Wirtschaftsregion Erzgebirge
Räuchermännchen in schwerer Not

Das Räuchermännchen, Symbol der weihnachtlichen Volkskunst aus dem Erzgebirge, spürt den kalten Wind der Globalisierung: Für viele der über 200 Handwerksbetriebe in der Region geht es ums Überleben. Zu schaffen macht den Handwerksbetrieben und Manufakturen dabei nicht nur die billige Konkurrenz aus Fernost.
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SEIFFEN. Tapfer und trotzig reckt die kleine lustige Holzfigur im grünen Umhang die Standarte in die Höhe. "Echt Erzgebirge" und "Holzkunst mit Herz" steht darauf. Die Figur sieht aus wie der Schutzpatron der Kunsthandwerker aus dem Erzgebirge. Er wacht über die vom Freistaat Sachsen geförderte Imagekampagne des Verbands Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller. "Die Kunst zum Leben" heißt die Kampagne.

Seit fast einem Jahrzehnt stagniert der Umsatz des Traditionshandwerks in der Heimat der Räuchermännchen, Nussknacker, Engel und Bergleute. Verbandsgeschäftsführer Dieter Uhlmann beziffert ihn für die 200 Betriebe, die über die Handelsgenossenschaft Dregeno Seiffen eG oder direkt im Verband organisiert sind, auf etwa 50 Millionen Euro.

Dahinter verbergen sich jedoch sinkende Stückzahlen. Nur Preiserhöhungen haben es möglich gemacht, dass der Umsatz über die Jahre gehalten werden konnte. Helfried Dietel, geschäftsführender Vorstand der 140 zumeist kleinere Handwerksbetriebe zählenden Genossenschaft der Drechsler, Bildhauer und Spielwarenhersteller in Seiffen, erkennt zwar eine Marktsättigung, aber der Positivdenker gehört nicht zu den Schwarzsehern. Zwar fehle im Krisenjahr 2009 der eine oder andere Umsatzeuro, aber viele Menschen leisteten sich gerade in schwierigen Zeiten doch etwas Schönes aus dem Erzgebirge.

Knapp 2 000 Beschäftigte leben mehr schlecht als recht von der erzgebirgischen Volkskunst. Zwei Drittel davon sind Frauen. Ausreichend Arbeit gibt es eigentlich nur im Herbst, in den Monaten vor Weihnachten, saisonale Beschäftigung und Kurzarbeit sind an der Tagesordnung. Selbst in der Hochsaison im November waren im Bezirk der Arbeitsagentur Marienberg, in dem die Betriebe liegen, zwölf Prozent aller Erwerbsfähigen ohne Arbeit.

Große Sprünge können die Mitarbeiter der Handwerksbetriebe und Manufakturen aber auch nicht machen, wenn sie Arbeit haben, denn im "deutschen Weihnachtsland" werden Niedriglöhne zwischen fünf und sieben Euro bezahlt. Ein gesetzlicher Mindestlohn von 7,50 Euro würde für so manchen Betrieb, der heute nur fünf Euro zahlt, das Aus bedeuten. Zwei Drittel aller Kosten sind Lohnkosten. Jede Lohnsteigerung würde das Preisgefälle zu den Asia-Importen noch erhöhen.

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Kommentare zu " Wirtschaftsregion Erzgebirge: Räuchermännchen in schwerer Not"

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  • @ Mc Pommes

    in Vielem stimme ich zu. Der entscheidnde Fehler ihrer Argumetation ist aber, dass diese Männchen überhaupt zu unserem typischen deutschen Weihnachtsfest gehören, so wie ich es jedenfalls als Kind erlebt habe und noch heute schön finde! Dazu brauche ich weder Konsum, noch Räuchermännchen und schon gar keinen "Weihnachtsmann" (Der ist ja bekanntlich von Coca-Cola erfunden worden).
    Zu Weihnachtem gehören Familie, Tannenzweige, Kerzen, beschaulichkeit, Familienspiele, Weihnachtslieder im Familienkreis, das Christkind, Mandarinen, Nüsse Vorlesen von Weihnachtsgeschichten und Einiges mehr.

    Technik von Mario barth, Cassetten mit Weihnachtsliedern von Caruso, Pakete von Douglas oder Männchen aus dem ehemaligen Ostblock brauche ich nicht, um nur wenige beispiele zu nennen.

    So bleibt es ihnen überlassen, worüber Sie sich freuen. Dass die Männchen aus dem Erzgebirge für ein besinnliches Weihnachtsfest erforderlich sein sollen, verweise ich ins Reich der (Konsum-)Fabeln.

    So haben Sie zwar grundsätzlich recht, sollten den bogen aber viel, viel weiter spannen!

  • Es wird eine ander Zeit kommen, da werden wir wieder mehr Wert auf Handarbeit legen. im Grunde steht diese Zeit bereits vor der (industriell gefertigteb)Tür und klopft an. Es dauert nicht lange, da werden wir die Tür öffnen und erkennen, dass Geld und industrie kein Wohlstand sind. Wohlstand hat etwas mit Wohlgefühl zu tun. Das spricht für die Rächermänchen.
    Derjenige, der das noch nicht erkannt hat, ist nichts anderes als ein Kind des industriezeitalters. Er ist schnell gefertigt, billig hergestellt und schnell ersetzbar. An einen Menschen erinnert nur noch das Äußere. innen sieht es nicht viel anders aus - eben innen wie Außen. ich nehme mich da nicht heraus. Auch ich bin ein solches Kind, das aber inzwiswchen erkannt hat, dass die Zeit des Umbruchs gekommen ist. Das Zeitalter der industrie geht zu Ende. Die Jüngste Finanzkrise ist eines von vielen Anzeichen dafür.
    Jetzt könnte man zum Schutz einiger der Kommentatoren sagen, dass das Design des Rächermänchens Geschmacksache ist. Doch dem muss ich widersprechen. Das Räuchermänchen gehört zu Weihnachten und damit zur Zeit der besinnlichkeit. Einem industriell gefertigten Produkt sieht man es an, dass es nur um den Preis ging. Von Sinnlichkeit und Wohlgefühl ist da nichts zu spüren, das war auch nicht das Ziel. Ein industrieprodukt ist wie Fastfood. Nicht das Wohlgefühl, sondern nur die Sättigung ist das Ziel. Wenn man jedoch gesättigt ist, dann beginnt die Sehnsucht nach Wohlgefühl und man sucht ein gescheiteres Restaurant auf.
    Das alles zu erkennen bedarf jedoch einer gewissen Reife.

  • Wer diese handgefertigten Figuren (hochwertiger Kitsch) haben will, kann gerne den hohen Preis zahlen. ich nicht. ich vertraue eher der maschinellen Fertigung. Die ist weniger fehleranfällig.

    Es gibt Hunderte von Fertigkeiten, für die man heute keinen Pfifferling bekommt. So ist das Leben.

    Die bilder und basteleien meiner Kinder sind Kunst!Mit Fertigkeit, Phantasie und viel Liebe hergestellt. Kein einziges Stück biete ich ihnen, Jonas oder Yahel, an, da können Sie bieten was sie wollen!!!

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