Wirtschaftskriminalität
Betriebsspione nehmen Mittelständler ins Visier

Industriespitzel haben es längst nicht mehr nur auf Konzerne abgesehen. Sie spähen auch mittelständische Unternehmen im Auftrag der Konkurrenz aus und stehlen sensible Daten. Die Komplizen der Spione kommen häufig aus den eigenen Reihen.

KÖLN HB. Eginhard Vietz kann ein Lied von Betriebsspionen singen. Der US-Geheimdienst CIA hackte sich in das Computersystem des Mittelständlers, um an Geschäftsdaten zu kommen, behauptet der Geschäftsführer des niedersächsischen Pipelinebauers Vietz GmbH. Und ein chinesischer Staatsbetrieb kupferte gleich eine komplette Produktionsanlage ab.

Wie Vietz geht es vielen Mittelständlern. Entgegen des verbreiteten Irrglaubens, nur Großunternehmen würden Betriebsspionen zum Opfer fallen, sind auch Mittelständler beliebte Zielscheiben von wissbegierigen Konkurrenten: "Die Opfer haben innovative Produkte und sind in vielen Bereichen heimlicher Weltmarktführer", sagt Christian Schaaf, Geschäftsführer der Münchener Sicherheitsberatung Corporate Trust. Dadurch gerieten auch Mittelständler ins Visier von Spitzeln konkurrierender Unternehmen, und sogar ausländische Geheimdienste spähen im Dienste der eigenen Wirtschaft deutsche Firmen aus. Industriespionage ist laut Schaaf heute gängige Praxis.

Im Gegensatz zu großen Konzernen seien die meisten Mittelständler aber nicht ausreichend auf die Gefahr vorbereitet, warnt der Experte: "Fast alle Großunternehmen haben eine Sicherheitsabteilung als Schutzschild. Mittelständische Firmen sind hingegen meist nicht auf Angriffe gefasst."

Das mag auch daran liegen, dass viele Unternehmen nicht ausreichend über Wirtschaftskriminalität Bescheid wissen. "Genau deshalb unterschätzen sie das Risiko, selbst Opfer zu werden und investieren zu wenig in die Prävention", sagt Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamts. Das bestätigt auch die Studie "Industriespionage" von Corporate Trust: Obwohl über 80 Prozent der Befragten glauben, dass das Risiko für Industriespionage weltweit ansteigen wird, glauben nur knapp 34 Prozent, dass die Gefahr auch für das eigene Unternehmen steigen wird.

Zu einem alarmierenden Ergebnis kommt auch eine aktuelle Umfrage des Arbeitskreises Sicherheit in der Wirtschaft (ASW). 40 Prozent der befragten Firmen gaben an, in den vergangenen zwei Jahren ausspioniert worden zu sein. Schäden von mindestens 2,8 Milliarden Euro sind der deutschen Wirtschaft dadurch entstanden, der Hamburger Verfassungsschutz schätzt die Dunkelziffer sogar auf 50 Milliarden Euro. Besonders gefährdet sind laut Sicherheitsexperte Schaaf technologiegetriebene Branchen wie der Maschinenbau, die Nanotechnologie oder die Energiewirtschaft.

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