Wirtschaftskriminalität
So wird der Mittelstand systematisch ausspioniert

Spionage ist längst Alltag in deutschen Unternehmen. Auch der deutsche Mittelstand wird von Konkurrenten und Geheimdiensten systematisch durchleuchtet. Doch viele Firmen sichern ihr Know-how noch immer nicht ausreichend und riskieren damit jahrelange Forschungsarbeit - teilweise ohne es überhaupt zu bemerken.
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KÖLN. Werksbesuch im bayerischen Kolbermoor: Ein Geschäftsmann aus China will sich die High-Tech-Fassaden der Firma Rieder anschauen. Ein gemeinsames Projekt in Peking ist geplant, mit einem Auftragsvolumen von rund 20 Mio. Euro. Der Chinese ist betont höflich, er scheint perfekt auf den Besuch vorbereitet zu sein. Doch dann fällt einem Mitarbeiter das schwarze Kabel auf, das unter seiner Weste hervorschaut.

Es führt zu einer Mini-Kamera, die unauffällig am Gürtel befestigt ist. Der Industriespion hat die technischen Geheimnisse des Mittelständlers einfach abgefilmt. Rieder stellt gekrümmte Betonpaneele her, die beispielsweise das Soccer-City-Stadion im südafrikanischen Johannesburg verkleiden. "Ich konnte es zunächst nicht glauben", sagt Geschäftsführer Wolfgang Rieder. "So etwas kennt man doch nur aus dem Kino."

Spionage ist längst Alltag in deutschen Unternehmen. Konkurrenten und Geheimdienste aufstrebender Wirtschaftsnationen stehlen systematisch das Know-how des hiesigen Mittelstands. Den Schaden, der der deutschen Wirtschaft dadurch entsteht, schätzt eine Studie der Universität Lüneburg auf 50 Mrd. Euro jährlich.

Viele Firmen machen es den Kriminellen zu einfach. "Die deutschen Unternehmen unterschätzen die Gefahr massiv", sagt Uwe Claaßen, Leiter der Abteilung Wirtschaftsschutz beim niedersächsischen Verfassungsschutz. Eine Umfrage des Sicherheitsforums Baden-Württemberg ergab, dass nur fünf Prozent der Unternehmen im Bundesland einen Sicherheitsbeauftragten haben. Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfer von KPMG betrachten nur 16 Prozent der befragten Firmen die Verletzung von Schutz- und Urheberrechten als größte Bedrohung. 57 Prozent fürchten sich mehr vor Betrug und Korruption.

Fahrlässiger Umgang mit Daten

Entsprechend fahrlässig sind viele Mittelständler: Sie lassen Firmengebäude unbewacht, Serverräume unverschlossen oder geben Praktikanten Zugang zu ihren IT-Daten. "Die Spione haben es auf Konstruktionspläne, Strategieentwürfe oder Finanzpläne abgesehen - auf alles, was ihnen einen Wettbewerbsvorteil sichert", sagt Berthold Stoppelkamp, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft.

Bei einem niedersächsischen Maschinenbauer etwa brachen die Täter kurzerhand ein und stahlen zwei Computer. Auf den Festplatten war das Wertvollste gespeichert, was die Firma besaß: Die Daten über eine technische Erfindung, von der sich das Unternehmen eine kleine Revolution erhofft hatte. Zwei Jahre Forschungsarbeit gingen über Nacht verloren.

Die Wirtschaftskriminellen sind mit allen Wassern gewaschen: Unter falschem Namen sprechen sie Mitarbeiter auf Messen an, um ihnen Informationen zu entlocken. Oder sie geben vor, ein Joint Venture eingehen zu wollen, und bringen versteckte Kameras mit zum Firmenbesuch.

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  • Mein gott, was für eine blöde Story! Ob die deutsche Unternehmer, nicht selber durch Zukauf von ausländischen Wissenschaftlern oder ingenieure, in dem Sie den Nicht-Etablierten industriestaaten diese Kräfte entnehmen und die High-Tech Technologie für sich beanspruchen. Denken sie doch an EADS wie eng sie mit russischen Raumfahrtunternehmen arbeiten.
    Wie viele ingenieure in indien arbeiten für die deutschen iT-Unternehmen. Und wozu gibts überhaupt Patentrecht? Nur weil ein Chinese mit irgendwelchem Kabel durch die Gegend läuft, schreit man durch die ganze Medien.

  • Wieso die Mitarbeiter laufen doch offiziell und nach deutschen Gesetzen geregelt über die Leiharbeit zur Konkurrenz über? Die Unternehmensleitungen und die Politik wissen das und fördern das wirtschaftlich. Diese Auslagerungen.

    Jetzt sind wieder die Chinesen an allem schuld. So ein Schmarrn.

  • Wer wollte denn diese extrme Globalisierung? Nicht wir bürger, wir Mitarbieter, sondern die Firmen. Und warum? Aus Gier, es winken noch ein paar EUROS.
    Die Spionage aber wird um Längen teuerer als eien verkaufte Maschine nach China.
    Wer wollte denn ausländische Mitarbeiter,möglichst aus China oder sonstigem FErnost? Man entläßt ja lieber den guten detuschen ing.
    Also usnre Mittelständler sollen sich mal selbst an die Nase packen und vielleicht mal wieder an den alten Satz unserer Großeltern denken
    "bleibe im Land und nähre Dich redlich"
    Exportieren ja, aber mehr sollte nicht sein.
    Dieses ganze Gerenne nach China ist nur zum Nachteil der deutschen Firmen
    Wie läuft es denn? Man kann in China ohnehin nur eine Fa. röffnen in Form eines Joint-venture. Ein Chinse sitzt immr mit in der Geschäftsleitung und wenn dann das deutsche Kow how abgekupfert ist, eröffenen die Chinesen ein paar Meter weitr eine eigene Firma, stellen dort die Ware her udn verscherbeln sie billiger.
    Wir wissen das doch und machen tortzdem weiter zum Schaden übrigens nicht nur unserer Mittelständler sondern unseres Landes
    Also Rolle rückwärts wär wohl mal wieder besser
    im übrigen führe ich auch nicht ejden beucvher durch meinen ganzen betrieb

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