Wirtschafttrend 2008/2009
Italien fährt auf eine Rezession zu

Die italienische Regierung hat angesichts der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise ein Konjunkturprogramm angekündigt. Und das nicht ohne Grund, wie ein genauer Blick auf die italienische Wirtschaftslage zeigt. Der Konsum etwa ist rückläufig – und eine Trendwende nicht in Sicht.

MAILAND. In Italien hat die konjunkturelle Abkühlung deutlich zugenommen. Mit einer erwarteten Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von -0,2% im Jahre 2008 und -0,4% in 2009 steuert das Land auf eine Rezession zu. Der private Konsum hat sich infolge der internationalen Finanzkrise deutlich verlangsamt, mit negativen Auswirkungen vor allem auf die Automobil- und die Bauindustrie. Aussichten auf eine kurzfristige Trendwende sind nicht in Sicht. Erstmals seit Jahren weist Italien eine positive Handelsbilanz aus. Deutschland ist wichtigstes Lieferland.

Ausblick und Bruttoinlandsprodukt

Seit Mai 2008 regiert in Italien die Mitte-Rechts-Koalition von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, die bei den Parlamentswahlen im April die absolute Mehrheit in der Abgeordnetenkammer und im Senat erwarb. Die Regierung hat seit ihrer Amtszeit nicht nur Gesetze "ad personam" erlassen. Unter anderem wurde die Immunität von Regierungschef Silvio Berlusconi, gegen dem mehrere Prozesse im Gang sind, garantiert. Viel Staub hat auch die im Herbst verabschiedete Schul- und Universitätsreform sowie die Privatisierung der nationalen Fluggesellschaft Alitalia aufgewirbelt. Zahlreiche Streiks und Protestkundgebungen gegen die Regierungspolitik charakterisieren das soziale Klima im Herbst/Winter 2008/09.

Italien bleibt auch 2008 der Nachzügler im EU-Raum. Mit einem von den Konjunkturforschern zwischen 0,2 und 0,4% prognostizierten Rückgang des Bruttoinlandproduktes (BIP) im Jahr 2008 liegt Italien im Schlussfeld der EU-Länder. Nachdem sich das BIP sowohl im zweiten wie auch im dritten Quartal (-0,5%) rückläufig entwickelte, ist Italien zumindest technisch gesehen in eine Rezessionsphase getreten. Aussichten auf eine kurzfristige Trendwende sind nicht in Sicht. Für 2009 erwarten die Prometeia-Konjunkturforscher eine weitere Abnahme des BIP um 0,4% und der Unternehmerdachverband Confindustria von -1%.

Erst 2010 soll mit +0,8% eine zaghafte Belebung eintreten. Damit tritt Italien in die längste Rezessionsphase der Nachkriegs-Wirtschaftsgeschichte ein. Die Konsumkrise wirkt sich derzeit vor allem auf die Automobilbranche aus. Die rückläufigen Investitionen im Baubereich werfen ihre Schatten auch auf den Einrichtungs-und Möbelsektor. Vor allem im Autodistrikt rund um Turin herrscht Krise. Insgesamt hat sich die Anzahl der auf Kurzarbeit gesetzten Arbeitnehmer im September 2008 um 70% gegenüber dem Vorjahreszeitraum verringert. Laut dem ehemaligen Wirtschaftsminister Giuliano Amato sind derzeit eine Million Arbeitsplätze gefährdet.

Die internationale Immobilien- und Finanzkrise hat die bereits seit Jahresbeginn eingesetzte Konjunkturschwäche noch verstärkt und die schwachen Investitions-und Konsumtätigkeiten weiterhin verlangsamt. Die Krise wirkt sich auf Italiens Wirtschaft weniger stark aus als auf jene Länder, die in den letzten Jahren ihre Industrieproduktion abgebaut und den Finanz-Dienstleistungssektor ausgebaut haben. Denn in Italien hat die verarbeitende Industrie noch einen großen Stellenwert. Der Industriesektor bestreitet hier noch 25% des BIP. Der verschärfte internationale Wettbewerb hat dazu geführt, dass zahlreiche Industriebranchen, wie etwa der Textilsektor oder aber die lederverarbeitende Industrie weitgehend umstrukturiert und erneuert wurden.

Das relativ konservative Anlageverhalten der Italiener und die keineswegs großzügige Kreditvergabe der Banken haben einen Zusammenbruch des Finanzsystems verhindert. Die Subprime-Krise hat Italien auch deshalb nur in geringerem Ausmaß betroffen, da 85% aller Italiener in ihren eigenen vier Wänden leben. Zwar haben sich die Immobilienpreise in den letzten fünfzehn Jahren verdoppelt, von einer Immobilienblase ist hier aber nicht die Rede. Einige Großbanken und auch Versicherer sind von der Subprime Krise und dem Zusammenbruch von Lehman Brothers betroffen.

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