petrodollars für die Industrieländer kaum übersehbar. So stellt der Vizefinanzminister der USA, Robert Kimmit, anlässlich seiner Aufwartung bei der ADIA fest: "Unsere Volkswirtschaften sind gemeinsam stärker als allein" und pries weiter "den freien Kapitalfluss von Staatsfonds und allen anderen ausländischen Investoren".

Dass die arabischen Geldgeber den von der Hypothekenkrise betroffenen Banken so beispringen, wie 2007 beim Einstieg der ADIA sowie den Staatsfonds aus Kuwait und Katar bei Citigroup, Merril Lynch oder Credit Suisse, ist kaum zu erwarten. Zu hoch sind die bei diesen Deals gemachten Verluste. In der Financial Times Deutschland bringt diese Haltung Nasser Al Shaali, Chef des Dubai International Financial Center (DIFC) auf den Punkt: "Unsere Staatsfonds werden jetzt nicht die Superhelden des Internationalen Finanzsystems spielen. Sie sind zuallererst kommerziell getriebene Investoren."

Die Scheu vor finanziellen Rettungsaktionen ist auch bei den Saudis spürbar. Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington hat Saudi-Arabien den Vorschlag des britischen Premiers Gordon Brown abgelehnt, Saudi-Arabien solle dem Internationalen Währungsfonds oder anderen internationalen Institutionen mit zusätzlichen Mitteln aushelfen. Das Königreich, so der saudische Finanzminister Ibrahim al-Assaf zu Reuters, nehme entgegen vieler Gerüchte nicht aus dem Grunde am Finanzgipfel teil, "um Rechnungen zu bezahlen". Saudi-Arabien sei aber ein großzügiges Geberland. Zudem hat das Königreich ein 400 Mrd. US$ (316 Mrd. Euro) schweres Programm zur Entwicklung der Ölindustrie und des staatlichen Sektors aufgelegt.

Auch in Zukunft glauben Experten werden die Golfstaaten im Ausland investieren. Nur wird dies nicht so schnell und mit viel Bedacht geschehen. Zuhause gibt es genug zu tun: So mussten einige arabische Fonds (Kuwait und Katar) mit Aktienkäufen beispringen, um die eigenen abgestürzten Börsen zu stützen. Zwar sind die arabischen Golfbanken relativ abgekoppelt vom internationalen Finanzsystem. Institutionelle Anleger haben aber wegen anderweitiger Verbindlichkeiten ihr Geld von den Börsen am Golf abgezogen. Dies in Kombination mit einem stark gefallenen Ölpreis, der Furcht vor einer eigenen Immobilienblase sowie den globalen Unsicherheiten, haben die Kurse auf den arabischen Aktienmärkten abstürzen lassen.

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