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Wirtschaftsspionage: Mittelstand im Visier von Wirtschaftsspionen

Eginhard Vietz hat ziemlich viel erlebt: Die CIA hackte die Computersysteme seines mittelständischen Unternehmens, zwei Mitarbeiter entwendeten Daten, ein chinesisches Staatsunternehmen kupferte eine komplette Vietz-Produktionsanlage samt Produkten ab. Mittelständler sind oft Ziel von Wirtschaftsspionen. Doch Schutz ist möglich.

Unternehmer Eginhard Vietz: Von der CIA, einem chinesischen Partnerbetrieb und eigenen Mitarbeitern ausspioniert. Quelle: Arne Weychardt
Unternehmer Eginhard Vietz: Von der CIA, einem chinesischen Partnerbetrieb und eigenen Mitarbeitern ausspioniert. Quelle: Arne Weychardt

DÜSSELDORF.Mittelständler sind, Sicherheitsexperten zufolge, leichte Beute für Spione aller Kaliber. "Sie sind oft Weltmarktführer in ihrer Nische", sagt Harald Woll, Leiter der Abteilung für Spionageabwehr, Geheim- und Sabotageschutz des baden-württembergischen Landesamtes für Verfassungsschutz. Weil Deutschlands Mittelständler oft Spitze sind, sind sie attraktiv für Wirtschaftsspione. Beispiel Vietz: Mit dem Know-how seiner Firma lässt sich der Bau von Ölpipelines deutlich schneller vorantreiben.

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Zu den beliebtesten Zielen gehören Autozulieferer und Maschinenbauer, die es den Schnüfflern oft leicht machen: Zumal kleine und mittlere Unternehmen ihr wertvolles Wissen erstaunlich schlecht vor unbefugtem Zugriff sichern. "In mindestens 80 Prozent aller Fälle von Wirtschafts- und Industriespionage sind Mittelständler die Opfer", sagt Karl Stefan Schotzko, Geschäftsführer des Verbandes für Sicherheit in der Wirtschaft Baden-Württemberg (VSW-BW). Eine Studie der Münchner Beratungsgesellschaft Corporate Trust bestätigt: 96,1 Prozent der Schäden entfallen auf kleine und mittelständische Unternehmen.

Unternehmer Vietz hatte ein ungutes Gefühl. Dem 67-Jährigen war in seinem Pekinger Werk aufgefallen, dass Mitarbeiter ohne Grund fehlten und Konstruktionszeichnungen offen herumlagen. "Dabei bewahrte unser technischer Leiter die in seinem mit Vorhängeschlössern gesicherten Schreibtisch auf und schwor, er selbst habe sie nicht herumliegen lassen."

Vietz schilderte seine Beobachtungen einem langjährigen Freund im chinesischen Wirtschaftsministerium. Gemeinsam legten sich der Unternehmer und der Ministeriale in einem Kleinwagen vor dem Werkstor auf die Lauer. "Ein VW-Bus fuhr vor", erinnert sich Vietz, "Leute stiegen ein und aus, dann fuhr der Bus weg." Vietz und sein Freund hinterher. In Langfang, 40 Kilometer entfernt, hielt der Bus vor einer Halle. "Die gleiche Halle wie bei uns." Die gleichen Maschinen, die gleichen Produkte - aber viel mehr Leute.

"Vor Entsetzen sind mir die Tränen gekommen", erinnert sich Vietz. Offensichtlich hatte der Joint-Venture-Partner, die staatliche CNPC, es darauf angelegt, Know-how abzugreifen. Vietz ließ sich die Anteile rückübertragen, machte mit neuen Mitarbeitern und strengeren Sicherheitsvorkehrungen weiter. Und fühlte sich sicher.

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