Wirtschaftstrends
Immer mehr deutsche Mittelständler zieht es nach Polen

Der private Konsum entwickelt sich in Polen sehr positiv. Davon profitieren deutsche Unternehmen. Besonders Möbel, elektrische Hausgeräte und Unterhaltungselektronik werden nachgefragt. Deutschland ist auch der wichtigste Außenhandelspartner Polens. Die Ausfuhren ins Nachbarland stiegten erneut deutlich an. Die Wirtschaftstrends im Überblick:

bfai WARSCHAU. Die Ausfuhren Deutschlands nach Polen sind von Januar bis Juli 2006 um fast 11% auf 50,04 Mrd. Zl (rund 12,82 Mrd. Euro) gestiegen. An ausländischen Direktinvestitionen wurden im 1. Halbjahr 2006 rund 4,74 Mrd. Euro (vorläufige Angabe der NBP) registriert. Die investierenden Unternehmen kommen vor allem aus den Bereichen Elektronik und Business Process Outsourcing.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im 1. Quartal 2006 um 5,2%. Im 2. Quartal erhöhte sich die Wachstumsrate auf 5,5%. Für das Gesamtjahr 2006 sollen es laut dem unabhängigen Marktwirtschaftlichen Forschungsinstitut in Gdansk (IbnGR) +4,9% werden. Auch die weiteren Aussichten sind positiv. Die BIP-Wachstumsannahmen der Regierung betragen 4,6% für 2007, 4,8% für 2008 und 5,0% für 2009. Damit liegen sie geringfügig über denen führender Wirtschaftsforschungsinstitute und Banken, dagegen die Inflationserwartungen mit 1,9% (2007) und 2,5% (2008 und 2009) leicht darunter.

Hauptmotoren des Wachstums sind die kräftig gestiegenen Exporte (+18,0%) und die hohe Inlandsnachfrage (+5,1%). Dank der guten Konjunktur auf den Absatzmärkten hofft die Industrie auf weiter wachsende Auftragseingänge. Im 2. Quartal 2006 stieg die industrielle Wertschöpfung um 9,4%. Die Bauwirtschaft durchlebt nach langer Durststrecke wieder ein Konjunkturhoch und konnte im genannten Zeitraum um stattliche 5,2% zulegen, der Dienstleistungssektor um 4,8%. Hier rechnen vor allem Finanzunternehmen mit einer weiteren Verbesserung ihrer Geschäftssituation.

Daneben treibt der stark wachsende private Konsum die Konjunktur an. Der polnische Verbrauchermarkt ist in seiner Entwicklung 2006 sehr attraktiv. So konnte der Einzelhandel im August 2006 im Jahresvergleich um 11,5% zulegen. Für das Gesamtjahr wird ein Plus von11% erwartet. Dies ist auf die steigenden Löhne und Kaufkraft zurückzuführen, denn polnische Arbeitnehmer verdienten im 2. Quartal 2006 im Schnitt 2.427 Zl (umgerechnet 615 Euro). Das waren 4,7% mehr als im selben Vorjahreszeitraum. Besonders Möbel, elektrische Hausgeräte und Unterhaltungselektronik wurden nachgefragt (+22,1%). Aber auch die Verkäufe von Autos, Motorräder und Kfz-Teile zogen überdurchschnittlich an (+14,9%).

Auch die Investitionstätigkeit belebt sich. Größere Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten haben von Januar bis Juni 2006 um 15,6% mehr investiert, kleinere sogar um 20,0%. Wermutstropfen: Anfang 2007 rechnen Marktbeobachter mit einer Zinserhöhung - der Leitzins lag Ende September 2006 bei 4,0% -, was einen Dämpfer für die Konjunktur bedeuten könnte.

Im August 2006 betrug die Arbeitslosenquote 15,5%, nachdem sie zu Jahresbeginn noch bei 18,0% gelegen hatte. Mehr Menschen in Lohn und Brot bedeuten steigende Privateinkommen, was den Konsum weiter beleben wird. Da die Beschäftigung aber nicht einmal halb so stark wächst wie das BIP, nimmt auch die Arbeitsproduktivität zu. Die positiven Finanzergebnisse der Unternehmen stimmen optimistisch, dass sich der Trend auf dem Arbeitsmarkt fortsetzen könnte: Firmen mit 10 bis 49 Beschäftigten konnten ihre Einnahmen im 1. Halbjahr 2006 um 10%, ihr Nettoergebnis sogar um 32% verbessern.

Eine Erhöhung der Leitzinsen scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, denn seit Juli 2006 ist die gesamtwirtschaftliche Teuerung unübersehbar. Vor allem die Preise für Lebensmittel, Transport und Wohnungen steigen. Ferner üben das allgemeine Wirtschaftswachstum, die sinkende Arbeitslosigkeit sowie die schnell wachsenden Löhne und Gehälter Druck auf die Preise aus, so dass Analysten von einem weiteren Inflationsanstieg ausgehen. Die Vorausschätzungen zum Jahreswechsel belaufen sich auf Inflationsraten zwischen 2,0 und 2,5%. Der Geldpolitische Rat Polens (RPP) erwartet jedoch keine Beschleunigung der Inflation. Trotz der teilweise instabilen politischen Lage des Landes ist der Außenwert des Zloty relativ konstant geblieben.

Der Haushaltsentwurf für 2007 sieht Ausgaben in Höhe von 257 Mrd. Zl (rund 66 Mrd. Euro) und Einnahmen von 227 Mrd. Zl (rund 58,3 Mrd. Euro) vor. Das Defizit betrüge damit 30 Mrd. Zl (rund 7,7 Mrd. Euro) und soll laut Premierminister Jaroslaw Kaczynski unterhalb des Maastricht-Konvergenz-Kriteriums von 3% des BIP bleiben. Die Schuldenstandsquote überstiege zum Jahresende 2007 die 50%-Marke, sagte Finanz- und Vizepremierministerin Zyta Gilowska. Bildungs-, Wirtschafts- und Verteidigungsministerium sollen mehr Geld erhalten als bisher, die Ausgaben für die öffentliche Verwaltung bleiben trotz früherer Sparversprechen konstant. Auf 985 Mio. Zl (253 Mio. Euro) steigen die Zahlungen an die EU.

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