Wirtschaftstrends
Hintergrund: Was Kasachstan Deutschland bieten kann

Kasachstan bleibt für deutsche Unternehmen nach wie vor der bedeutendste Handels- und Kooperationspartner in Zentralasien. Nach Kasachstan gehen mehr als drei Viertel aller Lieferungen Deutschlands in die Region. Eine detallierte Analyse der Branchen und ihrer Entwicklung.

ASTANA. Im Mai 2007 korrigierte die kasachische Regierung ihre Prognose für das jährliche Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den Jahren 2007 bis 2009 um 0,5 Prozentpunkte auf 9,3 Prozent nach oben. Die hohen Erwartungen haben sich nach dem Ausbruch der Finanzkrise in den USA und deren Auswirkungen auf den Bankensektor Kasachstans zerschlagen. Die einheimischen Banken, die sich ihr Kapital zu einem Großteil im Ausland beschaffen, leiden unter erheblichen Liquiditätsengpässen. Laut Einschätzung des Finanzministers, B. Shamischew, dürfte das Land noch bis Ende 2008 mit den Auswirkungen der internationalen Finanzkrise zu kämpfen haben.

Nach einem Wachstum des BIP von 8,5 Prozent im Jahr 2007 peilt die Regierung nun für 2008 und 2009 ein bescheideneres Plus von 5,0 Prozent und 6,3 Prozent an. Der erwartete Zuwachs stützt sich auf vier Pfeiler: die weiterhin hohen Erlöse aus dem Öl-, Metall- und Getreideexport, die regen Investitionen in die Öl-, Gas- und Erzförderung, die Umsetzung der von den wirtschaftsfördernden Einrichtungen des Landes vorbereiteten großen Investitionsprojekte im verarbeiteten Gewerbe und im Dienstleistungssektor sowie das weiterhin hohe Niveau im Privatverbrauch.

Zudem hat die Regierung im Herbst 2007 beschlossen, das leidende Kreditgeschäft der Geschäftsbanken 2007 und 2008 mit Haushaltsmitteln in einem Volumen von 4 Mrd. US-Dollar zu unterstützen. Die Gelder kommen dem Baugewerbe (Kredite für ausgewählte Wohnungsbaufirmen und Förderung des Hypothekenmarktes), der Finanzierung von Projekten kleiner und mittlerer Unternehmen sowie der Förderung perspektivreicher großer Investitionsprojekte zugute. Der im 1. Quartal 2008 erreichte BIP-Zuwachs von 5,3 Prozent lässt hoffen, dass die Prognose für das Gesamtjahr zur Realität wird.

Die Liquiditätskrise führte zu einer deutlichen Ausweitung des Zahlungsbilanzdefizits auf 6 Mrd. bis 7 Mrd. US-Dollar im Jahr 2007 (etwa 6 bis 7 Prozent zum BIP; vorläufige Angaben der Nationalbank) gegenüber 1,8 Mrd. US-Dollar im Vorjahr. Zu dem Minus haben ein verstärkter Kapitalabfluss ins Ausland (Gewinn- und Kapitaltransfer sowie Darlehenstilgung; Veränderung gegenüber dem Vorjahr: +37,6 Prozent) und die rasant gestiegenen Importe von Waren (+42,8 Prozent) und Dienstleistungen (+26 Prozent) beigetragen. Kritisch ist auch zu sehen, dass der hohe BIP-Zuwachs in den letzten Jahren von einer steigenden Inflation begleitet war. Die Preise legten 2007 gegenüber 2006 um 10,8 Prozent zu und lagen im Dezember 2007 um 18,8 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresniveau.

Diese hohen Teuerungsraten sind auf den großen Kapitalzufluss, den sich ausweitenden Geldumlauf, die kräftig gestiegenen Weltmarktpreise für Rohstoffe, Halbprodukte und Nahrungsgüter und nicht zuletzt auf die deutlich gewachsenen Einkommen der Bevölkerung zurückzuführen. Unter Einbeziehung der Immobilien- und Mietpreise, die bisher keinen Eingang in die Berechnung der Inflationsrate finden, dürfte das reale Preisplus in der Wirtschaft insgesamt 2007 um etwa 10 Prozentpunkte über der statistisch ausgewiesen Teuerungsrate gelegen haben. Für 2008 erwartet die Nationalbank infolge eingeleiteter Maßnahmen zur Preiseindämmung wieder eine Inflationsrate in einem einstelligen Bereich.

Positiv schlägt in der Makroökonomie zu Buche, dass die Devisenreserven zusammen mit dem akkumulierten Kapital im Ölfonds Ende 2007 eine imposante Größenordnung von zwei Fünfteln des Bruttoinlandsprodukts erreicht haben und dass der Staatshaushalt 2007 nur mit einem kleinen Fehlbetrag von 215,3 Mrd. T (1,7 Prozent zum BIP) abgeschlossen hat. Für 2008 erwarten die Planer ein Defizit von 1,4 Prozent zum BIP.

Unter Einschluss des Nationalfonds, in dem die dem Land über den Haushaltsansatz hinaus zufließenden Steuerüberschüsse aus dem Öl- und Metallexport akkumuliert werden und in den seit 1.7.2006 auch die direkten Steuern der in der GUS-Republik tätigen Ölgesellschaften sowie Erlöse aus dem Verkauf von Industriebetrieben und Agrarflächen fließen, weist Kasachstan schon seit Jahren hohe Überschüsse aus.

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