„Wirtschaftsnationalismus“
Investoren fühlen sich von Peking gegängelt

Europas Wirtschaft sieht sich in China zunehmend durch einen „wirtschaftlichen Nationalismus“ behindert. Immer öfter werden wichtige Märkte für ausländische Firmen geschlossen, beklagt die Europäische Handelskammer. Während sich chinesische Unternehmen regelmäßig europäische Konkurrenten einverleiben, hat die Volksrepublik Angst vor dem „Ausverkauf“ heimischer Marken und Konzerne.

PEKING. So sei für ausländische Unternehmen der Verkauf von Autoversicherungen oder Flugtickets in China nicht möglich. Auch beim Betrieb von Windkraftanlagen, oft als große Boombranche für europäische Firmen gefeiert, sind laut Kammer Firmen aus Europa weitgehend ausgeschlossen.

„Selbst Konzerne aus EU-Staaten, die in China eine Tochterfirma eröffnen und dort Steuern zahlen, bekommen keinen Marktzugang“, sagte Kammerpräsident Jörg Wuttke am Dienstag bei der Vorlage des Jahresberichts in Peking. Der Nationalismus drücke sich vor allem in Protektionismus aus. „Das besorgt uns schon sehr.“

Die Volksrepublik hatte mit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) 2001 zugesagt, die Märkte zu öffnen und an internationale Standards anzupassen. Inzwischen macht sich bei Firmen aus dem Ausland aber eher Ernüchterung breit, wie die Kammer bei ihren Mitgliedern festgestellt hat. Schwieriger Marktzugang, neue Auflagen und mangelnde Transparenz bei Ausschreibungen und Gesetzesvorhaben schrecken Unternehmen ab – trotz günstiger Produktion und des verlockenden Absatzmarktes.

Nach Angaben der EU-Kammer investieren immer weniger europäische Unternehmen in China. Die Zahl der EU-Projekte sei im ersten Quartal 2008 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 26,3 Prozent gesunken. Nach dem Wert liege der EU-Anteil am Auslandsinvestment in China nur bei fünf Prozent.

Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung ist laut Wuttke das verschärfte Investitionsklima. Während chinesische Firmen in Europa regelmäßig Konkurrenten übernehmen, gebe es bis heute in China nicht eine größere Übernahme eines europäischen Unternehmens. „Wir würden gerne, aber wir können keine Stahl- oder Autofirma in China kaufen“, so Wuttke.

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