Wirtschaftsentwicklung
Indiens Bedeutung wächst

Indien ist auf dem Weg in eine soziale Marktwirtschaft. Die seit Mai 2004 neu gewählte Regierung will die Reformen "mit menschlichem Antlitz" weiterführen und konzentriert sich vor allem auf die Verbesserung der Infrastruktur sowie Investitionen im Gesundheits- und Bildungsbereich. Hier liegen große Chancen für deutsche Unternehmen. Die Wirtschaftsentwicklung Indiens im Überblick:

bfai NEW DELHI. Obwohl die indische Wirtschaft in Teilbereichen, wie der Informationstechnologie oder der Pharmazie, und die indische Forschung, etwa in Raumfahrt oder Biotechnologie, in die internationale Spitzenklasse aufgestiegen ist, hat das allgemein gute Wirtschaftswachstum der vergangenen fünfzehn Jahre das Land nicht aus der Gruppe der Entwicklungsländer herausgebracht. Etwa ein Viertel der über eine Milliarde Menschen in Indien (22%) lebt unterhalb der Armutsgrenze und muss mit weniger als einem US-Dollar täglich auskommen, knapp 80% aller Menschen leben von bis zu zwei Dollar am Tag.

Mehr als ein Viertel aller Inder sind Analphabeten. Über zwei Drittel der Menschen leben auf dem Lande, zum Teil unter mittelalterlichen Bedingungen. Das Bevölkerungswachstum hat sich in den vergangenen Jahren auf ca. 2% im Jahr eingependelt. Die demographische Entwicklung Indiens - im Jahre 2005 war ca. ein Drittel der Staatsangehörigen unter 15 Jahre, nur 5% waren über 65 Jahre alt - wird dazu beitragen, dass die indische Wirtschaft auch in Zukunft weit überdurchschnittlich wächst.

Motoren des indischen Wachstums sind der industrielle Sektor mit einem Wachstum von 9% und der Dienstleistungssektor, welcher im Haushaltsjahr 2005/06 (1.4. bis 31.3.) um 9,8% zulegte. Indiens Wirtschaftsstruktur verzeichnet eine deutliche Verschiebung vom primären auf den sekundären und tertiären Sektor. Die Landwirtschaft trägt nur noch 20% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, die Industrie 26%, der Dienstleistungsbereich dagegen bereits 54%.

Zu den wachstumsstärksten Sparten in Indien zählt derzeit auch die Biotechnologie, die 2005/06 um 37% gewachsen ist und in diesem Jahr erstmals 1,5 Mrd. US-Dollar Umsatz erreichen wird. Stetiger Wachstumsmotor ist und bleibt die Software- IT-Servicebranche mit einer Zunahme des Umsatzes in 2005/06 um 32% auf 24 Mrd. US-Dollar. Eine viel versprechende Branche, in der zukünftig mit starkem Wachstum gerechnet werden kann, ist die Nahrungsmittelverarbeitungsindustrie. Ihr Beitrag zum BIP beträgt derzeit 6%, zu den Exporten 13%. Indien ist nach der VR China der zweitgrößte Hersteller von Lebensmitteln; der Anteil am Welthandel ist mit 1,5% allerdings bisher verhältnismäßig gering.

Die Privatisierungsbemühungen der neuen Regierung seit Sommer 2004 sind bislang kaum vorangekommen. Bislang wurden lediglich ein Teilverkauf von Anteilen am staatlichen Elektronikkonzern BHEL und an den Energieunternehmen NTPC, IPCL und ONGC angekündigt. Die erwarteten Einnahmen von 588 Mio. USD sollen einem speziellen Fond zugute kommen, der einerseits unrentablen Staatsunternehmen bei der Restrukturierung helfen soll, andererseits Sozialprojekte finanziert.

Anfang Juli 2006 erzwang eine in der Minderheitsregierung vertretene Regionalpartei die Rücknahme einer Teilprivatisierung bei einem staatlichen Unternehmen. Vor dem Hintergrund der wachsenden politischen Widerstände verkündete daraufhin Premierminister Dr. Manmohan Singh entgegen seinen reformerischen Überzeugungen ein einstweiliges Privatisierungsmoratorium.

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